Frist verpasst: Mörgeli blitzt schon wieder ab

Die Zürcher Staatsanwaltschaft tritt nicht auf Christoph Mörgelis Strafanzeige gegen «Rundschau»-Mitarbeiter ein. Der SVP-Nationalrat habe sie viel zu spät eingereicht.

Die Konzession sei in seinem Fall grob verletzt worden: Christoph Mörgeli (Archivbild). Bild: Keystone

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Über ein Jahr hat sich Christoph Mörgeli Zeit gelassen, um gegen drei Verantwortliche der Fernsehsendung «Rundschau» Strafanzeige einzureichen. Redaktionsleiter Mario Poletti, Moderator Sandro Brotz und Redaktor Marc Meschenmoser hätten seine Ehre und seinen Ruf in der Sendung vom 27. März 2013 aufs Schwerste verletzt, so Mörgeli. Die «Rundschau» hatte dem ehemaligen Konservator des Medizinhistorischen Museums vorgeworfen, rund ein Dutzend fragwürdige Doktorarbeiten einfach durchgewinkt zu haben. Damit seien die Tatbestände der Verleumdung, der Ehrverletzung und der üblen Nachrede erfüllt, befand Mörgeli und wandte sich an die Zürcher Staatsanwaltschaft – allerdings viel zu spät, wie diese nun festhält.

In ihrer sogenannten Nichtanhandnahmeverfügung belehrt sie den SVP-Nationalrat, die Frist für eine solche Strafanzeige betrage drei Monate. Mörgeli wurde aber erst am 8. Mai dieses Jahres vorstellig, verpasste die Frist also um mehr als zehn Monate.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Titularprofessor eine Frist zum Verhängnis wird. Im Juni lehnte das Bundesgericht eine Beschwerde ab, mit der Mörgeli einen Entscheid der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) weitergezogen hatte. Auch damals ging es um die Fernsehsendung zu den Dissertationen. Doch Mörgeli reichte den UBI-Entscheid nicht rechtzeitig ein.

Kein Geld für einen Anwalt

Er könne sich nicht für alle Verfahren einen Anwalt leisten, erklärt der SVP-Nationalrat gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Zwar lasse er sich beim Rekurs gegen seine Entlassung durch die Uni Zürich juristisch vertreten. Seine diversen Anzeigen habe er aber selbst eingereicht.

Mörgeli könnte gegen das Nichteintreten der Staatsanwaltschaft innert 10 Tagen beim Zürcher Obergericht Beschwerde erheben. Das werde er aber nicht tun, so der SVP-Nationalrat. Stattdessen verlangt er von SRF-Direktor Ruedi Matter, dass er sich des Falles annimmt. Auch beim SRF-Konzessionsgeber, dem Departement von Doris Leuthard, will Mörgeli vorstellig werden. Denn die Konzession sei in seinem Fall grob verletzt worden. Zwei von der «Rundschau» vorgebrachte Zeugen hätten gar nicht bei ihm promoviert. Dies habe er erst selbst recherchieren müssen. Deshalb habe er die Anzeige nicht innert dreier Monate nach der Fernsehsendung einreichen können.

Erstellt: 26.08.2014, 15:04 Uhr

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