Heiss auf die Seeüberquerung

Hanspeter Baumberger wärmt die Zürichsee-Schwimmer auf.

Zieht regelmässig das ganze Schwimmerfeld in seinen Bann: Hanspeter Baumberger. Foto: Dick Vredenbregt

Zieht regelmässig das ganze Schwimmerfeld in seinen Bann: Hanspeter Baumberger. Foto: Dick Vredenbregt

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Die Sonne brennt, im Strandbad Mythenquai ist kein Quadratmillimeter Schatten frei. Man denkt: Heisser kann es nicht werden. Aber das Aufwärmen für die Stadtzürcher Seeüberquerung geht erst los. Und wie. Vier-, sechs-, achthundert Menschen in Badekleidern wippen, hüpfen, rudern synchron auf der Bühne. Vor ihnen auf der Bühne strahlt ein hagerer Trainingsleiter mit blonden Strähnen gut Laune aus, fordert lautstark dazu auf, zuerst im Stand zu marschieren, dazu die Arme zu schwenken, nach links, nach rechts, immer weiter, immer schneller. Und so geht das alle Viertelstunden einen halben Nachmittag lang, bis sich der letzte der gegen 9000 Schwimmer auf die anderthalb Kilometer übers Seebecken aufgemacht hat.

So ging es in den letzten 25 Jahren immer zu an der Seeüberquerung, so wird es am nächsten Mittwoch wieder sein (falls das Wetter stimmt). Immer leitet Hanspeter Baumberger zusammen mit ein, zwei Assistentinnen das Aufwärm­training. Und regelmässig zieht er das ganze Schwimmerfeld in seinen Bann. Dann erklärt er die Sicherheitsregeln und warum das Aufwärmen gerade an diesem Anlass so wichtig ist: weil ein Muskelkrampf mitten im Zürichsee gefährlich sein kann, lebensgefährlich.

Gegen 9000 Schwimmer nehmen an der Überquerung teil. Foto: Reto Oeschger

Baumberger ist Sportlehrer mit ETH-­Abschluss. Er unterrichtete Turnen an der Volksschule. Zu «Jane-Fonda-Zeiten», wie er sagt, begann er zudem Airobic-Trainings zu leiten und war Instruktor im Fitnessraum des Migros-Fitnessparks Regensdorf. Heute ist er Bereichsleiter aller sieben Migros-Fitnessparks in Zürich und Umgebung. Also eigentlich ein Manager: Reorganisationen, Personalprobleme, Budget­fragen. Aber einmal in der Woche leitet der 52-Jährige immer noch ein Training. Und bei der Seeüberquerung (sowie beim Silvesterlauf) ist er als Vorturner fürs Aufwärmen mit dabei. «Weil es mir Spass macht.»

Baumberger selbst mag nicht mehr zur Badi Tiefenbrunnen hinüberschwimmen.

Spass allein aber macht die Beliebtheit der Aufwärmtrainings längst nicht aus. «Die Übungen müssen ganz, ganz, ganz einfach sein», sagt Baumberger. «Nur so kann man alle bei der Stange halten, auch diejenigen, für die Fitnesstraining ein Fremdwort ist.» Dazu kommt das Material, ein wichtiger Punkt: Eine stabile Bühne braucht es, am richtigen Standort, damit alle Schwimmer den Trainer sehen. Und, ebenso zentral, die richtige Musik, in der richtigen Lautstärke: also ziemlich laut. Die dafür notwendige Anlage braucht viel Strom. Deswegen hat die Stadt im Bad Mythenquai extra einen Starkstromanschluss eingerichtet. «Vorher mussten wir immer extra 150 Meter Kabel legen», erzählt Baumberger.

Nach zehn, zwölf Auftritten auf der Bühne im Mythenquai mag Baumberger selbst nicht mehr zur Badi Tiefenbrunnen hinüberschwimmen. Aber zur Abkühlung stürzt er sich dann doch auch in den See – aber nur, um zu plantschen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.07.2018, 22:57 Uhr

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