Siegen für den Traum vom Ausland

Die Fussballerinnen des FCZ sind zum 4. Mal in Folge Meister. Für viele ist das aber bloss ein Zwischenschritt.

Ans Jubeln gewöhnt: Die FCZ-Spielerinnen können Anfang Mai schon das siebte Double schaffen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Ans Jubeln gewöhnt: Die FCZ-Spielerinnen können Anfang Mai schon das siebte Double schaffen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Champagner verspritzten sie, gleich eine ausgelassene Feier oder Freinacht gar folgte nicht. Wie auch? Tags darauf mussten die meisten wieder die Schulbank drücken, im Büro erscheinen oder Wände streichen. Letzteres jedenfalls tut Malermeisterin und Mittelfeldspielerin Barbara Beutler beruflich.

Zudem haben sie sich an den Erfolg gewöhnt, die Fussballerinnen des FCZ, in der Schweiz sind sie das Mass aller Dinge. Mit einem 1:0-Heimsieg am Mittwochabend gegen Luzern errangen sie vorzeitig den vierten Titel in Serie, den 19. insgesamt, «und es ist schon ein ­Unterschied, ob man zum ersten Mal einen Meistertitel ­gewinnt oder zum vierten Mal», sagt Tatjana Haenni, die Präsidentin der FCZ-Frauenabteilung. Im Cup­final am 3. Mai gegen Basel wollen die Zürcherinnen in Rapperswil-Jona das siebte Double schaffen.

Den Grossteil seiner 19 Meistertitel hatte sich der Club noch als SV Seebach gesichert, ehe er sich 2008 dem FCZ ­anschloss. Dadurch erst war es möglich, die Abteilung professioneller zu führen – von einem Profibetrieb sind die FCZ-Frauen allerdings noch weit entfernt. «Alle unsere Spielerinnen sind reine Amateure», sagt Haenni, die selber Fussball gespielt hatte, Trainerin war und seit einigen Jahren Präsidentin ist. Am Ende einer Saison zahlt der Club ­den Spielerinnen eine Spesenentschädigung aus, die bestenfalls Zustupf für die Ferien sind.

Nur genügt das nicht, um die Besten zu halten, regelmässig zieht es sie ins Ausland. «Drei bis vier Stammspielerinnen müssen wir jedes Jahr gehen lassen», ist Haenni bewusst.

Das könnte auch in diesem Jahr passieren, «wir haben uns an diese Umbrüche gewöhnt», sagt Haenni. Sie weiss: Nur im Ausland können sich die jungen Frauen ihren Traum einer Profikarriere erfüllen. Wie eine Lara Dickenmann (Lyon) oder Ramona Bachmann (Rosengard/Sd). Wie Noëlle Maritz (Wolfsburg) oder Vanessa Bürki (Bayern München).

Das Budget der FCZ-Frauen beträgt rund 500'000 Franken und wäre ohne die Unterstützung der Männerabteilung und eigene Partner kaum zu stemmen. Das entspricht dem Trend der vergangenen Jahre: Reihum im In- und Ausland schlossen sich Frauenclubs etablierten Männervereinen an, weil es ohne diese Profistrukturen kaum noch geht – letztmals gewann mit Zuchwil vor acht Jahren ein Dorfclub den Meistertitel.

Es scheint aber, als sei die Zusammenarbeit nirgendwo in der Schweiz erfolgreicher als beim FCZ. Entsprechend dankbar sei sie für das Engagement des Präsidenten­ehepaars Canepa, sagt Haenni: «Wir spüren eine extreme Rückendeckung.» Ancillo und ­Heliane Canepa weilten auch beim Spiel gegen Luzern auf dem Heerenschürli.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2015, 00:32 Uhr

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