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Im Griff des Terrors

In der türkischen Metropole Izmir macht sich nach dem Anschlag das beklemmende Gefühl von Angst und Unruhe breit. Die Täter sollen kurdische Terroristen sein.

Polizisten tragen den Sarg ihres Kollegen Fethi Sekin, der bei einem Bombenattentat in Izmir getötet wurde. Foto: Keystone
Polizisten tragen den Sarg ihres Kollegen Fethi Sekin, der bei einem Bombenattentat in Izmir getötet wurde. Foto: Keystone

Die Angreifer waren bewaffnet, als wollten sie in den Krieg ziehen. Erol Ayyildiz, der Gouverneur von Izmir, beschrieb das Arsenal der Täter: zwei Schnellfeuer­gewehre, eine Panzerfaust, acht Handgranaten. Vor dem klobigen Gerichtsgebäude der Stadt Izmir brannte das Autowrack, in dem ein Sprengsatz versteckt war. Er soll aus der Ferne gezündet worden sein. Die Detonation war in der ganzen Stadt zu hören gewesen. Sie hat die Bürger Izmirs aus der Illusion herausgerissen, vielleicht noch an einem sicheren Ort in der Türkei zu leben.

Seit Donnerstag macht sich aber auch in dieser türkischen Metropole das beklemmende Gefühl von Angst und innerer Unruhe breit, ganz so wie in Ankara und wie in Istanbul. Ganz so, wie es die Angreifer wohl beabsichtigt hatten, die der Gouverneur kurz nach dem Anschlag schon Terroristen nannte. Justizminister Bekir Bozdag wurde am Freitag konkret: Die Behörden hätten keinen Zweifel daran, dass die kurdische Terrororganisation PKK hinter dem Anschlag stecke.

Ein Verkehrspolizist als Held

Die Regierung in Ankara ging am Freitag davon aus, dass ein «sehr grosses Massaker» geplant gewesen sei. Wer weiss, wozu die Täter in der Lage gewesen wären, wenn sich ihnen nicht der Verkehrspolizist Fethi Sekin in den Weg gestellt hätte. Der Mann ist Mitte vierzig, ein erfahrener Beamter. Schon seit neun Jahren soll er am Gerichtsgebäude Dienste schieben. Sekin habe Verdacht geschöpft, hiess es. Er habe das Auto, das auf den Eingang des Gerichtsgebäudes zusteuerte, den vor allem Anwälte, Richter und Staatsanwälte benutzen, kontrolliert. In dem Moment nahm das Verbrechen seinen Lauf. Die Täter sprangen aus dem Fahrzeug. Es kam zur Explosion und zum Schusswechsel.

Der Polizist und ein Gerichtsmitarbeiter starben. Dieser hatte gerade Akten von einem Gebäudeteil in einen anderen bringen wollen, als er die Schüsse hörte. Der Mann schaute zum Fenster hinaus. Dabei soll ihn eine Kugel getroffen haben. Am Freitag kamen die Kollegen zu einer Trauerfeier im Justizgebäude zusammen. Generalstaatsanwalt Mustafa Dogru sagte: «Kein Angriff wird uns davon abhalten, dem Land zu dienen.»

Auch zwei Terroristen sind tot. Ein mutmasslich dritter Angreifer habe fliehen können. Bald nach dem Anschlag hing eine riesige türkische Fahne am Hochhaus, wo der getötete Polizist gelebt hatte. Die Familie und Freunde trauern.

In der Türkei reihen sich fürchterliche Tage aneinander, Tage des Terrors. In der Silvesternacht war bereits die Hoffnung gestorben, dass das neue Jahr besser werden könnte, als das alte geendet hatte. Vor Weihnachten waren bei einem Anschlag einer PKK-Splittergruppe in Istanbul fast 50 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf wurde der russische Botschafter in Ankara bei einer Ausstellungseröffnung umgebracht. In der Silvesternacht drang ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat in den Nachtclub Reina ein und tötete mit einer automatischen Waffe 39 Männer und Frauen. Der Täter ist immer noch auf der Flucht.

Premier im Krisenmodus

Überall in der Türkei kennt man sein Gesicht. Er hatte sich Tage vor dem Anschlag auf dem Istanbuler Taksim-Platz selber gefilmt. Seit Ende November soll er sich in der Türkei aufgehalten haben, womöglich sei er über Syrien eingereist. Zuletzt hiess es, er könnte sich immer noch in Istanbul verstecken. Und schon passiert der nächste Anschlag.

Das Land kommt überhaupt nicht zur Ruhe. Premierminister Binali Yildirim, seit Wochen im Krisenmodus, sagte nach dem Anschlag von Izmir, die Terrororganisationen würden im Schichtbetrieb arbeiten. Hinzu kommen die Folgen des Putschversuchs vom Sommer und die Fahndung nach IS-Anhängern.

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