Martin Graf ist das Pfand der SP

Sollten die Grünen bei den nationalen Wahlen mit der GLP anbändeln, hat die SP ein wirksames Drohmittel.

Muss sich im Frühling gegen drei Powerfrauen behaupten: SP-Regierungsrat Martin Graf. Foto: Sophie Stieger

Muss sich im Frühling gegen drei Powerfrauen behaupten: SP-Regierungsrat Martin Graf. Foto: Sophie Stieger

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Zürich – Seit die ehemaligen Kumpel Martin Bäumle (GLP) und Balthasar Glättli (Grüne) wieder miteinander reden und gar über einen gemeinsamen Bundesratssitz nachdenken, ist bei der SP Feuer im Dach. Glättli betont zwar: «Ich habe mit Bäumle bloss über strategische Optionen in Bern gesprochen.» Listenverbindungen für die Nationalratswahlen seien kein Thema. Der gewiefte Taktiker und Rechenkünstler Glättli räumt aber ein. «Wir helfen den Kantonen gerne beim Rechnen, in ihren Entscheiden aber sind sie autonom.»

Nur schon das Gerücht, dass sich die Grünen im Herbst 2015 mit der GLP ins Lotterbett legen könnten, treibt den Genossen den Puls hoch. Aus politischen Gründen, weil die GLP eine rigide Sozialpolitik fährt. Aber auch aus eigennützigen Überlegungen: Bei Listenverbindungen profitiert meist die grössere Partei – die SP. Der Zürcher SP-Präsident Daniel Frei betont in der «SonntagsZeitung», dass die SP mit Rücksicht auf die Grünen bei den Regierungsratswahlen auf eine Dreierkandidatur verzichtet habe.

Die AL-Kandidatur als Drohung

Gerade im Kanton Zürich hätten die Grünen ein gröberes Problem, wenn sie bei den Nationalratswahlen mit der GLP einen Schmusekurs fahren würden. Ihre Achillesferse nämlich ist ihr Regierungsrat und Justizdirektor Martin Graf, der sich im nächsten Frühling gegen drei Powerfrauen, zwei davon Juristinnen, behaupten muss. Und sollte sich auch noch die AL entscheiden, mit Rechtsanwalt Markus Bischoff bei den Regierungsratswahlen anzutreten, wäre das ein weiterer Angriff auf den Agronomen Graf – ob politisch gewollt oder nicht. Der linke Flügel der SP hat bereits ein Viererticket SP/Grüne/AL gefordert. Die SP hat die Grünen also am Wickel.

Den Grünen ihrerseits steckt der Verlust des Stadtratssitzes von Ruth Genner, der indirekt an Richard Wolff (AL) ging, noch in den Knochen. Kantonalpräsidentin Marionna Schlatter sagt denn auch: «Unser erster Partner ist die SP, mit der GLP haben wir noch nicht einmal Gespräche geführt.» Schlatter kann sich eher nicht vorstellen, «dass die Delegierten einer Listenverbindung mit der GLP ohne SP zustimmen würden».

Erstellt: 05.10.2014, 20:51 Uhr

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