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Macht euch durchsichtig

Schweizer Trusts: Selbstkritik klingt gut – kann aber nur der Anfang sein.

Wenn es in den USA knallt, erreichen die Schockwellen manchmal auch die Schweiz. So ist es auch im Korruptionsfall um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Die US-Justiz führt Prozess nach Prozess, um die 1,5 Milliarden Dollar an abgezweigten Geldern zu blockieren, die dem Volk von Malaysia gehören. In den Akten finden sich Spuren in die Schweiz: Nicht nur Banken sind involviert, sondern auch Spezialisten aus einer Nische der Finanzindustrie. Die Trust-Anbieter. Wie deren Branchenorganisation auf den Fall reagierte, ist bemerkenswert – doch dazu später.

Trusts sind eine der letzten Black Boxes des Schweizer Finanzplatzes. Es gibt keine verläss­lichen Daten zu Anbietern und zu Kunden: Denn einen Trust nach Schweizer Recht gibt es nicht. Das Gebilde stammt aus England.

Im Fall 1MDB betreuten die Zürcher Firmen Kendris und Rothschild Trust – ein Ableger der Bank Rothschild & Co – Millionen-Vermögenswerte der Familie Low. Deren Spross Jho Low gilt als Hauptverdächtiger der Staatsfondsplünderung. Zu den «Assets» gehörten Luxushotels in den USA und ein Privatjet – alles verwaltet in Zürich.

«Weg von Problemkunden»

Formell waren die Finanzspezialisten Eigen­tümer von Jet und Hotels. Sie administrierten diese auf Instruktion des Low-Clans. Dieses Arrangement nennt man Trust. Die Konstruktion bot der Familie Tarnung – gegen aussen erschien sie nirgends. Und Sicherheit: Berater in der stabilen Schweiz hatten die Kontrolle, weit weg von Korruption und organisierter Kriminalität. Schliesslich: Trusts bieten steuerliche Vorteile.

Wie viel die Schweizer Verwalter über die Lows wussten, ist unbekannt. Strafrechtlich wird ihnen heute kein Vorwurf gemacht, der Verband der Schweizer Trust-Unternehmen hat aber eine Untersuchung initiiert. Der Präsident der Branchenorganisation, Alexandre von Heeren, forderte: «Wir sollten weg von Problemkunden und uns darauf konzentrieren, den besten Service anzubieten.» Von Heeren streitet nicht ab, dass der Sektor ein Problem hat. Er sagt sinngemäss: Unser Ruf ist angeknackst, aber wir kriegen das wieder hin, wenn wir den Leuten da draussen beweisen, dass wir einen sauberen Job machen. Es gebe viele legitime Anwendungsfälle – von Unternehmern, die ihre Nachfolge organisierten, bis zu wohltätigen Institutionen, die ihr Vermögen in einem Trust bündeln wollten.

Von Heeren fordert eine Verstärkung der Aufsicht: Nicht jede Feld-Wald-Wiesen-Firma soll Trusts aufsetzen dürfen, nur Spezialisten sollen zugelassen sein. Eine halbstaatliche Behörde soll die Kontrolle übernehmen. Trust-Anbieter müssen ein Mindestmass an Eigenkapital und Versicherungsschutz vorweisen können. So sieht es auch der Entwurf des Finanzinstitutsgesetzes vor, über das der Nationalrat im Herbst berät.

Wie überzeugt man ein Publikum, das einem misstraut?

Der Ansatz leuchtet ein, zielt aber vor allem darauf ab, die Qualität des Angebots zu verbessern. Das reicht nicht. Nach den Panama Papers, Swissleaks und den Diamanten-in-der-Zahnpastatube-Geschichten von UBS-Bankern hat der Ruf der Offshore-Industrie gelitten – auch wenn sie im eigenen Land angesiedelt ist und dem Staat erhebliche Steuergelder abliefert.

Wie also überzeugt man ein Publikum, das einem misstraut? Erstens: Man schafft Transparenz. Man liefert Daten und Zahlen zu Fragen wie: Zu welchem Zweck werden Trusts in der Schweiz genau errichtet und betreut? Was sind die zehn häufigsten Anwendungsfälle? Wie viele Trusts werden total aus der Schweiz heraus administriert? In welchen Ländern? Wie hoch sind die verwalteten Gelder? Und dann die Kunden: Woher kommen sie? Was sind ihre Motive? Wie viel Vermögen legen sie im Schnitt in die Hände eines Trustees?

Zweitens: Man macht das Sanktionssystem transparenter. Wenn der Branchenverband heute ein Mitglied wegen Verstosses gegen die eigenen Regeln rüffelt, bleibt das vertraulich. Eine Möglichkeit wäre, anonymisiert die Geschichten der Sünder zu publizieren, wie das die Finma in ihrem Enforcementbericht tut.

Und drittens: Man verschärft die Sanktionen. Der Trustee-Verband kann heute Bussen bis 100'000 Franken ausfällen – allein der Privatjet Jho Lows kostete 35 Millionen Dollar. Was bringt eine Strafe, wenn sie nicht wenigstens piekst?

Wer glaubwürdig sein will, muss aushalten, dass es auch mal wehtut.

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