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Kultur ohne Beigeschmack

Kulturveranstalter dürfen sich nicht zu Komplizen machen. Eine Replik.

Schillernde Figur: Geschäftsmann Jean-Claude Bastos. Foto: Anita Baumann
Schillernde Figur: Geschäftsmann Jean-Claude Bastos. Foto: Anita Baumann

Wer ungehindert umstrittene Geschäfte machen will, braucht einen guten Ruf. Das wissen etwa die Grossbanken mit ihren millionenschweren Imagekampagnen und Kultursponsorings. Zur Perfektion getrieben hat das Modell aber der schweizerisch-angolanische Geschäftsmann Jean-Claude Bastos, der im Zuge der Paradise Papers wegen seiner fragwürdigen Verwaltung des angolanischen Staatsfonds in die Kritik geriet.

Bastos pflegt sein Image mit immensem Aufwand. Er gründete eine eigene PR-Firma, Djembe Communications, und spannte den Zürcher Starwerber Frank Bodin ein. Er stellte eine Stiftung auf die Beine, die Innovation in Afrika fördert und jedes Jahr mit viel Tamtam einen Preis verleiht. Er publizierte ein Buch über Ethik in der Geschäftswelt. Er initiierte soziale Projekte in Afrika, ermöglichte es armen Kindern, Tennis spielen zu lernen. Und er steckte viel Geld in die Kulturförderung, auch hierzulande.

Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass Bastos sein Vermögen kaum mit nach unseren Standards vertretbaren Methoden angehäuft hat.

All diese Engagements sind für sich genommen eine gute Sache. Dennoch muss sich jeder fragen, der von Bastos’ Zuwendungen profitiert, woher das Geld kommt. Und da ist es mit der guten Sache schnell vorbei. Soweit nachvollziehbar, stammt mindestens ein überwiegender Teil seines Millionenvermögens direkt aus der Staatskasse Angolas. Ein Land, in dem Korruption grassiert, fast jeder zweite Bewohner unter der Armutsgrenze lebt und jedes dritte Kind zu wenig zu essen hat.

Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass Bastos sein Vermögen kaum mit nach unseren Standards vertretbaren Methoden angehäuft hat. Wer würde es schon gutheissen, wenn der Verwalter des AHV-Fonds sich selber 28Millionen Franken Dividende pro Jahr auszahlte und das Geld des Fonds, das eigentlich unsere Zukunft sichern soll, in einen Wolkenkratzer in Zürich investierte, der ihm selber gehört?

Kulturveranstalter, die sich von Geschäftsmännern wie Bastos sponsern lassen, helfen diesen beim Aufpolieren der Fassade, hinter der die fragwürdigen Deals ablaufen. So machen sie sich zu Komplizen. Will man seinem Publikum wirklich zumuten, eine Veranstaltung nur mit schlechtem Gewissen besuchen zu können? Der Entscheid der Solothurner Filmtage, Bastos’ Sponsoring abzulehnen, war genau richtig.

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