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Der nächste Akt im Bencic-Drama

Die frühere Top-10-Spielerin ist bei ihrem Schweizer WTA-Debüt in Biel erst chancen- und danach ratlos.

Im Höhenflug war lediglich ihr Racket: Belinda Bencic scheiterte in der ersten Runde. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
Im Höhenflug war lediglich ihr Racket: Belinda Bencic scheiterte in der ersten Runde. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Die Gesichter auf der Tribüne der neuen Swiss-Tennis-Arena in Biel wurden lang und länger. Auch in der Box von Belinda Bencic, wo neben ihren Eltern und Bruder Brian auch ihr polnischer Trainer Maciel Synowka alles andere als ein Bild von Energie und Optimismus abgab. Vor seinen Augen lief aber auch ein Trauerspiel ab. Belinda Bencic, die auf Rang 131 zurückgefallene frühere Junioren-Weltmeisterin, scheiterte in nur 72 Minuten klar – 1:6, 3:6 gegen die Deutsche Carina Witthöft (WTA 69).

Das WTA-Turnier von Biel erlebt damit einen völlig gegensätzlichen Start im Vergleich zu jenem in Gstaad, das seine Premiere letztes Jahr mit Schweizer Grosserfolgen beging. Viktorija Golubic holte den Titel, Timea Bacsinszky und Rebeka Masarova stiessen auch in den Halbfinal vor. Am Montag war in Biel schon Masarova, wie Bencic eine Wildcard-Empfängerin, ohne Satzgewinn an einer Deutschen gescheitert (Annika Beck). Damit ist nur noch Golubic dabei, die mit Laura Siegemund heute auf eine weitere Deutsche trifft, die Nummer 5 der Gesetzten.

Eine Pause könnte helfen

Wer Bencic spielen sah, stellte sich die Frage, ob sie nicht besser eine Pause einlegen und dafür sorgen würde, dass sie wieder körperlich fit und geistig frisch wird – es müssen ja nicht gerade sechs Monate sein. Mit der Vorhand machte sie zwar sehr viel Druck, doch weil sie sie oft zu sehr forcierte, unterliefen ihr zu viele Fehler.

Ihre Probleme dürften nicht nur in einem Mangel an Spielpraxis und an Selbstvertrauen liegen, sondern auch in ihrem linken Handgelenk, das sie seit Monaten behindert. Mit der Rückhand spielte sie nur Notschläge, mit doppelhändigem Slice oder als Stoppball, und das war zu wenig.

Auch nicht bereit für Fragen

Bencic war nach ihrem Debüt an einem Schweizer WTA-Turnier dermassen enttäuscht, dass sie die Organisatoren wissen liess, dass sie keine Interviews gebe. Nur auf Druck von WTA-Supervisor Martina Lutkova liess sie sich dazu bewegen, kurz Stellung zu nehmen, aber nicht mehr als drei Fragen zu beantworten – drei. Allein diese Reaktion zeigt, wie ratlos sie mittlerweile ist.

Entsprechend dünn blieben ihre Aussagen. «Positives gab es eigentlich fast nichts. Ich habe verloren, nicht gut serviert, allgemein war sie einfach besser», sagte sie. «Ich machte zu viele Fehler, spielte zu hektisch.» Das Handgelenk sei «nicht wunderbar, aber auch nicht schlecht» gewesen.

Sorgen um den Fed-Cup

Bencics Formtief beschäftigt auch Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt, der sein Team nächste Woche in Minsk gegen Weissrussland in den Final führen will. Wie Bencic leidet aber auch Teamleaderin Timea Bac­sinszky an Problemen mit dem linken Handgelenk; sie spielt in Biel lediglich Doppel mit Martina Hingis. Bencic hofft, dass ihr der Fed-Cup wieder hilft, bessere Leistungen zu bringen. «Im Februar spielte ich in diesem Wett­bewerb auch gut, obwohl es mir vorher und nachher nicht gut lief», sagte sie.

Günthardt, in Biel auch als TV-Moderator im Einsatz, hinterfragte neben Bencics Leistung auch ihre Einstellung im zweiten Satz, in dem sie gar nicht an ihre Chance zu glauben schien und auch kämpferisch enttäuschte. Tatsächlich kam sie im ganzen Match zu keinem Breakball und gewann als Rückschlägerin fast viermal weniger Punkte als Witthöft (11:41). «Für den Fed-Cup muss das aber nichts heissen», sagte Günthardt. «Jetzt gilt es ruhig zu bleiben und Distanz zu gewinnen.»

Biel. Ladies Open. WTA-Turnier (250'000 Dollar/Halle, Hart). 1. Runde: Witthöft (GER) s. Bencic (SUI) 6:1, 6:3. Strycova (CZE/1) s. Bouzkova (CZE) 6:2, 4:6, 6:2. Rodina (RUS) s. Babos (HUN/3) 7:6 (9:7), 4:2 w. o. (Verletzung). Goerges (GER/7) s. Broady (GBR) 6:4, 6:2. – Doppel. 1. Runde: Olaru/Sawtschuk (ROU/UKR/3) s. Hesse/Masarova (FRA/SUI) 3:6, 6:1, 10:6.

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