Das Ende der Lügen

Die Liga entzieht Chaosclub Biel die Lizenz und schliesst ihn aus. Auch wenn der Entscheid die Spieler hart trifft: Er ist richtig.

Gesenkte Köpfe: Für die Spieler des FC Biel ist die Saison vorzeitig zu Ende. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Gesenkte Köpfe: Für die Spieler des FC Biel ist die Saison vorzeitig zu Ende. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

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Es war ein Sieg ohne Wert oder: der Sieg eines Verlierers. Noch am Dienstag hatte Carlo Häfeli aufgeatmet, weil ihm der Konkursrichter Balz Oberle Aufschub gewährte. Ihm zwei Monate Zeit einräumte, das Chaos zu entwirren, das er als Präsident des FC Biel angerichtet hatte. Was den Richter zu seinem Urteil verleitete, ist unklar. Vielleicht die 800'000 Franken, die ein Geldgeber vollmundig versprach, der einst den FC Grenchen in den Ruin getrieben hatte. Oder das absurde Versprechen eines US-Investors, 10 Millionen Dollar zu bezahlen. Das Geld ist seit zwei Wochen überfällig.

Gestern stellte die Disziplinarkommission der Swiss Football League (DK) klar, was sie von solchen Versprechungen des Zürcher Anwalts noch hält: gar nichts. Und schob Häfelis Gebaren einen Riegel: Wegen mehr­facher Verletzung der Informationspflicht entzog sie dem Schweizer Meister von 1947 per sofort die Lizenz und wertet sämtliche Spiele der Rückrunde mit 0:0 ohne Punkte. Der FC Biel steigt damit aus der Challenge League ab.

Unerklärlicher Richterspruch

Häfeli kann zwar innert fünf Tagen gegen den Entscheid rekurrieren. Doch selbst wenn dieser Rekurs Erfolg haben sollte, wäre die sportliche Rettung angesichts von acht Punktabzügen ohnehin fast aussichtslos. Überdies will eine Gruppe von ortsansässigen Unternehmern und Privatpersonen den Richterspruch vom Dienstag wohl ans Obergericht weiterziehen und einen Konkurs erzwingen. Sie wären bereit, in der 2. Liga interregional neu zu starten.

Die Guillotine der Liga ist der richtige Schritt nach zahlreichen Warnungen und offenbar das einzig richtige Mittel im Kampf gegen Aufschneider wie Häfeli oder vor ihm Bulat Tschagajew bei Nachbar Xamax. Über Häfeli jedenfalls schreibt die Liga, er habe «bis heute keine geeigneten und zuverlässigen Informationen betreffend die finanzielle Situation der FC Biel AG offenbart». Kurz: Der Jurist hält die Liga seit Monaten hin.

Und vor allem prellt er die Spieler um ihren Lohn, einige von ihnen sind im Dezember letztmals bezahlt worden. Mit seinem verantwortungslosen Aufschub brachte der Konkursrichter sie nun auch noch um ihre Chance, Insolvenzentschädigung zu beantragen. So stehen sie endgültig im Abseits – und dürfen sich nicht einmal mehr auf dem Rasen beweisen. Dass sie verärgert sind wegen der Liga, ist verständlich. Andererseits hätte diese ihre Glaubwürdigkeit verspielt, hätte sie sich von Häfeli weiter für dumm verkaufen lassen.

Schon seit dem Spätherbst rumort es in der Mannschaft, als Gerüchte über eine drohende Zahlungsunfähigkeit die Runde machten. Es kam zum Streit und im Januar zu den ersten Lohnausfällen, im Februar ging mit Trainer Patrick Rahmen der letzte Hoffnungsträger. Und als für ihn Zlatko Petricevic übernahm, lief die Sache komplett aus dem Ruder. Dass dem Kroaten die Papiere fehlten, um als Profitrainer zu arbeiten, schien erst keinen zu stören, doch als er vor einer Woche dem Physiotherapeuten Walter Aeschlimann während eines Spiels die Faust ins Gesicht schlug, war auch dieses skurrile Kapitel schnell vorbei. Dafür entschloss sich die Mannschaft am vergangenen Freitag zum Streik.

Zweifelhafter Medienchef

Mehrmals war es im Team bereits zu solchen Abstimmungen gekommen, doch erst jetzt fand die Ultima Ratio eine Mehrheit. Dass es so lange dauerte, ist erstaunlich. Oder vielleicht auch nicht: So war Captain Kreso Ljubicic, bis zuletzt Gegner eines Streiks, einer jener Spieler, die Anfang Saison von Häfeli verpflichtet worden waren. Dass diese im Gegensatz zu ältergedienten Bielern regelmässig Lohn erhalten haben könnten, will ein ehemaliger Funktionär zumindest nicht ausschliessen.

Ein Chaos wie nun im Seeland hat die Swiss Football League bestenfalls noch mit Tschagajews Xamax erlebt. Und welch jämmerliches Bild der FC Biel nur noch abgibt, zeigt die jüngste Personalmassnahme. Sie betraf gestern den Posten des Medienchefs. Auf Stefan Kunze folgt Lucas Berbig, Sohn des einstigen GC-Präsidenten Roger Berbig. Wegen seiner zweifelhaften Vergangenheit wurde er vor einem halben Jahr vom Journalistenverband Sportpress.ch ausgeschlossen.

Erstellt: 27.04.2016, 23:18 Uhr

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