«Wenige Städte haben kulinarisch so viel zu bieten wie Zürich»

Zürich Tourismus plant im September ein grosses Foodfestival. 100 000 Menschen sollen es besuchen.

Food Zürich will vielfältige Köstlichkeiten mit einem einheitlichen Auftritt anpreisen.

Food Zürich will vielfältige Köstlichkeiten mit einem einheitlichen Auftritt anpreisen. Bild: Steffen Schmidt /Keystone

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Mit welchen drei kulinarischen Highlights machen Sie einem Touristen die Stadt schmackhaft?
Da könnte ich mehr als drei Orte nennen . . . Meine Favoriten: An einem lauen Sommerabend im Fischers Fritz mit Blick auf den See Fischknusperli essen. Etwas gehobener: ein Abendessen im Café Boy, das ist dann eher im Herbst oder im Winter passend. Und vielleicht ein Besuch im The Restaurant im Dolder Grand. Heiko Nieder ist ein hervor­ragender Koch und das Grandhotel per se einen Besuch wert.

Sie planen gerade für Food Zurich, das im September zum ersten Mal statt­findet. Gibt es nicht schon genug kulinarische Festivals in der Stadt?
Wir lancieren ja keinen zusätzlichen Event. Unser Anlass ist aus dem Festival Il Tavolo entstanden, das jedes Jahr von Zürichs Fünfsternhotels durchgeführt wurde. An dessen Stelle tritt ein grösseres Festival mit einheitlichem Marketingauftritt. Diverse kleinere Veranstaltungen finden nun gleichzeitig statt, etwa das gehobene The Epicure im Dolder Grand oder das einfachere Street Food Festival.

Was ist mit den Anlässen, die zu anderen Zeitpunkten im Jahr über die Bühne gehen?
Auch sie sollen eingebunden werden. Ich denke da an die Slowfood-Messe oder an die Chef Alps. Sie werden bei Food Zurich eine Plattform erhalten. Rund 70 Veranstaltungen sollen insgesamt zusammenkommen.

Also schafft Zürich Tourismus gar nichts Neues?
Unser Hauptinteresse liegt darin, das Bestehende zu bündeln. Damit wird eine Eventgrösse erreicht, für die es sich lohnt, zu werben. Für die Marketingmassnahmen nehmen wir ja auch etwas Geld in die Hand, mit dem zum Beispiel im ersten Jahr ein kleiner Festival-Hub auf einem Boot am Bürkliplatz bezahlt wird. Im Folgejahr soll alles ein wenig grösser werden.

Werben Sie auch im Ausland?
Zuerst wollen wir die Bevölkerung in Zürich einbinden, danach versuchen wir Besucher aus der ganzen Schweiz anzusprechen. Was aber nicht heisst, dass wir im Ausland, etwa an Medienanlässen, nicht jetzt schon über Food Zurich sprechen.

Sie planen schon fürs nächste Jahr?
Es macht keinen Sinn, einen solchen Anlass nur einmalig durchzuführen. Nach einem Jahr hat man im Festivalbereich noch keine Ahnung, ob eine Sache funktioniert.

Haben Sie konkrete Zielsetzungen?
Ja, bis ins Jahr 2020 sollen jährlich etwa 100 000 Menschen den Anlass Food Zurich besuchen. Hinzu kommt, dass es unzählige kleine Foodfestivals in Europa gibt – aber kein einziges richtig grosses. Diese Nische interessiert uns.

Resultieren daraus Logiernächte?
Das kann man nicht immer konkret messen. Wenn wir Zürich als Fooddestination attraktiv machen können, dann macht jemand vielleicht auch mal einen Kongress hier. Wir wollen ja nicht nur als Foodstadt wahrgenommen werden, aber auch.

Kopenhagen besucht man inzwischen tatsächlich wegen der Restaurants – ein Vorbild?
Kopenhagen war vor elf, zwölf Jahren eine kulinarische Wüste. Darum begann die Stadtregierung, mit viel Geld die Gas­troszene zu fördern, so entstand das inzwischen weltbekannte Noma. Aus der gleichen Idee ist ein Foodfestival entstanden – das alles bewegte eine ganze Szene, was zu Beginn wohl niemand gedacht hätte.

Und Zürich startet jetzt von einem höheren Niveau aus?
Ja, wenn man schaut, was heute schon da ist . . . Wenn wir eines Tages auch ­sagen können, wir seien eine Gourmetdestination, dann wäre das schon erstrebenswert. Es ist ja kein Fussballspiel, bei dem es nur einen Gewinner gibt – wir ­haben uns im Vorfeld intensiv mit den Kopenhagenern ausgetauscht.

Machen denn alle Wunschpartner bei Food Zurich mit?
Bis jetzt rennen wir überall offene Türen ein. Mitte April sollte das Programm fast vollständig sein, dann schalten wir unsere Website auf, und der Vorverkauf startet. Den Gastronomen kommt ja ­entgegen, dass sie ihre Events auch im eigenen Restaurant durchführen können. Ein Umzug an einen zentralen Ort würde bedeuten, dass sie eine Weile schliessen müssten – das macht keiner gern. Zudem wird es die Aktion Stadtgericht geben: Alle Köche, die mitmachen, kochen etwas mit Kabis.

Und eine Teilnahme ist für die Restaurants kostenlos?
Jeder, der mitmachen will, kann sich ­bewerben und kommt dann in unsere Broschüre. Natürlich kuratieren wir die Anmeldungen.

Wie wichtig war der Aspekt Food bei Zürich Tourismus bisher?
Wir haben das immer mitbeworben. Ich komme viel in der Welt rum und kenne wenig Städte, die auf so hohem Niveau so viel zu bieten haben.

Fehlen nicht die wirklich aussergewöhnlichen Lokale?
Ich glaube, wir gehören in Europa kulinarisch zu den oberen zehn Prozent. Was vielleicht fehlt, ist «Crazy Fine Dining». Es bräuchte mehr Betriebe wie etwa das Maison Manesse oder das Alice Choo, wo man in ausgeflipptem Ambiente sehr gut isst. Diesbezüglich sind Wien und London noch spannender.

Erstellt: 16.02.2016, 09:05 Uhr

Martin Sturzenegger

Direktor von Zürich Tourismus

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