IV will psychisch Kranke und Junge weg von der Rente bringen

Die Invalidenversicherung will mehr psychisch Kranke ins Berufsleben integrieren. Auf neue Sparmassnahmen bei der IV wird verzichtet.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Invalidenversicherung will mehr psychisch Kranke ins Berufsleben integrieren. Auf neue Sparmassnahmen bei der IV wird verzichtet.

Dass die IV ab 2018 wieder ohne Mehrwertsteuer-Zuschuss schwarze Zahlen schreiben dürfte, liegt vor allem an der erheblich verschärften Rentenpraxis. Innert zehn Jahren hat die IV die Zahl der Neurenten halbiert. Weit weniger erfolgreich ist sie aber bei der beruflichen Integration psychisch Kranker. Eigentlich sollten bis 2017 rund 10'000 Renten von psychisch Kranken aufgehoben werden, indem diese in den Arbeitsmarkt integriert werden. Aber dieses Ziel dürfte die IV klar verfehlen, da sich die Integration als schwierig erweist.

Nun will der Bundesrat die Anstrengungen der IV nochmals verstärken. Psychisch Kranke benötigten eine ständige Begleitung bei der Integration, sagte Jürg Brechbühl, Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV), gestern vor den Medien. Um für mehr Kontinuität beim Integrationsprozess zu sorgen, soll künftig immer die gleiche Vertrauensperson für einen IV-Rentner zuständig sein. Den Arbeitgebern will die IV noch mehr Garantien dafür geben, dass sie durch die Anstellung eines IV-Rentners mit psychischer Diagnose kein finanzielles Risiko eingehen.

Ein grosses Problem hat die IV nach wie vor mit den 18- bis 24-jährigen Rentenbezügern. Bei diesen stagniert die Zahl der Neurenten seit 2001, während sie bei allen anderen Altersgruppen stark zurückging. Von 2009 bis 2013 erhielten jährlich 2000 junge Erwachsene neu eine IV-Rente. Ein Grund ist die starke Zunahme von Renten wegen psychischer Erkrankungen. Während insgesamt die psychischen Diagnosen gut die Hälfte aller Neurenten begründen, sind es bei den Jugendlichen 70 bis 80 Prozent, vielfach wegen ADHS oder Persönlichkeitsstörungen.

Auch hier will der Bundesrat bei der beruflichen Integration ansetzen. Diese gelingt bei Jugendlichen häufig nicht, weil sie schon bei der Berufsausbildung scheitern. Die IV selbst sah bisher häufig keine andere Möglichkeit, als den jungen Erwachsenen eine IV-Rente zuzusprechen. Wer jedoch vor 25 zum IV-Rentner wird, hat schlechte Chancen, je die berufliche Integration zu schaffen.

Ziel der IV ist es, dass mehr dieser Jugendlichen eine Berufslehre im freien Arbeitsmarkt absolvieren. Dazu will der Bundesrat finanzielle Fehlanreize beseitigen, die junge Erwachsene davon abhalten, eine ordentliche Lehre statt einer von der IV organisierten Ausbildung zu absolvieren. Für diese Ausbildungen erhalten junge Erwachsene über 20 Jahren von der IV heute Taggelder, die erheblich höher sind als ein Lehrlingslohn. Damit fehlt der Anreiz, eine Berufslehre im freien Arbeitsmarkt zu absolvieren.

Für diese Reformen wird der Bundesrat bis Ende Jahr eine Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten. Diese werde kostenneutral sein, also keine eigentlichen Sparmassnahmen beinhalten. Teil dieser Vorlage wird auch die Einführung eines linearen Rentensystems sein, das anstelle der heutigen Viertelsrenten treten soll. Damit sollen IV-Rentner mehr Interesse an einer Erwerbstätigkeit haben. Die Einführung eines stufenlosen Rentensystems scheiterte 2013 im Parlament. Der Hauptgrund dafür, dass diese IV-Revision 6b scheiterte, war jedoch, dass sich das Parlament nicht über eine Schuldenbremse für die IV einigen konnte. Es pochte aber darauf, dass die IV bis 2028 ihre Milliardenschulden bei der AHV zurückzahlt. Markus Brotschi

Erstellt: 25.02.2015, 20:54 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Never Mind the Markets Droht ein Wachstumsstopp?

Sweet Home Schon jetzt eine Ikone

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...