Die Schneekönigin muss zittern

Die bayrische Ministerin Christine Haderthauer soll Gefangene ausgebeutet und den Staat betrogen haben.

«Eiskalte Schneekönigin»: Die bayrische CSU-Ministerin Christine Haderthauer.

«Eiskalte Schneekönigin»: Die bayrische CSU-Ministerin Christine Haderthauer.

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Erst nannte man sie die «eiskalte Schneekönigin». Nun hat Christine Haderthauer, bayrische CSU-Ministerin, einen neuen Titel bekommen: «Mutter Teresa der Psychiatrie».

Schmeichelhaft ist auch die zweite Bezeichnung nicht gemeint. Die 51-Jährige, lange als Nachfolgerin von CSU-Chef Horst Seehofer gehandelt, taumelt seit Wochen durch die «Modellauto-Affäre». Nachdem sie ihre Lage durch ungeschickte Kommentare verschlechtert hatte, hat sie sich im Urlaub verschanzt. Von dort stellt sie Fotos eines windstillen Sees auf Facebook. Der Sturm um die Affäre schwächt sich deshalb nicht ab. Im Gegenteil. Deutsche Medien decken ständig neue Details auf, obwohl Haderthauer kritischen Journalisten gerne mit dem Anwalt droht.

Initator war ein Dreifachmörder

Der Fall begann 1990. In einer Klinik für psychisch kranke Verbrecher liess der Psychiater Hubert Hader­thauer, Gatte von Christine, Insassen aufwendige Modelle teurer Autos basteln. Die Minilimousinen sind edle Handarbeit, sogar ihr Motor funktioniert. Um sie zu vermarkten, gründete Haderthauer mit seiner Frau die Firma Sapor. Angeregt hatte die Produktion ein Dreifachmörder, als Belohnung sollen ihn die Haderthauers mehrmals zum Essen ausgeführt haben.

Bis zu 16 Häftlinge feilten an den Miniaturmercedes und Bentley, acht Stunden pro Tag, manchmal länger. Als Lohn bekamen sie etwa 250 Euro im Monat. Auf dem Markt erzielten die Modelle Preise von bis zu 20 000 Euro, weltweit griffen die Sammler zu. Rund drei Viertel der Einnahmen floss direkt an die Haderthauers.

Gewinnbringendes Therapieangebot

Ex-Insassen werfen dem Paar vor, sie ausgebeutet zu haben. Christine Haderthauer spricht von einem privat finanzierten Therapieangebot, das den Häftlingen Spass gemacht und ihnen Erfolgserlebnisse beschert habe. Dass sie und ihr Mann damit Geld machten, gehe deshalb in Ordnung. «Das war ein von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art.»

Doch die Vorwürfe reichen weiter. Einen Teil des Gewinns sollen die Haderthauers an den Steuerbehörden vorbeigeschmuggelt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ein früherer Geschäftspartner hat das Paar ebenfalls angezeigt. Es habe ihm seine Beteiligung vorenthalten.

Haderthauer weist jede Schuld von sich. Schon 2003 habe sie Sapor verlassen. Die Aufregung tat sie als «Sommertheater» ab.

Berechnend und hartherzig

Nun staunt Bayern über eine Sozialministerin, die angeblich Gefangene ausnutzte. Dabei haben Gegner Haderthauer schon früher als berechnend und hartherzig verurteilt. Die Juristin wurde 2003 ins Parlament gewählt, 2008 holte sie CSU-Chef Horst Seehofer in die Regierung. Als zweifache Mutter, die eine Anwaltskanzlei aufbaute, sollte sie der CSU ein moderneres Image verleihen.

Im Mai 2013 sorgte sie für einen ersten Eklat, weil sie sich beim Besuch eines Asylheims weigerte, mit den Asylbewerbern zu reden. Flüchtlingen im Hungerstreik sagte sie, ein Rechtsstaat sei nicht erpressbar.

Fortsetzung des «Sommertheaters»

Horst Seehofer hielt lange zu ihr. Erst nachdem viele CSU-Mitglieder befürchteten, die Affäre schade der Partei, äussert sich nun auch der Vorsitzende skeptisch. Haderthauer habe sich «wenig hilfreich verhalten». Bald müsse Klarheit herrschen.

Gegen Seehofer, den Alleinherrscher von Bayern, wird es Haderthauer schwer haben. Da aber Aufgeben nicht zu ihrer «mentalen Software gehört» (Zitat «Süddeutsche Zeitung»), wird sich das Sommertheater wohl bis in den Herbst verlängern.

Erstellt: 14.08.2014, 06:43 Uhr

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