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Die unheimliche Verbindung zwischen Assange und Trump

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat seine Rolle als Stänkerer gegen die USA wiedergefunden. Und steigt dafür mit Donald Trump ins Bett.

Wikileaks-Gründer Julian Assange: Instrumentalisiert von Donald Trump. Foto: Getty Images
Wikileaks-Gründer Julian Assange: Instrumentalisiert von Donald Trump. Foto: Getty Images

Eine der eigenartigsten Erscheinungen in diesem US-Wahlkampf ist die Auferstehung von Wikileaks als Aktions­komitee von Donald Trump. Julian Assange, der einmal den Anspruch der «radikalen Transparenz» vertrat, hat ganz offen die Rolle des politischen Agitators übernommen und nimmt so in Kauf, von den russischen Geheimdiensten missbraucht zu werden.

Mit Julian Assange und Donald Trump haben sich zwei ungleiche Figuren gefunden; zumindest auf den ersten Blick. Der intellektuelle Assange, der mit Wikileaks einst eine innovative Medienplattform schaffen wollte, steht einem na­tionalistischen, ungehobelten Politiker gegenüber, der für den Fall seiner Präsidentschaft eine verschärfte Medien­zensur angedroht hat. Doch es gibt gemeinsame und persönliche Interessen, die das Duo verbindet.

Wikileaks ist bisher in drei Wellen gegen Hillary Clinton vorgegangen. Im März warf Assange eine erste Serie von E-Mails in den Wahlkampf, die vom privaten Server der Kandidatin stammten. Am Vorabend des Demokratischen Parteitages publizierte Wikileaks dann private E-Mails, die eine Kollusion zwischen Partei und Kandidatin nahelegten und zum Rücktritt der Parteipräsidentin führten. Und dieser Tage spielte Wiki­leaks via Trumps Wahlkampfteam den Medien E-Mails von Clintons Wahlkampfchef John Podesta sowie Auszüge aus ihren Reden vor den Kadern meh­rerer Wallstreet-Banken den Medien zu. Dazwischen äffte Wikileaks auf Twitter Trump nach und unterstellte, Clinton sei geistig umnachtet und überhaupt eine Kriminelle.

Für Assange ist klar, dass die westlichen Demokratien von einer undemokratischen Elite geführt werden und das Volk die Pflicht hat, dagegen zu rebellieren.

Alle E-Mails waren gehackt worden, und die Indizienlage weist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Täterschaft bei den russischen Geheimdiensten hin. Eine direkte Verantwortung von Russlands Präsident Wladimir Putin ist bisher nicht erwiesen, auch wenn das Weisse Haus von dessen Schuld überzeugt ist. Wie weit die russischen Verbindungen von Assange reichen, dürfte vor dem Wahltag nicht bekannt werden. Festzuhalten ist nur, dass Assange einmal eine Fernsehshow beim russischen Propagandasender RT hatte.

Protest gegen die Elite

Doch was hat Assange zu einem heimlichen und unheimlichen Verbündeten von Trump gemacht? Teil der Erklärung ist sicherlich die gemeinsame Antipathie gegen Hillary Clinton. Assange sieht sie als Bedrohung für sich und für Wiki­leaks. Clinton werde regelmässig über ihn und seine Plattform informiert, sagte Assange gegenüber dem britischen Fernsehsender ITV. «Wir sehen sie als Bedrohung der Pressfreiheit.» Dahinter verbirgt sich seine ideologische Grundhaltung, wonach die USA ein bösartiges Imperium sind und Clinton die typische Vertreterin einer aggressiven Aussen- und Sicherheitspolitik. Wenn er es mit Wikileaks schaffe, die Missbräuche der Supermacht USA zu dokumentieren, «werden endlich die wahren menschlichen Kosten des Imperiums sichtbar», hielt Assange 2015 fest. Auf die Frage, ob er Donald Trump als Präsidenten vorziehe, antwortet er dieser Tage allerdings nebulös. Trump sei völlig unberechenbar, räumt Assange ein. Doch «Hillary hat eine lange Tradition als Kriegsfalke. Wir gehen davon aus, dass sie so weitermachen wird.»

Das Motto der «radikalen Transparenz» von Wikileaks ist auch Assanges persönliches Motiv. Für ihn ist klar, dass die westlichen Demokratien von einer undemokratischen Elite geführt werden und das Volk nicht nur das Recht, sondern die Pflicht hat, dagegen zu rebellieren. Dieser Widerstand gegen die Führungsclique treibt auch die Wähler von Donald Trump an. Und lässt jedes Mittel zum Zweck als angemessen erscheinen.

Nur ein Instrument

Für Donald Trump ist Assange letztlich nur ein Instrument, seine fast schon hoffnungslose Ausgangslage für die Wahl am 8. November noch etwas aufzupolieren. Mit der Publikation der gehackten E-Mails wird er keine neuen Wähler gewinnen – er kann nur noch hoffen, damit Hillary Clinton zu schaden. Sein erklärtes Ziel ist es, wankel­mütige Wähler abzuschrecken.

Aber nur ein Zyniker kann übersehen, dass sich Trump nun auf die gleiche Wikileaks-Plattform abstützt, die von den Republikanern noch als staatsfeindliches Unternehmen verdammt wurde, als Ed Snowden sie für seine Enthüllungen über den Schnüffelstaat USA benützte. Dass sich nun der ultrakonservative Sean Hannity, Fox-Kommentator und Trump-Anhänger, offen für Assange starkmacht und sogar dessen Rehabilitierung fordert, ist ebenso billig wie typisch. «Der Trump-Kampagne bleibt nur noch der blanke Nihilismus», kommentiert Steve Schmidt, vor acht Jahren Chefberater von John McCain. «Sie tun alles, um die letzten Wochen zu den widerlichsten Wochen in einer US-Präsidentenwahl überhaupt zu machen.»

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