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Stimme der Hoffnung für die Aborigines

Er ist jung, er ist talentiert, und er ist Ureinwohner: Isaiah Firebrace singt morgen am Eurovision Song Contest auch um die Zukunft seiner Familie.

Hat seinen Traum wahr gemacht: Isaiah Firebrace. Foto: Getty Images
Hat seinen Traum wahr gemacht: Isaiah Firebrace. Foto: Getty Images

Der kleine Getränkeladen in Echuca hat einen neuen Best­seller. «Isaiah’s Dream» heisst das mit Zucker geladene Mischgetränk mit «exotischem Fruchtgeschmack». Man ist in der australischen Kleinstadt stolz auf den 17-jährigen Isaiah Firebrace. Der schlaksige Jugendliche mit den schulterlangen Haaren hat geschafft, wovon Tausende träumen: Im letzten Jahr hat er die australische Version von «The X Factor» gewonnen, und morgen tritt er mit dem Lied «Don’t Come Easy» für Australien im ersten Halbfinal des Eurovision Song Contest in der Ukraine an.

Isaiah Firebrace hat sich eher verschlossen gezeigt, was seine Kindheit angeht. Verschiedene Äusserungen über seine Jugend im Bundesstaat New South Wales aber lassen darauf schliessen, dass seine Familie Ausgrenzung, Benachteiligung, Rassismus und Armut erfahren hat. Alltag für viele australische Ureinwohner.

Sieg im zweiten Anlauf

Sein Wille, es im harten Show­geschäft zu schaffen, ist denn auch nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er es ganz einfach schaffen muss. «Ich spüre schon manchmal den Druck, weil ich der Einzige in der Familie bin mit einem Einkommen», gab er einer Zeitung zu Protokoll. Bei Wettbewerben zu singen, das bringe ihm Geld. «Damit bezahlen wir die Rechnungen.»

Firebrace ist ein Hoffnungsträger. Nicht nur für seine Familie, sondern auch für Tausende von jugendlichen Ureinwohnern der am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppe Australiens. Isaiah ist ein Vorbild, weil er es trotz vieler Widerstände an die Spitze geschafft hat. Aboriginal zu sein, ist nicht nur bei der Arbeitssuche ein Minuspunkt. Die ethnische Herkunft kann durchaus auch in der etwas liberaleren Unterhaltungsindustrie Australiens gegen einen Künstler sprechen.

Einfach war der Weg nicht. Als er zum ersten Mal bei «The X Factor» sang, vergass er den Text zu Tracy Chapmans «Fast Car» und schied aus. Im folgenden Jahr kehrte er zurück und eroberte mit seiner warmen, starken Stimme und einer gewissen Unschuld Publikum und Jury.

Australier fiebern mit

In Kiew steht Isaiah vor dem grössten Test: Vor weltweit 200 Millionen Fernsehzuschauern wird er die sanfte Ballade «Don’t Come Easy» singen. Zwar gehe es im Lied um Liebe. Er aber lese aus dem Text etwas über das Durchhalten, über «Widerstandskraft», erzählt Isaiah.

Australien nimmt seit 2015 an dieser europäischen Veranstaltung teil – damals als «einmalige Ausnahme». Doch der ESC hat Down Under schon lange viele Fans, und Australier fiebern immer mit, wenn einer der ihren irgendwo um den Sieg kämpft – sei es im Sport oder im Showbiz. Vielleicht spielt aber auch das ­latente Minderwertigkeitsgefühl mit, unter dem Australien als ­Nation gelegentlich zu leiden scheint – nur wer es in Europa schafft, hat es wirklich geschafft.

Ob Isaiah Firebrace in Kiew der globale Durchbruch gelingen wird? «Ich werde Australien stolz machen», sagt er.

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