Aktion rettet Gisel

Der Antritt des neuen Präsidenten bei Raiffeisen ist kein Befreiungsschlag.

«Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf illegales Verhalten»: Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

«Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf illegales Verhalten»: Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Patrik Gisel sagte an diesem Freitag vor den Medien nur wenige Worte. «Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf illegales Verhalten», so der Raiffeisen-Chef. Er meinte Pierin Vincenz, seinen langjährigen Vorgesetzten und Förderer, der seit einer Woche in U-Haft sitzt.

Die Frage ist: Was wusste Gisel von dessen Deals? Hätte er seinen Ziehvater stoppen können? Müssen?

Nein, sagen Gisel und Raiffeisen, die entscheidenden Informationen fehlten.

Das Problem: Indizien deuten in die andere Richtung. Das Duo Gisel/Vincenz arbeitete eng zusammen. Zum Beispiel bei Investnet: Beim KMU-Vehikel, das Raiffeisen kaufte und das nun die Staatsanwaltschaft untersucht, amtete Gisel als Präsident. Er wusste, dass ein Vertrauter Vincenz’ Aktien der Firma kontrollierte. Ab dem 27. Juli 2016 wusste er auch, dass dieser Vertraute zu einem auffälligen Zeitpunkt womöglich 2,9 Millionen Franken an Vincenz überwies. Damals schrieb der Finanzblog «Inside Paradeplatz» einen Artikel – und zog eine Linie zwischen dem Vertrauten und Vincenz.

Das sei «nichts Handfestes», so Präsident Gantenbein am Freitag. Diese Antwort befriedigt nicht.

Die Post bringt Inspiration

Der Antritt von Gantenbein als Übergangspräsident ist damit kein Befreiungsschlag. Will Gantenbein seine Glaubwürdigkeit nicht verspielen, muss er kritischer auftreten. Drei Bereiche stechen ins Auge:

Erstens: Raiffeisen kündigte an, nun erneut eine Untersuchung in Auftrag zu geben. Gantenbein muss dafür sorgen, dass die Aufklärer mit genügend Mitteln ausgestattet werden und nicht durch eng formulierte Aufträge von Problembereichen ferngehalten werden.

Zweitens: Gantenbein obliegt die Verantwortung, den Verwaltungsrat schlagkräftiger zu machen. Es braucht mehr Bankingkompetenz im Gremium.

Drittens: Gantenbein könnte sich von einem Kollegen inspirieren lassen, der ebenfalls eine Krise bewältigen muss: Postpräsident Urs Schwaller. Der hat diese Woche versprochen, die Untersuchungsberichte im Postauto-Skandal nach Abschluss vollständig zu publizieren. Eine gute Idee – Transparenz schafft Vertrauen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2018, 22:32 Uhr

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