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Der neue Aufpasser ist ein Zürcher

Wenn der Chef zurücktritt, rückt oft der Vize nach. So ist es auch bei den Fifa-Ermittlern. Michael Garcia geht, Cornel Borbély übernimmt – zumindest ad interim, bis nächsten Mai. Dann tritt das Fifa-Parlament zusammen und wählt einen neuen Vorsitzenden der Unter­suchungskammer der Ethikkommission, wie das Amt offiziell betitelt ist.

Borbély stammt aus dem Zürcher Oberland, in der Nähe von Uster. Er ist erst 36-jährig, arbeitete vier Jahre bei einer Bank, studierte, doktorierte, erwarb das Anwaltspatent und wurde Staats­anwalt für die SVP – mit 29 Jahren. In der Schweizer Luftwaffe ist er heute stellvertretender Kommandant der Militärjustiz. Bereits letztes Jahr holte ihn die Fifa ins Ethikkomitee. Kurz danach verliess er die Zürcher Staatsanwaltschaft und wechselte in den privaten Sektor, zur Anwaltskanzlei Delnon und Rüdy.

Nun steht der diskrete Borbély plötzlich im Flutlicht. Unter seiner Ägide laufen Verfahren gegen Franz Beckenbauer, Fifa-Chefarzt Michel D’Hooghe und die Exco-Mitglieder Worawi Makudi und ­Ángel Villar Llona. Die Ermittlungen gegen den Funktionär Harold Mayne-Nicholls führt Borbély persönlich, was ihm schon den Vorwurf einbrachte, im Auftrag des Präsidenten dessen Gegner zu erledigen – Mayne-Nicholls gilt als ­Gegenkandidat für das Präsidentenamt. Solche Kritik wird sich häufen, je mehr Leuten Borbély auf die Füsse tritt. Der wappnet sich – und hat sich schon einmal einen eigenen Sprecher zugelegt. Mario Stäuble

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