«Der ZSC hat das Gewaltproblem im Griff»

Stadtrat Daniel Leupi verteidigt die neue Eishockeyarena und spekuliert über die Auswirkungen des FCZ-Abstiegs auf die Stadionfrage. Und er spricht über seine sportlichen Präferenzen.

«Die 2 Millionen städtische Betriebsbeiträge fliessen nicht in Spielergehälter»:  Finanzvorsteher Daniel Leupi. Foto: Esther Michel

«Die 2 Millionen städtische Betriebsbeiträge fliessen nicht in Spielergehälter»: Finanzvorsteher Daniel Leupi. Foto: Esther Michel

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Zürich beschäftigt sich stark mit Grossprojekten. Während das Volk das neue Fussballstadion abgelehnt hat, befürwortete es weit über 300 Millionen für Kunsthaus, Kongresshaus und Tonhalle. Nun folgt als neues Sportprojekt ein Eishockeystadion. Ist das zumutbar für die Stimmbürger und Steuerzahler?
Grosse Zahlen schrecken die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher nicht ab. Sie sind sich gewohnt, über hohe Beträge abzustimmen. Sie wägen zu recht ab: Sind die Investitionen sinnvoll oder nicht? Bei der neuen ZSC-Arena bin ich überzeugt, dass sie zum Schluss kommen werden: Ja. Der Verein steht gut da und ist als Zürcher Institution anerkannt.

Woher kommt das positive Image?
Die ZSC Lions haben Erfolg, betreiben eine hervorragende Nachwuchsförderung und tun damit viel für den Jugendsport. Ausserdem hat der Verein die Gewaltproblematik im Griff.

Anders als beim Fussball?
Ich will nicht negativ über die Fussballclubs sprechen, wobei die jüngsten Ereignisse rund um den FCZ-Abstieg und den Cupfinal nicht wegzudiskutieren sind. Tatsache ist, dass die Führung der ZSC Lions schon seit langem und konsequent gegen Unruhestifter durchgreift.

«Peter Zahner und die gesamte Clubleitung sind sehr professionell an die Sache gegangen.»

Gibt es noch andere Unterschiede im Vergleich zur gescheiterten Fussballabstimmung?
Finanziell engagiert sich die private Seite mit 36 Millionen Franken, was beim Fussball nicht der Fall war, obwohl zwei Clubs involviert waren. Zudem ist die Stadt bei der geplanten Eishockey- und Sportarena mit einem bedeutend kleineren Beitrag dabei: 2 Millionen jährlich an die Infrastruktur statt jährlich 8 Millionen unbefristete Betriebsbeiträge. Zudem baut die Stadt nicht selber, sondern spielt quasi Vermittlerin für den 120-Millionen-Bankkredit.

Gab es auch atmosphärische Unterschiede in den Verhandlungen?
Das kann ich nicht beurteilen, weil ich bei den Gesprächen mit dem FCZ und GC noch nicht Finanzvorsteher war. Was ich sagen kann: ZSC-Lions-CEO Peter Zahner und die gesamte Clubleitung sind sehr professionell an die Sache gegangen. Es ist für jeden Aussenstehenden speziell, wenn er sein Geschäft in einer Gemeinderatskommission vertreten muss, deren Mitglieder sowohl die Interessen der Stadt wie auch jene ihrer Parteibasen im Auge behalten. Peter Zahner hat sich stark für das Projekt engagiert und viel Überzeugungsarbeit geleistet.

Die Gemeinderatskommission hat die stadträtliche Weisung korrigiert, damit auch SP und GLP zustimmen können. So wurde eine Sicherung eingebaut, dass die städtischen Beiträge nur dem Hockey zugutekommen und nicht weiterfliessen, wenn das Stadion an ausländische Investoren verkauft wird, die darin etwas anderes machen wollen. Auch wurde die Laufzeit der Betriebsbeiträge halbiert. Hatten Sie zu wenig hart mit den ZSC Lions verhandelt?
Wir hatten bereits sehr hart verhandelt. Die Verträge zu Baurecht, Darlehen, Betriebsbeitrag und Naming Right umfassen total 54 Seiten. Wenn der Gemeinderat darin vier Punkte verändert, bleibt das Grundkonstrukt bestehen. Ich kann mit den Änderungen aber gut leben, das Ergebnis stimmt. Ich bin auch froh, dass die ZSC Lions die nötige Flexibilität gezeigt haben.

Was war der Knackpunkt bei den Vertragsverhandlungen?
Neben der Höhe des Betriebsbeitrags vermutlich die lange Frist der Verträge. 65 Jahre sind viel. Als man sich darauf geeinigt hatte, nach 30 Jahren die Bedingungen für den 2-Millionen-Betriebsbeitrag zu prüfen, war ein Knoten gelöst.

Weshalb braucht es denn diese 2 Millionen überhaupt?
Wir machen dem Verein Auflagen zur Nutzung der neuen Arena. So ist zum Beispiel kein Shoppingcenter erlaubt, und auch keine lukrativen Konzerte, damit das Hallenstadion nicht konkurrenziert wird. Der Betrieb einer fast rein sportlichen Anlage ist per se defizitär. Wichtig ist dabei: Die 2 Millionen fliessen nicht etwa in Spielergehälter, sondern ausschliesslich in die Infrastruktur. Übrigens ist dieser Betrag viel tiefer als am Anfang der Verhandlungen.

Beim Fussball lautete ein Gegen-Argument: Es gibt mit dem Letzigrund schon eine Fussballarena. Dasselbe kann man beim Eishockey sagen: Es gibt schon das Hallenstadion. Zudem wurde es vor etwas mehr als 10 Jahren für sehr viel Geld und nicht zuletzt zugunsten des ZSC renoviert. Ist das neue Eishockeystadion aus städtischer Sicht wirklich nötig?
Die Frage ist berechtigt. Man muss dazu die Entwicklung im letzten Jahrzehnt betrachten. Die Meisterschaft hat mehr Spiele erhalten, für die ZSC Lions kamen neue Wettbewerbe wie der Schweizer Cup oder die Champions Hockey League dazu. Gleichzeitig konnte das Hallenstadion immer mehr andere Anlässe anziehen. Da kommt es unweigerlich zu noch mehr Terminkollisionen. Das Hallenstadion kann nicht mehr auf alle Eventualitäten des Sports Rücksicht nehmen und etwa x mögliche Playoff-Daten reservieren. Ich verstehe auch, dass die ZSC Lions-Sponsoren nicht auf Jahrzehnte hinaus alle finanzielle Nachteile wie fehlende Cateringeinnahmen, verstreute Trainings, keine Homebase etc. ausgleichen wollen.

Was wird aus dem Hallenstadion ohne Hauptmieter ZSC?
Unproblematisch ist es nicht, wenn im heftig umkämpften Eventmarkt einer der wichtigsten Mieter verschwindet. Aber erstens sind die ZSC Lions nicht der lukrativste Mieter, und zweitens ist das Hallenstadion derart gut positioniert, dass ich zuversichtlich bin, dass es auch ohne die ZSC Lions erfolgreich bleiben wird.

Welche Lehren ziehen Sie aus der verlorenen Abstimmung ums Fussballstadtion?
Die Ausgangslage ist nicht zu vergleichen – nicht zuletzt, weil die finanzielle Beteiligung der Stadt wesentlich tiefer ausfällt. Die Stadt wird die Eishockeyarena weder besitzen noch betreiben.

Ihre Partei lehnt die Hockeyvorlage ab, weil sie der Grünstadt-Initiative widerspreche. Schmerzt Sie der Verlust von Grünraum nicht?
Der Schutz von Naherholungsraum ist wichtig. Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen. Auf diesem Areal ist der Boden aber nicht ackerlandfähig. Und das Stadion war bereits im Richtplan eingetragen, bevor die Initiative lanciert wurde. Deshalb tangiert es auch die Kulturlandinitiative der Grünen nicht. Und aus meiner Sicht ganz wichtig: Wir können den Familiengärtnerinnen und -gärtnern auf dem Dunkelhölzli Ersatz anbieten.

Aus linken Kreisen kommt auch der Vorwurf, die Stadt trage mit dem 120-Millionen-Darlehen zu viel Risiko. Was sagen Sie dazu?
Das Darlehen ist ans Gebäude gekoppelt, wird verzinst und zurückbezahlt. Die ZSC Lions sind ein seriös geführter Verein. Sollte der Club in ferner Zukunft doch einen Konkurs erleiden, geht das Stadion an die Stadt. Das Risiko ist also beschränkt. In der Kommission war die Höhe des Darlehens kein Thema.

«Der Stadionbau ist per se eine langfristige Angelegenheit. Der FCZ steigt bestimmt bald wieder auf.»

Beim ZSC ziehen im Hintergrund die SVP-Exponenten Walter Frey und Peter Spuhler die Fäden – ein Nachteil in der linken Stadt Zürich?
Für gewisse Leute mag eine Rolle spielen, dass prominente SVP-Politiker hinter dem Club stehen. Ich sehe das aber nicht als Nachteil für die Abstimmung. Der ZSC wird nicht als SVP-Club wahrgenommen. Auch spielten Parteiinteressen in den Verhandlungen zu keinem Zeitpunkt irgendeine Rolle.

Wie steht es eigentlich mit dem Naming Right? Wird das Stadion dereinst «Weltwoche-Arena» heissen?
Analog zum Hallenstadion hat sich der Stadtrat ein Vetorecht ausbedungen. Das war ein Punkt, der bei der Gegenseite nicht auf ungeteilte Begeisterung gestossen ist. Aber für uns war klar: Weil städtisches Geld involviert ist, wollen wir ein Vetorecht haben. Es könnte ein gewisses Reputationsrisiko für die Stadt bestehen.

Der FCZ ist in der Fussballmeisterschaft abgestiegen - im dümmsten Moment. Wenige Monate vor der Abstimmung zum Eishockeystadion wird allen klar, wie schnell es im Sport gehen kann. Ein schlechtes Omen?
Da sehe ich keinen Zusammenhang. Und ich glaube, auch die Stimmbevölkerung schlägt keine Brücke zum FCZ-Abstieg. Abgesehen davon sind die ZSC Lions ein gut geführter und stabiler Verein, der in den letzten Jahren auf konstant hohem Niveau gespielt hat.

Nochmals zum Fussball: Der Investorenwettbewerb fürs neue Fussballstadion läuft, bald wird der Sieger bekannt. Ist der Abstieg des FCZ nicht der Todesstoss fürs Projekt?
Das Geschäft ist dadurch sicher nicht einfacher geworden. Stadionskeptiker werden sich in ihrer Haltung bestätigt sehen. Der Stadionbau ist per se aber eine langfristige Angelegenheit. Und der FCZ steigt bestimmt bald wieder auf.

Gilt die Klausel immer noch, dass der Stadionbauer jährlich 1,5 Millionen sowohl an den FCZ wie an GC zahlen muss, bis der Bau steht?
Die Klausel ist immer noch aktuell. Aber ich betone: Sie ist nicht Bestandteil der Bedingungen, welche die Stadt gestellt hat. Es ist ausschliesslich eine Forderung der Clubs an die möglichen Investoren. Wie diese darauf reagieren, wird sich in den Eingaben für den Wettbewerb zeigen. Rein ökonomisch ist klar: Gehen sie darauf ein, könnte dies zulasten des Baurechtszinses an die Stadt gehen.

Also zulasten der Steuerzahler. Dann würden diese die Clubs mehr oder weniger direkt subventionieren?
Ja, aber allen ist klar, dass die Hardturm-Vorlage die politisch besseren Chancen hat, wenn sich der Baurechtzins möglichst nahe am Marktzins bewegt.

Wir unterhalten uns mit Ihnen als Finanzvorsteher über das Kunsthaus, das Kongresshaus, die Tonhalle, Fussball- und Eishockeystadien. Daneben müssen Sie die Finanzen der Stadt ins Lot bringen. Sind Sie der Super-Stadtrat?
Natürlich nicht. Erfolge bei grossen Projekten erzielt man in der Stadt nur unter enger Zusammenarbeit aller betroffenen Departemente. Ich würde aber lügen, wenn ich sagen würde, dass ich bei Amtsantritt nicht etwas überrascht war, dass die Führung dieser Grossprojekte mir zufiel. Wichtig ist natürlich die finanzielle Tragbarkeit grosser Investitionen, weshalb das Finanzdepartement in irgendeiner Form an den meisten Projektorganisationen beteiligt ist. Die Führung dieser Grossprojekte im Finanzdepartement ist daher richtig.

Nun müssen Sie sich outen: Sind Sie als geborener Luzerner überhaupt Anhänger von Zürcher Sportclubs?
(lacht) Ich hoffte, dass diese Frage nie kommt. Ich bin von Haus aus zuerst einmal Landhockeyaner, der auch noch Unihockey spielt. Als Jugendlicher besuchte ich die Spiele des FC Luzern, dessen Tabellenlage ich heute noch genau verfolge. Aber natürlich freuen mich auch Erfolge der beiden Stadtzürcher Fussballclubs. Eishockey war früher nicht so mein Ding, aber als Polizeivorsteher war ich schnell sehr beeindruckt von der Art, wie die ZSC Lions geführt werden. Ich besuche ab und zu Spiele der beiden Stadtzürcher Fussballclubs und der ZSC Lions live im Stadion.

Erstellt: 13.06.2016, 20:03 Uhr

Eishockey und zweimal Fussball

Zürcher Sportstadien

«Theatre of Dreams»: An der Vulkanstrasse in Altstetten soll bis 2022 die neue ZSC-Lions-Arena mit 11 600 Sitzplätzen und eine Trainingshalle entstehen. Der Eishockeybau kostet 169 Millionen Franken. Die Bauherren beziehen von der Stadt ein 120-Millionen-Darlehen, das mit 1,6 Prozent verzinst und laufend zurückbezahlt wird. ZSC-Lions-Präsident Walter Frey, Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler und die Swiss Life zahlen je 12 Millionen, weitere Beiträge fliessen von Bund und Kanton. Zudem zahlt die Stadt die Altlastensanierung des Schrebergartengebiets (2,8 Millionen) und Erschliessungsmassnahmen wie Trottoirverbreiterungen und Strassenausbauten (1,9 Millionen), weiter zahlt sie jährlich 2 Millionen Betriebsbeiträge an die Infrastruktur. Die ZSC Lions wiederum zahlen bis zu 2 Millionen an die Verbreiterung einer bereits geplanten Passerelle. Die Vorlage kommt morgen Mittwoch in den Gemeinderat. Alle Parteien ausser den Grünen und der AL haben Zustimmung signalisiert. Die Volksabstimmung findet am 25. September statt.

Neuer Hardturm: Der Investorenwettbewerb für das Fussballstadion mit 16 000 Sitzplätzen auf dem Hardturmareal läuft. Fünf Bewerber beteiligen sich und haben einen gemeinnützigen Bauträger im Team, der die 175 Wohnungen neben dem Stadion betreiben soll. Daneben ist noch ein Baufeld für ein Investitionsobjekt vorgesehen, also eine Renditemöglichkeit. Der Jury-Entscheid für den Wettbewerb fällt Ende Juni, danach kommt das Geschäft in den Stadtrat, der frühestens Mitte Juli entscheiden wird. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Der Gemeinderat wird sicher zum Gestaltungsplan und wahrscheinlich auch zum Baurechtszins entscheiden können. Beide Geschäfte sind referendumsfähig, kommen also voraussichtlich vors Volk.

Letzigrund: Der Mietvertrag mit GC (Grundgebühr 500 000 Franken im Jahr) läuft weiter, jener mit dem FCZ ist sistiert und wird neu verhandelt. Beide Clubs werden extra für ihre Einsätze in der Europa League zahlen müssen. (pu)

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Daniel Leupi
Finanzvorsteher

Der 50-jährige Luzerner Ökonom wohnt seit 1995 in Zürich, war 2002 bis 2010 Gemeinderat und ist seither Stadtrat. Nach drei Jahren als Polizeivorsteher amtet Daniel Leupi nun als Finanzvorstand. Als Ex-Präsident von Pro Velo Zürich und Land- sowie Unihockeyspieler ist der grüne Politiker ein sportlicher Mensch.

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