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Verwaltungen diskriminieren Frauen stärker als Privatfirmen

Frauen werden bei der Entlöhnung nach wie vor benachteiligt – von der öffentlichen Hand noch stärker als von Privatfirmen.

Frauen, die in öffentlichen Verwaltungen arbeiten, werden bei der Entlöhnung stärker benachteiligt als in der Privatwirtschaft.
Frauen, die in öffentlichen Verwaltungen arbeiten, werden bei der Entlöhnung stärker benachteiligt als in der Privatwirtschaft.

Die neuste Lohnerhebung des Bundesamts für Statistik stellt den öffentlichen Verwaltungen ein schlechtes Zeugnis aus: Wie aus dessen Zahlen hervorgeht, diskriminieren sie die Frauen bei den Löhnen stärker als private Unternehmen. Bei diesen lässt sich ein Anteil von 39,1 Prozent der Lohndifferenz nicht erklären, weder durch die Ausbildung noch durch die Erfahrung, und gilt deshalb als diskriminierend. In den Verwaltungen ist dieser Wert mit 41,7 Prozent aber noch höher.

Dabei sollte die öffentliche Hand bei der Gleichstellung eine Vorbildfunktion ausüben. Dieser Meinung ist auch SP-Bundesrat Alain Berset. In einem Testimonial auf der Internetseite des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann sagt er: «Die öffentliche Hand hat in der Förderung der Lohngleichheit von Frau und Mann eine Vorbildfunktion. Bund, Kantone und Gemeinden müssen deshalb ihr Engagement intensivieren und so ein deutliches Signal an alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aussenden.» Seiner Meinung schliesst sich eine ganze Reihe von Regierungsräten an, darunter Jean-Michel Cina (VS), der sagt: «Lohnungleichheit ist inakzeptabel.»

Das Frauenbild im Kopf

Trotzdem weisen die Zahlen des Bundesamts für Statistik darauf hin, dass sich in den Verwaltungen in den letzten Jahren nichts bewegt hat: Während in der Privatwirtschaft die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerlöhnen von 23,6 Prozent (2010) auf 19,5 Prozent (2014) gesunken sind, nahmen sie in den Verwaltungen gar minim zu, von 16,5 (2012) auf 16,6 Prozent (2014). So verkleinerte sich ihr Vorsprung deutlich. «Das ist enttäuschend», sagt Sylvie Durrer, Direktorin des eidgenössischen Gleichstellungsbüros. Es zeige sich, wie wichtig es war, dass Alain Berset 2016 eine Charta lanciert habe, die bereits 31 Städte, Kantone sowie der Bund unterzeichnet hätten. Sie verpflichten sich damit, Frauen und Männer gerecht zu entlöhnen. «Ein Stillstand bei der Angleichung der Löhne akzeptieren wir nicht», sagt Durrer.

Zu selbstbewusst verhandeln hilft nicht

Nur: Weshalb machen ausgerechnet öffentliche Verwaltungen keine Fortschritte? Gerade sie arbeiten in der Regel mit Lohnklassen, was Transparenz schafft und grosse Ungleichheiten verhindern soll, wie Sylvie Durrer sagt. Innerhalb einer Lohnklasse jedoch besteht ein grosser Spielraum: «Noch immer haben wir bestimmte Frauenbilder in den Köpfen, die auch in die Lohngestaltung hineinspielen.»

Laut Sylvie Durrer hilft es auch nicht unbedingt, wenn eine Frau gut verhandelt. Es hat sich gezeigt, dass Personalverantwortliche rasch den Eindruck bekommen, dass eine Frau unflexibel und in einem Team schwierig sein kann. «Es ist ein schmaler Grat: Wenn eine Frau oft lächelt, wird sie nicht ernst genommen. Wenn sie zu stark ist, spricht man ihr ihre Sozialkompetenz ab.»

Es braucht Lohnanalysen

Seit über 20 Jahren ist nun das Gleichstellungsgesetz in Kraft, und noch immer sind die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau gross. Nach Ansicht Durrers geht die Angleichung viel zu langsam vorwärts. Hoffnung setzt sie in die anstehende Revision des Gleichstellungsgesetzes. Dieses will Unternehmen dazu verpflichten, Lohnanalysen durchzuführen. Zwei Umfragen zeigen ermutigende Resultate: Bei der Hälfte aller Firmen, die ihre Löhne analysierten, zeigte sich, dass sie Frauen benachteiligten. Sie alle haben dies korrigiert. «Die Arbeitgeber diskriminieren Frauen nicht bewusst», sagt Sylvie Durrer. Viele dächten, sie bezahlten faire Löhne, und seien erschrocken, als sie die Resultate sahen. «Also müssen wir möglichste viele Unternehmen dazu bringen, eine Lohnanalyse durchzuführen», folgert sie.

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