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Ein Retter wider Willen

Griechenlands Premier Alexis Tsipras wird unterschätzt. Er hat sein Land vorangebracht.

MeinungMike Szymanski
Der 43-jährige Linkspolitiker Alexis Tsipras war mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die «barbarische» Sparpolitik zu beenden. Foto: Reuters
Der 43-jährige Linkspolitiker Alexis Tsipras war mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die «barbarische» Sparpolitik zu beenden. Foto: Reuters

Als Meisterin im Durchstehen von Krisen ist Angela Merkel in Europa keineswegs ohne Konkurrenz. Für Alexis Tsipras kam in nur zweieinhalb Jahren ebenfalls viel zusammen. Die Vertrauenskrise im politischen System hat der griechische Premier durch seinen hemmungslosen Populismus mitverschuldet. Die Schuldenkrise hat er geerbt. Die Flüchtlingskrise brach über ihn herein. Tatsächlich lösen konnte er bislang keine dieser Krisen. Aber er hat das Land stabilisiert. Das dritte Hilfsprogramm für das hoch verschuldete Griechenland startet in sein letztes Jahr.

Bemerkenswert daran ist, dass der Vollstrecker der Sparpolitik immer noch derselbe Politiker ist, der auch seine Unterschrift 2015 unter das Dokument gesetzt hat: Tsipras. In der Geschichte der Rettungsversuche hatte bisher noch jedes Programm den Premier aus dem Amt gehebelt. Aber Tsipras hält sich. Das ist nicht ohne Ironie. Schliesslich war der 43-jährige Linkspolitiker mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die «barbarische» Sparpolitik zu beenden.

Gute Nachrichten aus Athen

Aber nach zwei Jahren Sparpolitik unter Tsipras geben die jüngsten Meldungen aus Athen Anlass zu Zuversicht. Die Wirtschaft wächst, das zweite Quartal in Folge. 2017 könnte zum Rekordjahr für den Tourismus werden. Athen holt sich erstmals seit 2014 Geld am Kapitalmarkt.

Aus Sicht der internationalen Geldgeber bleibt Tsipras ein unbequemer Partner. Nichts läuft von alleine, immer gilt es, Widerstände zu überwinden. Und dennoch – unter Tsipras wird eine schmerzhafte Reform nach der anderen Gesetz. Der Frust entlädt sich – leise und schleichend – an ihm und seiner Partei. Tsipras muss den Kopf hinhalten. Menschen, die ihn einst gewählt haben, hassen ihn heute für seine Politik. Der Populist Tsipras, der im Januar 2015 an die Macht gekommen ist, existiert nicht mehr.

Dieser Politiker wird Griechenland sicher nicht zu Wohlstand führen können. Die Staatsverschuldung ist so gigantisch hoch, dass Griechenland auf Jahrzehnte hinaus ein armes Land bleiben wird. Es wird aber darum gehen, dieser Zeit mit Anstand und Würde zu begegnen. Da kann auch Tsipras noch viel leisten.

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