Verblüffende Dominanz der ZSC Lions

Die Zürcher gewinnen zum Finalauftakt in Lugano 1:0 – Künzle trifft als Einziger, Flüeler bleibt souverän.

Zürcher Jubel in Lugano: Mike Künzle hat in der 35. Minute als Erster in der Finalserie getroffen – und gleich entscheidend. (Video: Tamedia/SRF)

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Der Playoff-Final begann mit ohren­betäubendem Lärm – der Zeremonienmeister drehte den Lautstärkeregler beim Intro der «HCL Airline» aufs Maximum. Doch so laut wurde es im Verlaufe dieses Abends dann nicht mehr. Es war ein seltsames erstes Duell der Neuauflage dieses Klassikers, der mit so viel Spannung erwartet worden war.

Rettete gleich zwei Mal, wie ein Torhüter: Gregory Hofmann. (Video: Tamedia/SRF)

Letztlich ging die Rechnung auf für die ZSC Lions, die das einzige Tor schossen: Der heranbrausende Künzle verwertete in der 35. Minute einen Abpraller, als dem glänzenden Merzlikins die Sicht verdeckt war. Das war es dann schon auch punkto Offensivausbeute. Flüeler feierte den zweiten Shutout im Playoff, doch anders als beim 5:0 in Spiel 4 gegen Zug mussten die Zürcher bis zuletzt um den Sieg ­zittern.

Denn als die Minuten heruntertickten, raffte sich Lugano nochmals zu einer Schlussoffensive auf. Morini (56.) stocherte vor Flüeler nach, Lapierre (58.) verpasste eine gute Gelegenheit. Als Merzlikins dann 100 Sekunden vor Schluss einem sechsten Feldspieler Platz machte, liessen es die Lions aber nicht mehr heikel werden vor ihrem Tor. Die Anhänger der Bianconeri durften sich nur noch ein bisschen darüber freuen, dass «Ersatzgoalie» Hofmann zweimal gegen Herzog rettete.

Dann war es vorbei. Und die Curva Nord leerte sich schnell. Mit einer aufwändigen Choreografie, die einen Holzkohleofen und ein ZSC-Logo zeigte, das in diesen geschoben werden müsste, hatten die Tifosi den Abend begangen. So richtig «heiss» wurde es in der Resega dann aber nie richtig.

Die Versäumnisse der Zürcher

Tasteten sich die beiden Teams anfangs noch etwas ab, wobei nebst der Nervosität auch die vier spielfreien Tage mitgespielt haben dürften, übernahmen die ZSC Lions ab dem Mittelabschnitt die Kontrolle. Immer wieder brachten sie die Luganesi mit ihrem hartnäckigen Forechecking in Bedrängnis, und selbst wurden die Zürcher im Spielaufbau nur selten gestört. Nach dem äusserst intensiven Duell gegen den SC Bern scheinen sie gegen Lugano mehr Raum und Zeit zu haben, um ihr Spiel aufzuziehen. Es war phasenweise verblüffend, wie sehr die Zürcher dominierten. Doch sie verpassten es, die ­Partie frühzeitig zu entscheiden.

Coach Hans Kossmann hatte mit der Nomination von Defensivcenter Pelletier ja das Zeichen gesetzt, dass es primär gelte, nach hinten gut zu arbeiten. Und das gelang den Zürchern meist sehr gut. Eine ganz starke Partie spielte ­Guerra, und dass Klein der Chef auf dem Eis ist, daran hat man sich in diesem Playoff gewöhnt. Er teilte mehrere krachende Checks aus, gewann fast jeden Zweikampf. Überhaupt hatten die Zürcher die Hoheit, was die Zweikämpfe betraf. Mit ihrem Speed und ihren grossen Stürmern bereiteten sie Lugano viele Probleme. Nach dem glänzenden Merzlikins war bei den Tessinern Top­skorer Lapierre der beste Mann. Er spielte einige exzellente Pässe, bewies immer wieder Übersicht und gute Puck­kontrolle. Auf seine Spezialdisziplin der Provokation verzichtete er indes.

Apropos Lapierre: Hier diskutieren unsere Hockey-Experten über den Final. Video: Tamedia

Kommt jetzt Klasen?

Für die Zürcher war es eine perfekte Auswärtsleistung mit dem erhofften Ertrag – noch drei Siege fehlen ihnen zum Titel. Allerdings dürfen sie nicht davon ausgehen, dass es so weitergeht. Luganos Greg Ireland hätte beispielsweise die Option, im Sturm mit der Nominierung Klasens etwas mehr Unberechenbarkeit hineinzubringen. Bei den Zürchern blieb Pettersson für einmal diskret, er schien den Stock an seiner alten Wirkungsstätte etwas zu stark zu drücken. Nicht nur Lugano, auch die ZSC Lions haben noch Raum zur Steigerung.

Lugano - ZSC Lions 0:1 (0:0, 0:1, 0:0)
7200 Zuschauer (ausverkauft).
SR Eichmann/Hebeisen, Borga/Kaderli.
Tor: 35. Künzle (Sutter, Suter) 0:1.
Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Lugano, 2mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions.
PostFinance-Topskorer: Lapierre; Pettersson.
Lugano: Merzlikins; Johnston, Furrer; Sanguinetti, Vauclair; Ulmer, Wellinger; Riva; Lapierre, Lajunen, Hofmann; Walker, Sannitz, Reuille; Fazzini, Cunti, Romanenghi; Vedova, Morini, Bertaggia; Zorin.
ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Berni, Marti; Guerra; Pettersson, Pelletier, Korpikoski; Wick, Suter, Kenins; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Künzle, Prassl, Miranda; Pestoni.
Bemerkungen: Lugano ohne Chiesa, Bürgler, Brunner (alle verletzt), Etem, Klasen (beide überzählig), ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren, Vey (alle verletzt), Bachofner, Seger, Shore, Karrer, Hinterkircher (alle überzählig). 17. Schiedsrichter Eichmann vom Puck getroffen - nach kurzer Behandlungspause wieder auf dem Eis. 59. Timeout von Lugano, ab 58:25 ohne Torhüter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2018, 23:58 Uhr

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