«Federer kann lange Ballwechsel mitgehen»

SRF-Experte Heinz Günthardt glaubt, der Schweizer könne Andy Murray in Wimbledon gar mit dessen Waffen schlagen.

«Ich sah ihn noch nie besser servieren»: Heinz Günthardt über Roger Federer. Foto: Keystone

«Ich sah ihn noch nie besser servieren»: Heinz Günthardt über Roger Federer. Foto: Keystone

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Roger Federer wurde in den ersten fünf Partien kaum bedrängt. Ist das ein Indikator für den Halbfinal gegen Andy Murray?
Durchaus. Er schlug ausgezeichnet auf, war bei den eigenen Servicegames kaum je unter Druck. Das erlaubte ihm, befreit aufzuspielen als Returnspieler. Gegen Gilles Simon spielte er nicht perfekt von der Grundlinie. Aber wenn es nötig war, konnte er sich steigern. Ich sah ihn noch nie besser servieren. Und er deckt auch das Netz so gut ab wie noch nie.

Wenn er Aufschlag-Volley spielt, hat er eine Erfolgsquote von 82 Prozent. Sollte er diese Taktik gegen Murray noch mehr einsetzen?
Er wird sicher versuchen, ab und zu Aufschlag-Volley zu spielen. Nur schon, um zu verhindern, dass Murray den Ball einfach zurückspielt. So wird er ihn dazu zwingen, aggressiver zu retournieren und mehr Fehler zu begehen. Wie oft er Aufschlag-Volley einsetzt, wird sich ­ergeben. Federer spürt ja, wie gut ­Murray seinen Service liest. Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich.

Was macht Murray zum besten Returnspieler auf der Tour?
Djokovic ist für mich auf der gleichen Stufe. Murray liest das Spiel exzellent und hat eine gute Reichweite. Und er hat trotz seiner zweihändigen Rückhand auch eine gute Kontrolle, wenn er den Ball einhändig zurückbringt.

Die letzten drei Duelle gewann alle Federer. Kann man aus diesen etwas herauslesen? An den ATP-Finals siegte er ja 6:0, 6:1.
Das war ein anderer Murray als jetzt. Aber interessant war, dass die ersten Ballwechsel extrem lang waren. Federer zeigte, dass er auch die mitgehen kann. Und plötzlich wusste Murray nicht mehr weiter. Das sahen wir schon im Australian-Open-Final 2010. Es wird spannend zu sehen sein, wie die ersten ­Minuten verlaufen. Ob Federer die Punkte sofort kurz halten will. Denn im Offensivspiel hat er klare Vorteile. Oder ob er versucht, Murray zu zeigen, dass er auch lange Ballwechsel mitgehen kann.

Kann er das?
Absolut. Das ist eine Einstellungsfrage. Denn das tut weh, ist extrem physisch. Aber auch dem Gegner tut es weh.

Murray hat nach seiner ­Rücken­operation im Herbst 2013 wieder zu seinem besten Niveau gefunden. Überrascht Sie das?
Nein. Das Tennisspielen verlernt man nicht. Es ist also eine Frage der Athletik und des Selbstvertrauens. Wenn man als Konterspieler nur eine Nuance lang­samer ist, macht das sehr viel aus. Das entscheidet, ob man den Ball nur noch ­zurückbringen oder das Tempo des Gegners mitnehmen kann. Das ist ja auch das Problem Nadals. Er ist nicht mehr ganz so schnell. Bei Murray war das ähnlich. Wenn man eine Spielart hat wie er, muss man sich hervorragend bewegen.

Wenn Sie Ihr Haus auf Federer, Murray oder Djokovic als Wimbledonsieger setzen ­müssten, wen würden Sie wählen?
Sie sind so nahe beieinander, dass ich mein Haus bestimmt nicht setzen würde. Es war selten so offen. Und Gasquet hat gegen Wawrinka phasenweise hervor­ragend gespielt. Die Frage ist: Wie hat er diesen Kampf verdaut? Ich finde nicht, dass Djokovic automatisch schon im Final steht. Dafür hat mich Gasquet zu sehr beeindruckt.

Erstellt: 10.07.2015, 10:03 Uhr

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