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Wer, bitte, will so etwas sehen?

Männer bringen sich mit Bildern ihres besten Stücks um Kopf und Kragen. Ein Fall von Wahrnehmungsstörung.

Nein, mehr zeigen wir hier nicht. Gewisse Männer sehen das anders. Foto: Kalle Singer (Plainpicture)
Nein, mehr zeigen wir hier nicht. Gewisse Männer sehen das anders. Foto: Kalle Singer (Plainpicture)

Das Wort ist nicht besonders attraktiv, sein Gegenstand noch weniger: Dickpic nennt man Abbildungen des männlichen Geschlechtsorgans, die eigentlich niemand sehen möchte. Doch seit jeder nur noch ein Handy braucht, um selbige herzustellen und zu verbreiten, ist das Genre beliebt wie nie zuvor, und immer wieder mal sorgt ein solches Bild für einen handfesten Skandal. Der jüngste betrifft den texanischen Kongressabgeordneten Joe Barton (68), Republikaner.

Im Zuge von #MeToo und der Welle von Anklagen wegen sexueller Belästigung in den USA ist Anfang Woche ein Bild aufgetaucht, auf dem Barton, sein Bauch und sein bestes Stück zu sehen sind. Alter schützt offensichtlich vor Torheit nicht, und das Ganze kommt besonders ungelegen, weil Barton sich eigentlich zur Wiederwahl stellen möchte. Also reagierte Barton am Mittwoch mit einem Statement, in dem er erklärte, das Bild stamme aus der Zeit nach seiner Scheidung, er habe damals einvernehmliche Beziehungen mit gleichaltrigen Frauen geführt. Er entschuldigte sich für sein mangelndes Urteilsvermögen in der betreffenden Situation, bleibe aber bei seiner Kandidatur.

Ein diamantbesetztes Schwert

Mangelndes Urteilsvermögen ist in den meisten Fällen von Dickpics am Werk, und die Frage, aus welchen Gründen Männer aller Altersstufen, politischer und sexueller Orientierung so gern und häufig solche unvorteilhaften Bilder verschicken, ist ungeklärt. Wer, ausser den Fotografen, will so etwas sehen? Leiden Männer in dieser Hinsicht unter einer Körperwahrnehmungsstörung und sehen statt eines Glieds etwas viel Heroischeres? Ein diamantbesetztes Schwert vielleicht? Das könnte auch erklären, warum es so vielen Männern schwer verständlich scheint, dass man Frauen das Ding nicht ungefragt unter die Nase – pardon, in die Augen – reiben sollte. So oder so dürfte die Angelegenheit mit mangelnder Durchblutung gewisser Körperregionen zu tun haben, wenn andere zu sehr beansprucht werden.

Auf jeden Fall scheinen die wenigsten den Bumerangeffekt zu bedenken, den Dickpics entwickeln können, wenn der Besitzer des guten Stücks auf dem Bild erkennbar ist. Geraten sie dann in die falschen Hände, können sie im ungünstigsten Moment wieder auftauchen. Hierzulande musste das Geri Müller schmerzlich erfahren. Auch Anthony Weiner, ehemaliger Kandidat für das New Yorker Bürgermeisteramt, hätte Barton darüber aufklären können, dass ein Politiker besser darauf verzichtet. Und Barton behauptet zwar, diese Bilder seien einvernehmlich verschickt worden, aber im Zweifelsfall sollten Männer immer davon ausgehen, dass Frauen solche Bilder eigentlich nie sehen wollen. Und wenn doch, sollte man das Motiv ernsthaft hinterfragen.

Dickpic unter dem Hammer

Im Raum steht nun aber noch eine andere Frage. Sollte es sich im Fall Barton nicht um sexuelle Belästigung, sondern tatsächlich um eine einvernehmliche Beziehung zwischen erwachsenen Menschen handeln, dann muss man in diesem Fall fairerweise von «Revenge porn», «Racheporno», sprechen. Denn es ist eines, sein Geschlechtsorgan ungefragt vor Angestellten, Minderjährigen, Frauen oder Pflanzen auszupacken und damit herumzuwedeln. Anders liegt der Fall, wenn Bilder ungefragt herumgereicht oder gar veröffentlicht werden. Das betrifft typischerweise Frauen und ist strafbar. Auch wenn es sich um Dickpics handelt.

Dass es keine Regel ohne Ausnahme gibt, zeigt noch ein Nachtrag aus New York. Dort nämlich soll bald ein Dickpic des Rappers Tupac Shakur versteigert werden, einem der grössten Rapstars der Neunziger. Der Musiker, so heisst es, habe in privatem Rahmen gern plötzlich die Hosen runtergelassen. An diesem speziellen Abend im Jahr 1990 habe eine Freundin zufälligerweise gerade die Kamera in der Hand gehalten für ein Gruppenbild, als Tupac die Hose runterliess. Sie warnte ihn, sie werde das fotografieren, sofern er sich nicht wieder bedecke, Shakur grinste nur und reagierte nicht. Wie sich die Zeiten doch ändern. Nun wird das Foto versteigert. Falls Sie also endlich einmal herausfinden wollen, was es mit diesen Dickpics auf sich hat: Für umgerechnet 1500 Franken sind Sie dabei!

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