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Die Villa im Waadtland

Die Bundesanwaltschaft muss entscheiden, ob sie auf die Vorwürfe aus Russland eintreten will.

Anwalt und Antikorruptionskämpfer Alexei Nawalni ist einer der prominentesten Oppositionellen in Russland. Sein Blog gehört zu den meistgelesenen. 2011 gründete er die Stiftung zur Bekämpfung der Korruption. Anfang Dezember sorgte diese mit einem Film auf Youtube für Aufsehen. Darin wirft Nawalni Artjom Tschaika, dem Sohn des russischen Generalstaatsanwalts Juri Tschaika, vor, sich illegal be­reichert und die Gelder über die Schweiz gewaschen zu haben. Gemäss einem Brief, den Nawalni wenige Tage später der Bundesanwaltschaft in Bern übermittelte, ist der 40-jährige Artjom Tschaika in der Schweiz niedergelassen.

In den Jahren 2002 bis 2004 sollen Artjom Tschaika oder seine Frau Marina ein oder mehrere Bankkonten bei einer grösseren Schweizer Bank eröffnet haben. Über die Konten sollen Millionensummen geflossen sein. Im waadtländischen Coppet besitzt Tschaika seit 2014 ein Haus, dessen Steuerwert auf 2,7 Millionen Franken geschätzt wird. Die Stiftung geht davon aus, dass die Liegenschaft mit Geldern aus kriminellen Machenschaften gekauft wurde.

Die einzige wirtschaftliche Tätigkeit Tschaikas in der Schweiz besteht in einer 40-prozentigen Beteiligung an der in Lausanne domizilierten Firma FT Conseils. Artjom Tschaika hatte sie am 29. Mai letzten Jahres seinem jüngeren Bruder Igor abgekauft, der seinerseits seit 2013 an der Firma beteiligt war. Der andere Teilhaber ist der 72-jährige François Tharin, der früher das Waadtländer Migrationsamt geführt hatte.

Laut der eher kargen Homepage bietet FT Conseils Ausländern Hilfe beim Einholen von Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligungen an und berät bei Firmengründungen und Immobiliengeschäften. Gegenüber Medien erklärte Tharin, dass die Aktivitäten von FT Conseils immer absolut legal und legitim gewesen seien. Die Vorwürfe an seinen Geschäftspartner Tschaika nannte er in «Le Temps» politischer Natur.

Eine weitere Schweizer Spur führt zu der Firma Juridical House SA mit Sitz in Lausanne und Niederlassung in Genf. Die Firma bietet juristische Dienstleistungen an. Die Stiftung verdächtigt die Firma, das Vermögen der Familie Tschaika sowie anderer einflussreicher Russen verwaltet zu haben. Auch heute noch werde über die Firma Geld aus krimineller russischer Herkunft gewaschen. Der Genfer Arm wurde von 2003 bis 2007 von Murat Chapsirokow geführt. Dieser sitzt heute als Senator der Nordkaukasus-Republik Adygien im russischen Föderationsrat. Laut dem russischen «Forbes» ist er einer der zehn reichsten Abgeordneten des russischen Oberhauses. Auch er hat direkte Beziehungen zur Generalstaatsanwaltschaft: Sein Vater Nasyr hatte dort ab 1994 gearbeitet. 2000 stolperte er über einen Korruptionsskandal und musste gehen. Allerdings kam er nicht vor Gericht, sondern wechselte in den Kreml, wo er bis zu seinem Tod 2011 als Berater der Präsidialabteilung arbeitete.

Die Bundesanwaltschaft hat noch nicht entschieden, wie sie auf das Papier von Alexei Nawalni reagieren will, wie sie auf Anfrage erklärt. (rf)

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