Bayern zerlegt den BVB

Der FC Bayern lässt Dortmund im Spitzenspiel der Bundesliga keine Chance und gewinnt dank einer überragenden Leistung 4:0.

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«Das werde ich ewig in Erinnerung behalten», sagt Uli Hoeness in die Kamera von Sky. Er scheint vor Stolz fast zu platzen. Nächsten Freitag zieht er sich als Vorsitzender des Aufsichtsrats in die zweite Reihe zurück, nach 40 Jahren als Manager und Präsident. Einen solchen Abschluss habe er bestellt, sagt Hoeness. Er meint es scherzhaft.

Eine Woche zuvor verloren die Münchner in Frankfurt noch 1:5, es war das Ende von Niko Kovac als Trainer. Sein Assistent Hansi Flick, eigentlich der Hans-Dieter, darf und muss für die zwei Spiele dieser Woche einspringen. Am Mittwoch gibt es das 2:0 gegen Olympiakos Piräus in der Champions League. Und jetzt dieser Sieg gegen Dortmund, der auch ein 6:0 oder 7:0 sein könnte. Hoeness sagt: «Die Spieler, die dafür sorgten, dass Niko Kovac nicht mehr da ist, wussten, dass sie liefern müssen.»

Es ist ein bedeutender Satz. Er sagt, dass Kovac die Spieler nicht mehr erreichte oder sie nicht mehr auf ihn hörten. In diese Richtung äussert sich auch Thomas Müller. Er hatte es nicht leicht unter Kovac und verlor seinen Platz an Philipp Coutinho. Flick hat ihn von der Bank zurück auf den Platz beordert, und Müller ist gerade gegen Dortmund das Symbol einer Mannschaft, die das Kämpfen wiederentdeckt hat. Also sagt er: «Die Spieler waren durch den Trainerwechsel noch mehr gefordert. Das Alibi war weg.»

Robert Lewandowski trifft, wie er will

Nach einer Viertelstunde gelingt Robert Lewandowski das 1:0. Wem sonst? Lewandowski scheint zu treffen, wie er will, es gelingt ihm auch im elften Spiel der Saison. Das ist Rekord. Dabei steht er vor einer Operation an den Adduktoren, es soll nichts Grosses sein, trotzdem ist erstaunlich, in welcher Form er sich präsentiert. «Es ist Wahnsinn, was er leistet», sagt Flick, «er ist der weltbeste Stürmer.» Mittelstürmer müsste er wohl sagen, weil es ja auch immer noch Messi und Ronaldo gibt.

Lewandowskis Führungstreffer (Quelle: Sky)

Die zweite Halbzeit beginnt mit dem 2:0 durch Serge Gnabry, geht weiter mit dem 3:0 durch Lewandowski, seinem 16. Bundesligator diese Saison, und endet mit dem 4:0, für das Mats Hummels verantwortlich ist. Der frühere Bayer lenkt einen Schuss von Perisic ins eigene Tor ab. Für ihn ist das Missgeschick «fast tragisch-komisch».

Gnabrys Tor zum 2:0 (Quelle: Sky)

In der ersten Halbzeit, es steht erst 1:0, hat er einmal mit den Fäusten auf die Brust getrommelt. Als wolle er seinen Mitspielern zeigen: He, mehr Selbstvertrauen, mehr Mut, mehr Herz! Die Geste verpufft wirkungslos. Die Statistik sagt: 18:1 Torschüsse und 69 Prozent Ballbesitz für die Bayern. Und eine Unmenge an gewonnenen Zweikämpfen. Es ist eine Demonstration des Meisters der vergangenen sieben Saisons.

Männerfussball? Kerle? Nichts davon ist zu sehen

Vor dem Spiel hat Michael Zorc gesagt: «Wir müssen Männerfussball spielen. Wir müssen Kerle sein.» Der Sportdirektor der Borussia hat es gesagt, weil seine Mannschaft in jüngster Zeit in der Allianz Arena wiederholt schwer besiegt worden war. 0:5, 0:6, 1:4 oder auch 1:5, sechs Niederlagen mit 4:24 Toren waren es bis zu diesem Samstag in der Bundesliga seit dem letzten Sieg gewesen.

Lewandowski zum Zweiten: 3:0. (Quelle: Sky)

Die Dortmunder kommen mit dem Gefühl von drei Heimsiegen innert sechs Tagen, es war ihre Antwort auf das Gerede, ob Lucien Favre noch der richtige Trainer sei. Aber in München? Männerfussball? Kerle? Nichts davon ist zu sehen, nur Baby-Borussen. Tempo, Ballannahme, Technik, Pässe, Bewegung, das alles sei nicht gut gewesen, sagt Lucien Favre. «Es ist eine grosse Enttäuschung. Viele Spieler waren nicht da.» Nicht da heisst: nicht bereit. Dortmunds Trainer sucht keine Ausflüchte, weil es keine gibt. Sein Chef Zorc wird erst richtig deutlich: «Das war überhaupt kein Fussball. Das war eine Nicht-Leistung. Wir haben es den Bayern so einfach gemacht!»

In München dagegen hat die Mannschaft ein Statement dafür abgeliefert, dass Flick nicht nur für zwei Spiele Trainer sein soll, sondern bis zum Saisonende. «Er kann das», sagt Bundestrainer Joachim Löw in München zur Halbzeitpause. Löw hatte Flick acht Jahre lang als Assistenten an der Seite, bis zum Gewinn der WM 2014. Flick selbst gibt sich im Moment des Sieges bescheiden: «Nur das Hier und Jetzt ist wichtig.»

Der Schlusspunkt: Hummels lenkt den Ball ins eigene Tor. (Quelle: Sky)

Den entscheidenden Beitrag zur Trainerfrage liefert am Abend der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge: «Wir werden in Ruhe mit ihm weitermachen.» Er meint Flick.

Erstellt: 09.11.2019, 21:04 Uhr

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