Die Zeit der Veteranen

Oldtimer-Rallyes haben wieder Saison. Aber wo liegt der Unterschied zwischen einem «Classic Car» und einer alten Karre?

Würdiger Rahmen für eine berühmte Oldtimer-Rallye: Teilnehmer der Mille Miglia auf dem Petersplatz in Rom.

Würdiger Rahmen für eine berühmte Oldtimer-Rallye: Teilnehmer der Mille Miglia auf dem Petersplatz in Rom. Bild: Andrew Medichini/Keystone

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Sobald die Sonne rauskommt, nimmt auch die Frequenz der Oldtimer-Rallyes zu, bei denen alte Bugatti, Ferrari und Alfa Romeo über Passstrassen gehetzt werden, an einem Publikum vorbei, das mit vor Rührung sanft schimmernden Augen Applaus spendet. Diese «Classic Car»-Rallyes sind vor allem Gelegenheiten, die Schätze aus der Garage zu holen. Denn ein Oldtimer will geschont und gepflegt, muss aber auch bewegt werden, damit er sich «nicht totsteht», wie Eingeweihte sagen.

Im Mai fand in Norditalien bereits die «Mille Miglia» statt, die berühmteste Rallye; die berüchtigtste ist wohl das «Goodwood Revival» im September in England. Dort werden echte Wettbewerbe gefahren, mit Rennwagen vergangener Zeiten.

Miss-Wahlen für Autos

Oldtimer sind aber auch zu einer populären Geldanlage geworden. Wer nicht in Immobilien oder Kunst investieren will, kann sich ein seltenes Fahrzeug kaufen, um Wohlstand und Geschmack gleichzeitig anzuzeigen.

Wobei es sich mit Oldtimern ähnlich verhält wie mit Kunst: Wer der Öffentlichkeit seine Schätze zeigt, muss kein Philanthrop sein. Denn der Wert klassischer Fahrzeuge bemisst sich auch an den Auszeichnungen, die sie bei öffentlichen Auftritten erringen. Weswegen weltweit immer mehr Concours d’Élégance veranstaltet werden, Miss-Wahlen für Fahrzeuge, an denen die Autos von einer Jury nach Zustand, Seltenheit und Linie bewertet werden.

Spätestens hier sollte man klar unterscheiden zwischen Investitionsobjekten und dem, was Automobil-Enthusiasten als Veteranenautos mit reduziertem Steuersatz anmelden können. Dazu müssen die Vehikel mehr als 30 Jahre alt, im Originalzustand und gut gepflegt sein, und dürfen jährlich nur 2000 bis 3000 Kilometer zurücklegen. Rund 70 000 «Veteranen» stehen in Schweizer Garagen.

Was so alles Oldtimer wird

Oft befriedigen all diese Lancia Delta HF Integrale, BMW 2002 oder Porsche 914 zwar das Stilempfinden ihrer Käufer, die in den 70er-, 80er-Jahren jung waren, taugen aber kaum als Wertanlage. Denn ihr Unterhalt frisst den zu erwartenden Gewinn auf. Hübscher als ein Bankkonto, das keine Zinsen abwirft, ist ein alter Alfa Romeo natürlich trotzdem.

Allerdings werden jetzt die Jahrgänge ab 1986 zu Oldtimern, da fing es schon an mit den erhöhten Sicherheitsvorschriften, die Karosserien anschwellen liessen, und Computerdesign, bei dem die Linien verflachten. «Prius» statt «Giulietta» – nur weil eine Form alt wird, muss sie nicht preiswürdig werden.

Erstellt: 26.05.2017, 21:36 Uhr

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