Angestellte von Tabakfirmen gehören zu den Schweizer Spitzenverdienern

In wenigen Branchen werden so gute Löhne bezahlt wie in der Tabakverarbeitung. Die Konzerne kompensierten damit ihr schlechtes Image, vermutet ein Experte.

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Es ist die vielleicht grösste Auffälligkeit in der neuen Lohntabelle des Bundesamts für Statistik: Unter den rund 80 Gewerbesparten, für die der Bund die mittleren Lohnniveaus recherchiert hat, liegt die Tabakverarbeitung auf dem fünften Rang. Im Berichtsjahr 2012 lag der monatliche Medianlohn hier bei 8939 Franken; das heisst, jeder zweite Angestellte der Branche verdiente mehr als diesen Betrag.

Die Tabakverarbeiter liegen damit etwa über den gut bezahlten Berufen der Rechtsberatung und Wirtschaftsprüfung (Medianlohn 7475 Franken) oder der Versicherungen (8024 Franken) – und sehr deutlich über dem Schweizer Totalmedianlohn von 6118 Franken. Besser als die Tabakkonzerne zahlten bloss noch die Finanzdienstleister (Medianlohn 9823 Franken), die Pharmahersteller (9775 Franken), die Unternehmensberater (9032 Franken) sowie Firmen, deren Tätigkeiten eng mit der Finanz- und Versicherungsbranche verbunden sind (8958 Franken).

Viele Akademiker, wenig Junge

Beim Stichwort Zigarette denkt kaum ­jemand ans grosse Geld – wie kommt es, dass hier so hohe Summen ans Personal fliessen? Ein Grund dafür könnte der überdurchschnittliche Akademikeranteil sein, sagt Antoinette Rouvinez Mauron vom Statistikamt. Ihr zufolge haben von den Beschäftigten der Tabakindustrie 20 bis 25 Prozent einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss – über alle Branchen gerechnet sind es nur 15 Prozent. Überdies finden sich in der Tabakverarbeitung derzeit offenbar relativ wenig Angestellte unter 30 Jahren. Das kann ins Gewicht fallen, da Altgediente meist klar besser verdienen als Junge – die Differenzen liegen zuweilen bei mehreren Tausend Franken. Im Übrigen, so Rouvinez Mauron, sei die Tabakverarbeitung generell ein Wirtschaftszweig mit starker Wertschöpfung.

In der Tat handelt es sich bei den in der Schweiz tätigen Zigarettenproduzenten – Philip Morris International, British American Tobacco, Japan Tobacco Inc. – um Weltkonzerne mit entsprechen­der finanzieller Potenz. Dass sie sich hohe Saläre nicht nur leisten können, sondern auch effektiv ausbezahlen, dafür vermutet der Berner Wirtschaftswissenschaftler Norbert Thom noch einen weiteren Grund: das schlechte Image der Branche. «Wenn Sie dort angestellt sind, werden Sie heutzutage als eine Art Giftstreuer betrachtet.» Um als Arbeit­geber trotzdem attraktiv zu bleiben, müssten die Tabakkonzerne gute Konditionen bieten, erklärt Thom. «Ähnliches lässt sich zum Teil auch bei handwerklichen Berufen beobachten. Körperlich besonders anstrengende Tätigkeiten wie Betonarbeiter werden hier überdurchschnittlich entlöhnt.» Am Rande könnte gemäss Thom auch noch hineinspielen, dass «ausgewählte Personen bei der ­Tabakselektion ein besonderes Talent benötigen, analog zu Parfumeuren».

Bei den drei grossen Tabakkonzernen war gestern niemand für Auskünfte zu erreichen. Fabian Renz

Erstellt: 30.05.2014, 22:18 Uhr

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