Kulturkampf um Denkmäler

Das Gedenken an den Bürgerkrieg entzweit die USA bis heute.

Statue des Anstosses: Weisse Nationalisten bei der Kundgebung vor dem Denkmal für General Lee in Charlottesville, Virginia. Foto: Chip Somodevilla (Getty Images)

Statue des Anstosses: Weisse Nationalisten bei der Kundgebung vor dem Denkmal für General Lee in Charlottesville, Virginia. Foto: Chip Somodevilla (Getty Images)

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Mal ist es Robert E. Lee hoch zu Ross. Mal ist es Thomas «Stonewall» Jackson. Mal ist es nur ein einfacher Infanterist mit Vorderlader. Doch die Statuen von Generälen und Soldaten der konföderierten Armee – des Heeres der Süd­staaten also, die im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 gegen den Norden kämpften – stehen überall im ­Süden der Vereinigten Staaten. Kaum eine Stadt kommt dort ohne ein Monument aus, das an den brutalen Krieg und die vielen Toten erinnert.

Bilder: Grossdemonstration in Charlottesville

Die Befürworter sehen die Monumente als Zeichen der Mahnung, die vor allem an soldatische Tugenden wie Ehre oder Pflichterfüllung erinnern. Für viele Kritiker jedoch erinnern diese Statuen an etwas ganz anderes: an eine finstere Zeit, in welcher der Rassismus die Staatsdoktrin war, eine ganze Gesellschaft auf dem Fundament der Sklaverei ruhte und schwarze Menschen eine Ware ohne Rechte waren, die nach Belieben gehandelt werden konnte.

Initiativen gegen Monumente

Seit einigen Jahren gibt es daher vermehrt Initiativen, die den Abbau der Monumente durchsetzen wollen, zumindest der Statuen der führenden Südstaaten-Generäle wie Lee und Jackson. Robert E. Lee war im amerikanischen Bürgerkrieg einer der wichtigsten Generäle der konföderierten Armee, die für den Erhalt der Sklaverei im Süden gekämpft hatte.

Stonewall Jackson galt als fähigster Untergebener von Lee und wird als einer der grossen Helden der Konföderation während des Bürgerkriegs verehrt. Einige Theoretiker behaupten, mit Jackson an der Spitze hätten die Südstaaten die Schlacht von Gettysburg gewonnen. Im Kampf kannte Jackson keine Gnade mit dem Gegner und akzeptierte kein Fehlverhalten der eigenen Soldaten.

Vergleichbar ist der Streit um die Denkmäler vielleicht mit der Forderung nach der Umbenennung von Kasernen in Deutschland, an denen auch lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg noch die Namen von Wehrmachtsgenerälen prangten, die willige Helfer bei Adolf Hitlers Vernichtungskrieg waren.

Reiche und Mächtige feiern Lee

In Charlottesville, wo es nun zu tödlichen Auseinandersetzungen um die Lee-Statue kam, wird schon lange über dieses Monument gestritten. Auch in New Orleans gab es in den vergangenen Monaten heftige Konflikte, weil die Stadtverwaltung vier Statuen von Südstaaten-Generälen entfernen liess.

Protest und Reaktionen in Charlottesville. (Video: Reuters)

Dass es jetzt um Reiterstandbilder geht, mag neu sein. Im Grunde aber tobt der Kulturkampf um die Symbole der Konföderation seit Jahrzehnten. Vor den Statuen ging es dabei vor allem um die alte Kriegsflagge der Südstaaten, jene auch bei Rechtsextremen und Rassisten beliebte Fahne mit den schräg gekreuzten blauen Balken auf rotem Grund. Etliche US-Bundesstaaten im Süden hissten diese Flagge noch bis in die jüngste Vergangenheit über ihren Parlamenten, in Mississippi zum Beispiel ist das Balkenkreuz immer noch Teil der Fahne des Bundesstaats. In North Carolina wurde die Südstaatenflagge erst 2015 abgehängt, nachdem ein weisser Rassist in einer schwarzen Kirche mehrere Menschen erschossen hatte.

Für die linksliberale Ostküstenelite sind Südstaatler, die an ihren Generälen hängen, bigotte Hinterwäldler. Da ist freilich viel Heuchelei dabei. Denn jeweils im Januar versammeln sich Washingtons Reiche und Mächtige zu einem Festbankett, dem sogenannten Alfalfa-Dinner. Es ist das grösste gesellschaftliche Ereignis des Jahres und findet seit 1913 statt – zu Ehren des Südstaaten-Generals Robert E. Lee.

Erstellt: 13.08.2017, 23:20 Uhr

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