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Die Saudi Samar Badawi kämpft für politische Gefangene. Und wird selber eine.

Käpft gegen die Unterdrückung von Frauen: Aktionistin Samar Badawi. Foto: PD

Käpft gegen die Unterdrückung von Frauen: Aktionistin Samar Badawi. Foto: PD

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Erst der Bruder, dann ihr Mann, nun sie selbst samt zweijähriger Tochter – bald sitzt die ganze Familie Badawi in saudischen Gefängnissen.

Laut Amnesty International verhafteten Polizisten Samar Badawi am Dienstag, befragten die Aktivistin vier Stunden lang, um sie dann einzusperren. Samar Badawi soll bei einer Twitter-Kampagne mitgearbeitet haben, welche die Freilassung ihres Mannes verlangt, des Menschenrechtsanwalts Waleed Abu al-Khair. Deshalb habe man sie festgenommen, vermuten Freunde. Ein Regierungsvertreter bestätigte lediglich eine polizeiliche Befragung.

Flucht ins Frauenhaus

Badawi legt sich schon länger mit dem patriarchalen Gottesstaat an. Einer seiner Vertreter war ihr Vater, der sie 15 Jahre lang verprügelt und beschimpft haben soll. 2008 floh die damals 27-Jährige in ein Frauenhaus, worauf ihr Vater sie wegen Aufmüpfigkeit verklagte. Er verlor.

Während des Prozesses verliebte sich Badawi in ihren Anwalt, die beiden wollten heiraten. Doch der Vater, als gesetzlicher Vormund, weigerte sich, der Trauung zuzustimmen. Die Tochter wehrte sich mit einer Klage, der Vater zeigte sie ein zweites Mal wegen Ungehorsams an. Am 4. April 2010 wurde Badawi deswegen eingesperrt, gut ein halbes Jahr später kam sie auf Druck von Menschenrechtsgruppen frei. Sie durfte heiraten, ein Bruder des Vaters wurde ihr neuer Vormund – jede saudische Frau muss unter der Kontrolle eines Mannes stehen.

Nach der Entlassung begann Badawi, Rechte als Frau einzufordern. 2011 klagte sie gegen ein Amt, das sie daran hinderte, sich für die Teilnahme an Lokalwahlen einzuschreiben. Das Gericht lehnte ihr Anliegen als «verfrüht» ab. Im gleichen Jahr ging sie juristisch gegen die Behörde vor, die ihre Anmeldung zur Führerscheinprüfung ablehnte. Vergeblich. Trotzdem fuhr sie im Auto durch ihren Wohnort Jidda, eine Millionenstadt im Westen des Landes.

Frauenrechtspreis von den USA

Die USA zeichneten Badawi 2012 mit einem Frauenrechtspreis aus, den ihr Michelle Obama und die damalige Aussenministerin Hillary Clinton überreichten. Danach trat die Geehrte an mehreren internationalen Menschenrechtskonferenzen auf, wo sie die Freilassung politischer Gefangener forderte. Dazu gehören ihr Bruder, der bekannte Blogger Raif Badawi, sowie ihr Mann. Beide hatten Regierung und Klerus öffentlich kritisiert, beide zahlen dafür mit langjährigen Haftstrafen; bei Raif Badawi kommen Peitschenhiebe als Vergeltung dazu.

Dem Staat missfiel auch Samars Einsatz, er forderte sie auf, sofort aufzuhören, und belegte sie im Dezember 2014 mit einer Ausreisesperre. Sie liess sich nicht beeindrucken, machte weiter. Sie wisse, dass sie sich selber und ihre Tochter so dem Risiko einer Verhaftung aussetze, sagte sie letzten Februar in einem Interview. «Doch es ist meine Pflicht, inhaftierte Aktivisten in diesen dunklen Zeiten zu verteidigen.»

Erstellt: 13.01.2016, 21:06 Uhr

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