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Was Sie zum Engadiner Ski-Marathon wissen sollten

Der 49. Engadin-Skimarathon lockt morgen selbst Grössen wie Dario Cologna an. Der Volkslauf mit 13 000 Teilnehmern fordert aber auch Weltreisende, Lokführer und Schneeschaufler.

Alle Jahre zieht er die Masse an: Der Engadiner Ski-Marathon.
Alle Jahre zieht er die Masse an: Der Engadiner Ski-Marathon.
Keystone

Für die Schadenfreudigen unter uns: Ja, man kann den etwas weniger Geschmeidigen am Engadiner bei der berüchtigten Abfahrt im Stazerwald live zuschauen. Die Veranstalter bieten auf ihrer Website einen Livestream an. Für die Männer unter uns, die am 49. Traditionsanlass dabei sind: Erstmals könnt ihr im Ziel duschen, was bislang den Frauen vorbehalten war. Ansonsten gilt: Mit 13 000 Teilnehmern über die Halb- und Marathondistanz ist der Engadiner gut im Schuss. Was man rund um den Langlauf-Spass von Maloja nach S-chanf ­wissen sollte.

Die Spitze: Skiservice für die Besten

Der Hobbylangläufer kann nur träumen von der Hilfe, welche die Profis erfahren. Diese sind in hoher Zahl dabei, unter ­anderen nehmen viele Schweizer um den dreifachen Olympiasieger Dario Cologna teil. Wovon die Besten von Swiss Ski profitieren, erklärt Roman Furger, der Titelverteidiger: Heute testen sie in St. Moritz (Passage früh im Rennen) und Zuoz (spät) ihre verschiedenen Skimodelle, im Schnitt fünf bis sechs.

Davon gehen meist die zwei Schnellsten zum Serviceteam von Swiss Ski, das rund eine Stunde pro Paar arbeitet. ­Normalerweise werden die Ski am Renntag vorbereitet. Weil der Marathon aber um 8.30 Uhr beginnt, erledigen die Spezialisten ihr Skituning am Vortag. Für den grossen Rest der Teilnehmer gilt: selber Hand anlegen oder sich für ein eher symbolisches Zehnernötli beim Wachsdienst im Startgelände etwas mehr Schnelligkeit einkaufen.

Der Schlaf: Träume im Massenlager

Weil der Engadiner so früh losgeht, muss das Gros der Starter in der Region übernachten. Nicht jeder aber will ins Hotel. Die Harten bevorzugen Massenschläge, die da wären: Truppenunterkunft Puoz in Samedan mit 75 Betten, 10 WC und 20 Duschen. Frühstück gibts ab 5 Uhr für 13 Franken. Woll­decken sind vorhanden, der Parkplatz ist kostenpflichtig, Wachsmöglichkeiten fehlen. 30 Franken kostet die Nacht. Alle Betten sind ausgebucht, wie auch in der Turnhalle der Academia Engiadina in Samedan (80 Betten), der Zivilschutz­anlage in La Punt (84 Betten), der Zivilschutzanlage in Zernez (90 Betten) ­sowie dem Truppenlager in S-chanf (192 Betten). Hier ist auch das Wachsen möglich und wird das Frühstück wegen der längeren Anfahrt zum Start bereits um 4 Uhr serviert. Königlich – und schnarchfrei? – muss das Turnhallen-­erlebnis in der Academia sein, kostet doch allein das Nächtigen 60 Franken pro Person. Für Langschläfer: Check-out ist hier um 8.00 Uhr.

Der Knatsch: Neues Führungsteam

Der Engadiner gehört einem Verein, der aus elf Skiclubs besteht (Maloja, Sils, Corvatsch-Silvaplana, Suvretta-Champfèr, Alpina St. Moritz, Trais Fluors Celerina, Bernina-Pontresina, Piz Ot Samedan, La Punt, Zuoz und Sarsura Zernez). Bis 2016 führte ein ehrenamtliches OK den Anlass. Weil sich Macher und Skiclubs überwarfen, trat der gesamte Vorstand im vergangenen Frühling zurück. Nun führt ein vollamtlicher Geschäftsführer den Skimarathon und die dazugehörigen Events wie Frauenlauf (seit 2000, eine Woche davor) oder Nachtlauf (neu, am Donnerstag) zusammen mit einem Profisekretariat. Geblieben sind die vielen treuen Helfer, rund 1500, und das Budget. Es beträgt gegen 2,8 Millionen Franken.

Die Ode: Ohne Bus und Zug läuft wenig

Fast alle 13 000 Teilnehmer reisen mit dem ÖV ins Startgelände von Maloja – und dann vom Zielort S-chanf zurück. Das bringt viel Arbeit für Buschauffeure und Lokführer: Mit 64 Extrabussen und 154 Extrazügen führen sie die Sportler an die gewünschten Stationen. Der Fahrplan ist eng getaktet, wovon auch die ­Besten profitieren. So bestieg der Norweger Anders Glöersen vor drei Jahren wie die meisten den Bus, stand bei der Elite an – und siegte.

Die Minderheit: 21 Prozent sind Frauen

Im Laufsport sind die Frauen über viele Distanzen in der Mehrheit. Und in den grossen Städtemarathons stellen sie fast die Hälfte der Teilnehmenden. Diesbezüglich hat der Engadiner viel Potenzial: Während sich 8624 Männer über die volle Länge ­wagen, sind es nur 2349 Frauen. Dies entspricht 21,4 Prozent. Dass sich manche Athletin die 42 km nicht zutraut, zeigt das Verhältnis über die halbe Distanz: Auf 948 Langläufer kommen da 902 Läuferinnen. Ganz für sich sind sie jeweils zu Beginn der Engadiner Langlauf-Woche am Frauenlauf. Bei der 18. Austragung nahmen am letzten Sonntag 979 über die 17 km teil.

Die Weltreise: Der australische Vielkönner

Der Engadiner lockt Langläufer aus fast allen Ecken der Welt an. Zu den speziellsten Figuren zählt Peter Lambert. Erstens kommt er aus Australien, was die Anreise ziemlich in die Länge zieht. Zweitens arbeitet Lambert im Verteidigungsministerium in hoher Position, als Forschungschef. Und drittens mag es der 60-Jährige mit zwei Universitäts-­abschlüssen in vielen Lebensbereichen extrem: So hat er auch den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest, schon zweimal bestiegen. Die 42 km im Engadin dürften ihm da wie ein Spaziergang vorkommen.

Der Stazerwald: Schneekanonen verboten!

Der berühmteste Streckenteil führt durch den Stazerwald und damit über eine rasante Abfahrt nach Pontresina. Stürze sind garantiert, also Athletenleid und Zuschauerspass. Weder die meisten Aktiven noch Passiven aber wissen, ­warum die Passage auch für die Organisatoren zur Pièce de Résistance wird: Die Strecke führt hier durch ein Naturschutzgebiet. Künstlich beschneien darf man den Stazerwald-Abschnitt darum nicht. Also muss der Naturschnee an dieser vom Wald geschützten Stelle von Hand angeschleppt werden. Viel Schauffelkraft ist notwendig für Leiden und Spass.

Der Interkontinental-Langlauf: Argentinien–China–Schweiz

Der Engadiner zählt zur sogenannten World-Loppet-Serie. «Skiing around the World», also langlaufen rund um die Welt, wird den Schneefreunden über 34 Stationen angepriesen. Die Werbung liefert für einmal, was sie verspricht. Zumindest wenn man ausreichend Zeit und Budget aufweist. Schon im August kann man ganz im Süden Patagoniens (Ushuaia) nämlich über 50 km ran.

Über Australien, China und die USA gelangt man im Januar nach Europa, wo beispielsweise der Finlandia-Hiihto lockt, das längste Rennen der Serie. Es führt über 100 km im klassischen Stil. Start und Ziel befinden sich in Lahti. Auch das bekannteste Volksrennen, der Wasalauf in Schweden über 90 km, ­gehört zur Serie. Der Engadiner ist der 30. Wettkampf der World Loppet. Wer nach dem Schweizer Klassiker noch frisch ist und Lust hat, kann nach Norwegen und letztlich Island reisen. Dort wird Ende April das finale Event mit dem klangvollen Namen Fossavatnsgangan zelebriert.

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