Ist Federers Siegeshunger genug gross?

Er wirkt angespannt, Roger Federer, vor dem Auftaktspiel in Melbourne (ab 10:30 Uhr). Einen Erfolg verbuchen kann die Schweizerin Stefanie Vögele.

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Mit dem Österreicher Jürgen Melzer steht Roger Federer an seinem ersten Weltranglistenturnier seit Wimbledon ein Routinier und Linkshänder gegenüber. Der ebenfalls 35-jährige Wiener konnte ihn in vier Duellen einmal schlagen (in Monte Carlo 2011) und stand auch schon in den Top 10. Melzer hatte nach einer Schulteroperation die ersten fünf Monate der vergangenen Saison verpasst und fiel bis auf Rang 550 zurück. Im Sommer überraschte er in Kitzbühel dann schon wieder mit einem Sieg über Top-10-Spieler Dominic Thiem. Nun steht er auf Rang 300, und in Melbourne überstand er die Qualifikation.

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Federer verheimlichte am Wochenende nicht, dass er angespannter ist als üblich vor Grand-Slam-Turnieren. «Eine gewisse Nervosität und Unsicherheit wird auch bei mir spürbar sein», gab er zu. Er fühle sich körperlich zwar in einer Topverfassung, doch die fehlenden Ernstkämpfe in den vergangenen Monaten seien ein Faktor. «Ich hoffe aber, dass es mir dank meiner Erfahrung und Ruhe gelingen wird, nicht zu lange mit meinem Nervenkostüm kämpfen zu müssen.» Er werde auch konzentrationsmässig sehr gefordert sein. Aber er habe in Melbourne ja nie in der 1. Runde verloren.

«Schön wäre, wenn ich in die Viertel­finals vorstossen könnte.Roger Federer

Federer zeigte sich überrascht, dass einige in seinem Fall von einer «Traumauslosung» sprachen. «Ich finde sie jedenfalls sehr schwierig und weiss nicht, ob diese Leute das gleiche Tableau gesehen haben.» Seine Ziele sind denn auch bescheidener als gewohnt: «Schön wäre, wenn ich in die Viertel­finals vorstossen könnte. Dann hätte ich meinen Rhythmus wieder gefunden.»

Roger Federer macht einen kleinen Fan sehr glücklich. Video: Tamedia/Twitter

Vögele siegt

Bereits erfolgreich war Stefanie Vögele. Die Schweizerin steht erstmals seit zwei Jahren wieder in der 2. Runde eines Grand-Slam-Turniers. Am Australian Open besiegte sie in der 1. Runde die Japanerin Kurumi Nara 2:6, 6:2, 6:3.

Zuvor hatte die 26-jährige Aargauerin in vier Partien gegen Nara noch nie einen Satz gewonnen. Nun aber verlängerte die Weltnummer 112 ihre gute Serie von Dreisatz-Siegen, nachdem die bereits alle drei Qualifikationspartien über die volle Distanz gewonnen hatte. In der 2. Runde trifft sie am Mittwoch auf die zehn Jahre ältere Venus Williams.

Im ersten Satz lief die Partie ähnlich wie in der Vergangenheit. Erst ab dem zweiten Durchgang gelang es Vögele, aggressiver zu spielen und sich so vom Spieldiktat der 35 Positionen besser klassierten Japanerin zu befreien. Vor allem agierte sie nun bei eigenem Service deutlich besser. An Ende konnte es sich Vögele sogar leisten, im Entscheidungssatz beim Stand von 5:2 zwei Matchbälle verstreichen zu lassen. Bei der dritten Chance - nun bei eigenem Aufschlag - gelang ihr nach knapp zwei Stunden ein Ass.

Letztmals hatte die Aargauerin vor zwei Jahren ebenfalls am Australian Open die 2. Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht.

Golubic bereits ausgeschieden

Viktorija Golubic (WTA 62) schied hingegen wie im Vorjahr in der 1. Runde aus. Die Zürcherin unterlag der vier Plätze besser klassierten Tschechin Kristyna Pliskova 3:6, 6:2, 4:6. Bei sommerlichen Temperaturen von gut 30 Grad schien Golubic physisch besser als die Zwillingsschwester von Weltnummer 5 Karolina Pliskova. Am Ende hatte jedoch die Tschechin die besseren Nerven. Zwar konterte Golubic ein Break zum 3:5 nochmals kontern, nach gut zwei Stunden musste sie jedoch ihren Aufschlag zum 4:6 erneut abgeben.

Die Niederlage war äusserst unnötig, denn lange Zeit war Golubic im 3. Satz näher an einem wohl vorentscheidenden Break. Zudem hatte sich Pliskova nach dem ersten Game lange pflegen lassen müssen. Am Ende entschied aber die Fähigkeit der 1,84 m grossen Linkshändern, aus fast allen Positionen Winner zu schlagen.

So hatte sie Golubic zu Beginn geradezu überrannt. Erst nach fast einer Stunde - und angesichts eines erneuten 0:2-Rückstands im 2. Satz - fand die Schweizer Fedcup-Spielerin das Mittel gegen das druckvolle Spiel Pliskovas. Sie variierte ihre Rückhand wie üblich geschickt zwischen Topspin und Slice und gewann so immer mehr die Oberhand.

Im entscheidenden Satz fehlte dann aber der Killerinstinkt, um zum zweiten Mal nach dem French Open im vergangenen Jahr in die 2. Runde eines Grand-Slam-Turniers einzuziehen. Immer wieder unterlief Golubic in aussichtsreichen Situationen der eine Fehler zu viel. So vergab sie die letzten zwei Punkte bei 4:5 und 30:30 mit zwei haarsträubenden Vorhand-Fehlern.

Bencic und Bacsinszky morgen im Einsatz

Erst am zweiten Turniertag stehen die zwei besten Schweizerinnen im Einsatz. Während Timea Bacsinszky nach einer Bauchmuskelzerrung nicht sehr zuversichtlich wirkt, freut sich Belinda Bencic sehr auf ihre dritte Begegnung mit ­Serena Williams, der sechs­fachen Melbourne-Siegerin. Sollte sie am ersten Grand-Slam-Turnier ohne ihren Vater Ivan einen grossen Coup landen, wäre das für die 19-Jährige persönlich wohl ihr bisher grösster Erfolg.

Erstellt: 16.01.2017, 07:37 Uhr

Update folgt...

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