Ein wilder Zürcher Ritt zum Sieg

Die ZSC Lions verspielen gegen den EVZ ein 4:1 und siegen 5:4 – dank Petterssons spätem Glücksschuss.

Jubelschreie im Hallenstadion: Der ZSC meldet sich zurück. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

Jubelschreie im Hallenstadion: Der ZSC meldet sich zurück. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

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Einen Abend lang hatte man Fredrik ­Pettersson für einmal kaum gesehen bei den ZSC Lions. Der Ausländersturm mit Vey und Korpikoski, der die Zürcher ­offensiv hätte anführen sollen, blieb ­wirkungslos. Doch als es schon nach Overtime roch, weil die Zürcher einen 4:1-Vorsprung verspielt hatten, war der Schwede dann doch wieder die entscheidende Figur: Er passte in der 59. Minute hinter dem Zuger Tor zu Vey, fuhr zurück, brachte sich in Schussposition und schoss direkt, als er den Puck wieder erhielt. Sein Schuss war nicht genau, er hätte das Tor verfehlt, doch der Zuger Verteidiger Schlumpf lenkte den Puck unglücklich an Stephan vorbei. Oder glücklich, je nach Sichtweise.

Glück hatten die Zürcher schon in den Minuten zuvor ein paarmal gebraucht, als sie nach der kräftigen Zuger Aufholjagd in den Seilen hingen und mehrmals nur Zentimeter fehlten zum K.-o.-Schlag der Gäste. Es war ein verrücktes Spiel mit einem lange überzeugenden ZSC, der dann aber dafür bestraft wurde, dass er sich auf seinem scheinbar beruhigenden Dreitore-Vorsprung ausruhte. Fast schon unbemerkt verkürzte Martschini (44.) auf 2:4, dann Roe (46.) unbedrängt auf 3:4. Und in der 56. Minute gab Klein an der Bande, gecheckt von Klingberg, den Puck preis. Suri spielte ihn auf den freistehenden McIntyre – 4:4. Die Zürcher waren geschockt, doch dank ­Pettersson durften sie doch noch jubeln.

1200 Stunden für Choreos

Empfangen worden waren die ZSC Lions an diesem denkwürdigen Playoff-Abend von einer weissen Wand – die Sponsoren hatten für weisse Gratis-T-Shirts zusammengelegt – und einer liebevoll gemachten Choreografie. Eine Blockfahne, die hochgezogen wurde, zeigte das Grossmünster im Hintergrund und vorne vier Velofahrer, von denen jener im blauweissroten Shirt als Erster die Ziellinie überquert. Es war das vierte Bild aus einer Serie der ZSC-Kurve. Rund 1200 Arbeitsstunden waren da hineingesteckt worden, 410 Liter Farbe auf 1000 Quadrameter Fläche verteilt. Trotz der bislang enttäuschenden Saison hat der harte Kern des Anhangs die Mannschaft also noch nicht aufgegeben.

Und die Mannschaft sich selber ­offenbar auch noch nicht. Das zeigte sie bei ihrem Heimauftakt im Playoff. Herzog sorgte bereits in der 5. Minute mit dem schön herausgespielten 1:0 für den ersten Anlass zur Freude bei den ZSC-Fans. Die Energie des Teams war in den ersten Minuten spürbar, doch es dauerte nur 55 Sekunden, bis der EVZ ausgleichen konnte. McIntyre traf bei einem schnellen Gegenstoss genau ins Lattenkreuz. Nach dem 1:1 entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, bis Kenins in der 18. Minute im zweiten ZSC-Powerplay zum 2:1 durch die Beine Stephans ablenkte. In 40 Qualifikationsspielen hatte er ein Tor erzielt, nun sind es in zwei Playoff-Auftritten bereits doppelt so viele.

Mit dem kuriosen 3:1 zu Beginn des Mittelabschnitts leitete Geering – er traf per Kopf im Stile eines Fussballers – die beste ZSC-Phase ein. Die Zürcher waren nun klar spielbestimmend und überforderten die Zuger mit ihrem Tempo. Doch es schaute nur noch das 4:1 Herzogs (31.) heraus. Es hätten auch zwei, drei ZSC-Tore mehr fallen können, und so wurde es also wieder spannend.

Was die Zürcher aus diesem wilden Ritt mitnehmen können, ja müssen: Sie sind defensiv zu wenig stabil, um Führungen verwalten zu können. Was ihnen nur eine Möglichkeit lässt: Tempo, Tempo und nochmals Tempo zu machen. Angriff ist ihre beste Verteidigung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2018, 23:31 Uhr

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