Salman Rushdies Ex-Frau rächt sich

Sie ist gross und schön, er ist klein, rund, viel älter und sehr berühmt. Zur Freude der Klatschpresse gibt das Glamourpaar Rushdie-Lakshmi seine Erfahrungen zum Besten.

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Die Affäre zwischen Salman Rushdie und Padma Lakshmi war das wohl grösste Missverständnis der Literaturgeschichte seit Arthur Miller und Marilyn Monroe. Zur Freude von Klatschpresse und Feuilleton hat das Glamourpaar seine Erfahrungen literarisch verarbeitet.

Rushdie liess 2012 in seiner Autobiografie kein gutes Haar an seiner vierten Ehefrau: Sie sei eine mit «majestätischem Narzissmus» begabte Karrieristin, die ihn schamlos benutzt habe. Jetzt legt Padma Lakshmi mit ihren Memoiren «Love, Loss, and What We Ate» nach. Natürlich hatte sie anfangs Herzklopfen, als ein derart bedeutender Mann sich zu ihr herab beugte, und natürlich fühlte sie sich klein und unsicher, wenn er kluge Gäste wie Susan Sontag oder Don DeLillo zum Essen einlud. Padma Lakshmi vergleicht die acht Jahre zwischen 1999 und der Scheidung 2007 mit einem wunderbaren Essen, das mit einer Magenverstimmung endet. Die Metapher entstammt ihrem Berufsfeld. 1970 in Indien geboren, versuchte Lakshmi sich als Model, TV-Moderatorin und Filmschauspielerin, ehe sie als charmante Gastgeberin der Kochsendung «Top Chef» ihre Bestimmung fand. Die Fernsehköchin ist kein Dummchen; sie spricht fünf Sprachen und twittert fast so viel wie Kim Kardashian, viel über Frauenrechte. Umgekehrt ist Rushdie auch nicht rund um die Uhr der furcht- und selbstlose Märtyrer der Meinungsfreiheit. Man sagt ihm eine Vorliebe für junge Frauen und Paschaallüren nach.

Die beiden schenken sich also nichts. Er klagte in seiner Autobiografie, sie habe ihn einmal wegen eines Dessous-Shootings warten lassen. Sie erinnert genüsslich daran, dass sie den sensiblen Dichter jedes Mal trösten musste, wenn der Nobelpreis wieder einmal an ihm vorbeiging. Sie empört sich noch heute darüber, dass der Unersättliche selbst nach gynäkologischen Operationen Sex von ihr wollte, und die Ehe einmal als «Fehlinvestition» bezeichnete.

In literarischer Hinsicht ist das nicht mal ganz falsch. «Die bezaubernde Florentinerin» (2009), eine schwüle Haremsfantasie mit scharfen Lakshmi-Gewürzen und «in goldener Schale geschmortem Tigerpenis», markiert einen Tiefpunkt in Rushdies Werk. Für sie war die Ehe eine gute Investition, aber nicht das Ende. Nach Rushdie kam ein noch älterer, deutlich reicherer Sugardaddy, der schon mal ein Date mit Lady Diana hatte. Gleichzeitig war sie mit Adam Dell, dem Bruder des Computer-Moguls, liiert, wenig später sogar mit Richard Gere. Als Lakshmi einmal auf dem «Newsweek»-Titel als Gesicht des neuen Indien erschien, tobte Rushdie, er sei «Newsweek» nur ein Cover wert, wenn Fanatiker ihm eine Kugel in den Kopf jagen wollten. Inzwischen ist sie vielleicht wirklich berühmter und typischer für die Tigernation Indien als er.

Erstellt: 05.04.2016, 06:30 Uhr

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