«Menschen über 50 gehören nicht zum alten Eisen»

Angestellte sollen ein Leben lang dazulernen. Doch das ist nicht so einfach. Pflichtübungen bringen nichts.

Professionelle Beratung kann neue Perspektiven öffnen: Blick ins Laufbahnzentrum der Stadt Zürich. Foto: Dominique Meienberg

Professionelle Beratung kann neue Perspektiven öffnen: Blick ins Laufbahnzentrum der Stadt Zürich. Foto: Dominique Meienberg

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Carmen Walker Späh (FDP) ist Direktorin der Volkswirtschaft im Zürcher Regierungsrat.

Was tun der Kanton und konkret Ihre Volkswirtschaftsdirektion für 50-Jährige, die ihre Stelle verlieren?
Speziell erwähnen möchte ich das Mentoringprojekt, das sich an ältere Fachkräfte richtet. Die Mentoren sind in ­Kaderfunktionen bei Arbeitgebenden ­tätig. Sie unterstützen die Stellen­suchenden bei der Positionierung im Arbeitsmarkt und stellen unter Umständen ihr eigenes Netzwerk zur Ver­fügung. Das Mentoring ist bei den Stellensuchenden sehr beliebt und erfolgreich. Aktuell engagieren sich rund 230 Mentorinnen und Mentoren. In den 16 RAV des Kantons Zürich arbeiten zudem rund 60 Kundenberatende mit direkten ­Kontakten zu Arbeitgebenden. Sie nutzen ihr Netzwerk, um älteren arbeits­losen Personen Vorstellungsgespräche zu ermöglichen.

Im Aargau hat es der zuständige Regierungsrat zur Chefsache ­erklärt, die Beschäftigung von über 50-Jährigen zu erhöhen, etwa mit Imagekampagnen. Wieso ist das im Kanton Zürich kein Thema?
Das ist in Zürich bereits seit längerer Zeit Chefsache. Der Regierungsrat hat sich als Legislaturziel gesetzt, das ­inländische Fachkräftepotenzial namentlich der Erwerbsbevölkerung über 50 besser auszuschöpfen und ­damit die Situation der Arbeitslosen über 50 zu verbessern. Der Erfolg der ­öffentlichen Arbeitsvermittlung der Kantone wird vom Bund jährlich beurteilt. Die Zürcher RAV erzielen überdurchschnittliche Wirkungen.

Sind Sie mit Grossunternehmen wie UBS oder Sulzer in Kontakt?
Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren, aber auch ich selbst sind in engem Austausch mit verschiedenen Unternehmen. Wir weisen Arbeitgebende immer wieder darauf hin, dass die Beibehaltung eines offenen, liberalen Arbeitsmarkts sowie die mittelfristig absehbare Erhöhung des Rentenalters in der Bevölkerung nur dann mehrheitsfähig sind, wenn erwerbstätige Personen bis zur ­ordentlichen Pensionierung als Arbeitskräfte gefragt bleiben.

An einer Online-Umfrage des TA haben über 1200 Personen teilgenommen. Fast 80 Prozent davon befürchten, nach 50 im Beruf aufs Abstellgleis zu kommen. Was sagen Sie diesen Menschen?
Dafür habe ich grosses Verständnis. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Menschen angesichts des Strukturwandels und der Automatisierung Sorgen um ihre Zukunft machen. Einiges spricht aber dafür, dass die Arbeitskräfte von über 50 Jahren in Zukunft weiter gefragt sind. Fehlender Berufsnachwuchs und die Beschränkung der Zuwanderung dürften die Nachfrage nach älteren Arbeitskräften tendenziell erhöhen. An die Arbeitgebenden appelliere ich, dem Thema besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Menschen von über 50 Jahren gehören nicht zum alten Eisen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Erstellt: 26.10.2016, 20:34 Uhr

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Carmen Walker Späh (FDP)


Direktorin der Volkswirtschaft im Zürcher Regierungsrat

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