Tage der Wahrheit für die Genfer Privatbank HSBC

HSBC-Banker sollen sich bald vor Pariser Richtern erklären müssen. Der Hauptvorwurf lautet auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Umfang von 5 Milliarden Euro.

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Die Schweizer Privatbank HSBC dürfte in wenigen Tagen wissen, ob sich der Verdacht auf «widerrechtliche Kundenanwerbung» und «Geldwäscherei in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung» gegen sie erhärtet hat oder nicht. Die französische Zeitung «Le Monde» schrieb gestern, Vertreter der Genfer Bank müssten «demnächst» bei den zuständigen Pariser Richtern zu einer Anhörung erscheinen. Glaubt man der Darstellung von «Le Monde», sind die Beweise gegen HSBC erdrückend. Die Journalisten hatten Einblick in Untersuchungsberichte. Demnach besitzen die Ermittler neue Beweismittel, darunter Protokolle von Kundenbesuchen. Dokumente sollen belegen, dass HSBC-Banker Kunden in den Jahren 2006 und 2007 halfen, via Offshore-Konten in Panama und den britischen Jungferninseln Vermögen am Fiskus vorbeizuschleusen. Insgesamt 5 Milliarden Euro Vermögen soll dem Steueramt auf diese Weise verschwiegen worden sein.

Bank bestätigt Vorladung

Die Privatbank wollte den Zeitungsbericht gestern auf Anfrage nicht kommentieren. Stattdessen verwies ein Sprecher auf ein Statement des Managements. Darin bestätigt die Bank, sie habe von den französischen Behörden im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung eine Vorladung bekommen. Der Ausgang der Anhörung wie auch der Ermittlungen sei derzeit offen, heisst es in der Erklärung weiter. Unter Umständen müsse aber mit namhaften Bussen und Strafen gerechnet werden.

Die Ermittler stützten sich bei ihren Untersuchungen auf Dokumente des ehemaligen HSBC-Informatikers Hervé Falciani. Dieser hatte 2008 Tausende Bankkundendaten gestohlen und dem französischen Geheimdienst übergeben. In der Folge bekamen mehrere weitere Staaten, darunter Grossbritannien, Spanien und Belgien, Daten über mutmassliche Steuersünder ausgehändigt. Falciani selbst war zwischenzeitlich aufgrund eines Schweizer Haftbefehls in Spanien festgenommen worden; der nationale Gerichtshof lehnte aber eine Auslieferung ab.

80 Zeugen befragt

3000 der von Falciani gestohlenen Datensätze betrafen die französische Klientel von HSBC. Die Konten gehörten vor allem Privaten, aber auch Unternehmen. Das französische Kassationsgericht hat die Nutzung der Daten als Beweismittel nach einer Klage eines Betroffenen im November 2013 für rechtens erklärt.

Rund 80 Zeugen befragten die Pariser Ermittler bis heute. Nebst Kunden vertrauten sich der Justiz auch ehemalige hochrangige HSBC-Kundenberater, aber auch Bankkader an. Gemäss der Darstellung von «Le Monde» hätten sie mit wenigen Ausnahmen bestätigt, Scheinfirmen gegründet zu haben, um Steuergesetze zu umgehen.

Nebst der Genfer Privatbank HSBC liegt derzeit auch die Grossbank UBS mit der französischen Justiz im Clinch. Diese wirft der UBS vor, von 2004 bis 2012 ­reichen Franzosen geholfen zu haben, Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Die UBS musste in dieser Sache vor kurzem eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro hinterlegen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2014, 22:21 Uhr

Das Logo der Schweizer Privatbank HSBC. Foto: Keystone

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