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Luther-Playmobil bricht alle Rekorde

750'000-mal hat Playmobil die Martin-Luther-Figur verkauft – in einer Woche. Warum dieser Ansturm?

Matthias Drobinski
Der Mini-Luther aus Plastik hat (noch?) keine Frau, aber bereits für einen Skandal gesorgt. Foto: Daniel Karmann (DPA, Keystone)
Der Mini-Luther aus Plastik hat (noch?) keine Frau, aber bereits für einen Skandal gesorgt. Foto: Daniel Karmann (DPA, Keystone)

Siebeneinhalb Zentimeter misst er. Hebt er die Bibel und die Schreibfeder, steht er ein bisschen unsicher, aber waren nicht auch dem grossen Vorbild die Knie weich auf dem Weg zum Reichstag in Worms, zum Kaiser Karl? Er hat grosse, braune ­Augen und lächelt. Das nimmt dem kleinen Martin Luther die Strenge, die der grosse hatte; die Identifikation bleibt spielerisch und uneindeutig. Wer ihn ins ­Regal stellt, muss nicht «Ein feste Burg ist unser Gott» auswendig singen können, aber er zeigt: ­Luther ist irgendwie cool.

Das ist wohl auch der Grund für den Erfolg. Dazu kommt, dass der Plastik-Luther eines dieser praktischen Kleingeschenke ist, die den Beschenkten zu nichts verpflichten und bei ihm daheim keinen Platz fressen. Kein evangelisches Kirchentreffen, keine Luther-Veranstaltung ohne Playmobil-Figur-Geschenk. In der vergangenen Woche wurde Martin Luther 750'000-mal verkauft, noch nie hat eine Playmobil-Figur diese Zahl geschafft. «Das ging einfach durch die Decke», sagt Yvonne Coulin, die Geschäftsführerin der Nürnberger Tourismus-Zentrale.

Innert 3 Tagen ausverkauft

Collin hatte 2015 die Idee – die Luther-Figur sollte ein gemeinsames Maskottchen jener Luther-Städte werden, in denen der Reformator war und wirkte. 2012 hatte sie gemeinsam mit dem Spielzeughersteller eine Albrecht-Dürer-Figur entwickelt, die schon recht gut lief. 34'000 Luther-Figuren hatten dann die Tourismusmanager und die evangelische Kirche in Bayern beim Verkaufsstart auf Lager. Binnen 72 Stunden waren sie weg, der Plastikreformator wurde zum Objekt des Schwarzmarktes.

Bildstrecke – Riesenerfolg mit Plastikmännchen:

Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden die Plastikmännchen 1974 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg: Eine Auswahl verschiedener Playmobil-Figuren. (9. April 2014)
Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden die Plastikmännchen 1974 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg: Eine Auswahl verschiedener Playmobil-Figuren. (9. April 2014)
Ralph Orlowski, Reuters
Der Inhaber der Playmobil-Firma Geobra Brandstätter hat das beliebte Spielzeug zwar nicht erfunden, aber dessen Entwicklung firmenintern angestossen: Brandstätter bei einer Produktpräsentation. (22. Juni 1998)
Der Inhaber der Playmobil-Firma Geobra Brandstätter hat das beliebte Spielzeug zwar nicht erfunden, aber dessen Entwicklung firmenintern angestossen: Brandstätter bei einer Produktpräsentation. (22. Juni 1998)
AP Photo/Frank Boxler
Eine grosse Playmobil-Produktionsstätte befindet sich in Malta: Ein Angesteller arbeitet im Verpackungsbereich der Fabrik in Hal Far. (11. April 2014)
Eine grosse Playmobil-Produktionsstätte befindet sich in Malta: Ein Angesteller arbeitet im Verpackungsbereich der Fabrik in Hal Far. (11. April 2014)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
Genormte Frisur: Ein Mitarbeiter schüttet Haarteile in einen Montageautomaten. (11. April 2014)
Genormte Frisur: Ein Mitarbeiter schüttet Haarteile in einen Montageautomaten. (11. April 2014)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
Warten auf den restlichen Körper: Playmobil-Köpfe in einem Sammelbehälter. (11. April 2014)
Warten auf den restlichen Körper: Playmobil-Köpfe in einem Sammelbehälter. (11. April 2014)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
Extremitäten vom Fliessband: Die Arme der Figuren werden auf einer Schiene befördert. (11. April 2014)
Extremitäten vom Fliessband: Die Arme der Figuren werden auf einer Schiene befördert. (11. April 2014)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
Hier kommt alles zusammen: Ein Playmobil-Männchen in der Montage. (11. April 2014)
Hier kommt alles zusammen: Ein Playmobil-Männchen in der Montage. (11. April 2014)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
Ein Set entseht: Eine Angestellte arbeitet am Fliessband im Verpackungsbereich. (11. April 2014)
Ein Set entseht: Eine Angestellte arbeitet am Fliessband im Verpackungsbereich. (11. April 2014)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
Kleine Wächter: Playmobil-Figuren stehen auf der Klimaanlagen-Steuerung der Fabrik in Hal Far. (12. August 2013)
Kleine Wächter: Playmobil-Figuren stehen auf der Klimaanlagen-Steuerung der Fabrik in Hal Far. (12. August 2013)
Darrin Zammit Lupi, Reuters
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Mittlerweile ist Nachschub eingetroffen. Und der kleine Luther hat auch schon seinen ersten Skandal überstanden. Auf der Bibel, die er in der Hand hält, stand links «Bücher des Alten Testaments ENDE» – und rechts: «Das Neue Testament übersetzt von Doktor Martin Luther». Verkündete der kleine Luther das Ende der hebräischen Bibel, des Alten Testaments? Micha Brumlik, der jüdische Erziehungswissenschaftler, sah das so und damit den Play­mobil-Luther in der unseligen antijüdischen Tradition des grossen Luther. Nun fehlt bei den aktuell produzierten Figuren das Wort «Ende» auf der linken Bibelseite.

Eines bleibt dem kleinen Reformator versagt: Er hat keine Frau – anders als der echte Martin Luther, der seine Katharina von Bora respektvoll «Herr Käthe» nannte. «Die Frage kommt oft», sagt Coulin, «aber uns würde das zu viel.» Als die bayrische evangelische Landeskirche fragte, zu welchen Bedingungen man eine Lutherin produzieren könne, hiess es, eine Abnahme von 25'000 Exemplaren müsse schon sein – weshalb man vorerst verzichtete. Aufgrund des Erfolgs des Männchens sollten aber eigentlich 25'000 kleine Luther-Frauen schnell zu verkaufen sein.

Video – vor drei Jahren feierte Playmobil seinen 40. Geburtstag:

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