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In den Tiefen des Darknets

Drogen, Morde und Vergewaltigungen: In dem digitalen Marktplatz ist fast alles im Angebot. Otto Hostettler hat ein Buch darüber geschrieben, das jeder lesen sollte.

Das Darknet erreicht man einen TOR-Browser, der die eigenen Spuren im Internet verwischt. Foto: Silas Stein (Keystone)
Das Darknet erreicht man einen TOR-Browser, der die eigenen Spuren im Internet verwischt. Foto: Silas Stein (Keystone)

Das Internet gleicht Otto Hostettler zufolge einem Ozean: An der Oberfläche schwimmen die kleinen Fische. Hier angeln Nutzer mit Suchmaschinen nach Websites. Weiter unten ziehen die grösseren Tiere, wie Haie und Wale, ihre Bahnen. Diese Sphäre, das Deep Web, vergleicht der Autor des Buchs «Dark­net» mit einem verborgenen Teil des Meers. Die Seiten sind mit einer einfachen Google-Suche nicht aufzuspüren, machen aber Schätzungen zufolge den allergrössten Teil des Internets aus. Hier befinden sich Datenbanken, die mit Passwörtern geschützt sind, oder veraltete Websites, die nur mit gezielter Suche gefunden werden können.

Taucht man noch weiter ab, gelangt man ins Darknet, quasi auf den Meeresboden des Netzes. Dieses kann als Teilmenge des Deep Webs bezeichnet werden.

Schweizer Pass für 900 Dollar

Schnorcheln die meisten Nutzer nur an der Oberfläche des Internets, tummeln sich im Darknet Drogendealer, Waffenhändler, aber auch Regimekritiker, die der Zensur ihres Landes entgehen wollen. Das Darknet erreicht man mit normalen Browsern wie Firefox oder Safari nicht. Es braucht einen sogenannten TOR-Browser, der die eigenen Spuren im Internet verwischt.

Hostettler war für seine Recherche zwei Jahre im Darknet unterwegs. Auf anonymen Marktplätzen findet er neben Drogen und gestohlenen Kreditkarten auch angeblich echte Schweizer Pässe für rund 900 Dollar pro Stück. Kopien von Identitätskarten, Pässen oder Führerausweisen sind für wenige Franken im Angebot, genauso wie Auftragsmorde oder Vergewaltigungen. Ware Nummer eins sind im Darknet Hostettler zufolge aber Drogen und Medikamente. Um die Zahlungsabläufe und die Kommunikation mit den Händlern zu verstehen, kauft der Autor Medikamente – auch bei Anbietern in der Schweiz. Die bestellten Produkte lässt er bei einem Notar registrieren, um nicht selbst mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Bis anhin wissen viele Staatsanwälte und Strafverfolger nicht, wie das Darknet funktioniert.

Herausgekommen ist ein Werk, das jeder lesen sollte: der Staatsrechtler, der das Darknet regulieren muss. Der Staatsanwalt, der über Verbrechen in diesem richten muss. Unternehmen und Einzelpersonen, die das Darknet verstehen müssen, um sich vor Cyberattacken und der illegalen Verwendung ihrer Daten zu schützen. Bis anhin wissen Hostettler zufolge viele Staatsanwälte und Strafverfolger nicht, wie das Darknet funktioniert. Oft fehle es sogar an grundlegenden technischen Kenntnissen über das Internet als Tatmittel für kriminelle ­Machenschaften.

Einziger Kritikpunkt am Buch: Die Interviews mit angeblichen Schweizer Händlern im Darknet wirken etwas naiv. Der Autor schreibt selbst zu einem der Gespräche über den Interviewpartner: «Der Nutzer ist angeblich eine Frau um die 40, spricht über Erfahrungen, verschweigt mindestens genauso viel. Einiges klingt plausibel, anderes weniger.» So dann auch das Interview.

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