Zwischen Gott und Gangsta-Rap

EVP-Vertreterin Claudia Rabelbauer will das Schul- und Sportdepartement erobern. Dazu braucht sie wohl ein Wunder.

EVP-Stadtratskandidatin Claudia Rabelbauer. Foto: Doris Fanconi

EVP-Stadtratskandidatin Claudia Rabelbauer. Foto: Doris Fanconi

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Stimmt, in dieser Welt gibts längst nichts mehr, was es nicht gibt. Und dennoch: Eine gottesfürchtige Zürcher EVPlerin, die offenbar auf einen hartgesottenen amerikanischen Gangster-Rapper steht, das ist schon sehr aussergewöhnlich.

Darauf angesprochen, muss Claudia Rabelbauer herzhaft lachen, stellt aber klar, dass sie groovige Musik durchaus möge, die im Steckbrief erwähnte Katze Fifty Cent aber bereits auf diesen Namen hörte, als sie sich ihrer annahm: «Mein Mann und ich haben in den letzten Jahren drei Katzen adoptiert, alles Tiere, welche die Vorbesitzer nicht mehr haben konnten oder wollten.»

Privat, beruflich und politisch verbandelt

Diese Liebe zu Vierbeinern spiegelt sich auch in der gemeinsamen Filmfirma – sie heisst nämlich Sleeping Cat Productions. Eigentlich sei das als Freizeitbeschäftigung gedacht, sagt die 46-Jährige, «doch zu unserer Freude und Überraschung haben es die bisherigen Kurzfilme alle an internationale Festivals geschafft und da sogar Preise gewonnen».

Die Rabelbauers teilen sich aber nicht nur das Hobby, sie sind auch beruflich und politisch eng verbunden: Bei ihren drei Kindertagesstätten in Affoltern am Albis, Altstetten und Geroldswil hat sie als frühere Primarlehrerin und Schul­leiterin die pädagogische und er als diplomierter ETH-Physiker die administrative Leitung inne. Und was sie jetzt bei den kommenden Wahlen versucht – den Einzug in die städtische Exekutive –, versuchte Richard, damals noch Gemeinderat, im Jahr 2010, blieb dabei aber chancenlos. Zudem amteten sie beide auch schon als Präsidentin beziehungsweise Präsident der Stadtzürcher EVP, heute gehört er noch der Parteileitung an.

Gerade wegen der pädagogischen Erfahrung, die sie mitbringt, macht Claudia Rabelbauer keinen Hehl daraus, dass sie sehr konkret auf das Schul- und Sportdepartement des abtretenden Geri Lauber aspiriert.

Die Altlast aus dem Jahr 2010

Darum gebeten, einen kurzen Werbespot in eigener Sache zu formulieren, sagt Rabelbauer: «Ich kann es gut mit Alt und Jung, in den Kitas führe ich 40 Mitarbeitende und trage die Verantwortung für 150 Kinder.» Sie sei eine offene Kommunikatorin mit pragmatischer Ausrichtung, mit ihr könne man politisch über alles debattieren und reden. «Und ich bin durchaus sympathisch», fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Nichts davon wird von früheren politischen Wegbegleitern in Abrede gestellt – früheren, weil die EVP bei den Wahlen 2014 in der Nachzählung an der 5-Prozent-Hürde scheiterte, weshalb Rabelbauer auch ihren Gemeinderatssitz verlor. Dafür machen die meisten Angefragten die «Budget-Sache» zum Thema.

Als Departementsvorsteherin müsste sie harte, unpopuläre Entscheide treffen. Man ist sich aber nicht sicher, ob sie das könnte.»FDP-Stadtratskandidat Michael Baumer

Gemeint ist die Budgetdebatte von Dezember 2010, bei der die EVP mit den Bürgerlichen alliierte und eine Rückweisung beschloss. Finanzvorsteher Martin Vollenwyder forderte darauf einen Blankosparcheck ein – was Rabelbauer mit ihrem sozialen Gewissen nicht vereinbaren konnte, weswegen sie bei den weiterführenden Beratungen im Frühjahr immer mehr haderte und sich schliesslich von Fall zu Fall der Stimme enthielt. FDP-Stadtratskandidat Michael Baumer formuliert das, was auch andere Stimmen monieren, so: «Als Departementsvorsteherin müsste sie harte, unpopuläre Entscheide treffen. Man ist sich aber nicht sicher, ob sie das könnte.»

Eine andere «Problemzone» Rabelbauers ist in den Augen linker wie rechter Parlamentarier ihre Mitgliedschaft in einer Freikirche – auch wenn die meisten eingestehen, die Skepsis basiere vornehmlich auf Hörensagen und Vorurteilen, man wisse über diese Einrichtungen schlicht zu wenig Bescheid.

Verknüpft man diese Einschätzungen mit den Wahlprognosen, scheint klar: Claudia Rabelbauer wird am 4. März nicht Stadträtin. Ebenso kann sich ihre Evangelische Volkspartei, die kürzlich im Verbund mit anderen Klein- und Mitteparteien mittels Initiative vergeblich versuchte, die als unfair empfundene 5-Prozent-Hürde abzuschaffen, wohl nur geringe Chancen auf ein Comeback im Gemeinderat ausrechnen. Aber eben: In dieser Welt gibts längst nichts mehr, was es nicht gibt.


«Natürlich bin ich auch eine Loki»

Ihr Mann hat vor 10 Jahren für den Stadtrat kandidiert – ohne Chance. Was machen Sie jetzt besser als er?
Er gab mir den Rat, gelassener an die Sache ranzugehen, als er das damals tat. Das versuche ich zu beherzigen. Zudem habe ich einen Wahlkampf gemacht, der sehr nahe an der EVP war und ist. Das war bei Richard anders.

Fakt ist: Ihre Wahl in den Stadtrat ist unwahrscheinlich, also spielen Sie wohl in erster Linie Lokomotive für die Gemeinderatswahlen.
Natürlich bin ich auch eine Loki, das ist klar: Eine Partei «ohne Gesicht», wenn man so will, hat es immer schwerer, das haben wir vor vier Jahren gesehen. Doch ich denke, dass der Verzicht von Claudia Nielsen die Karten neu gemischt hat, dass die Sympathien jetzt vielleicht sogar eher zu den kleineren Parteien tendieren. Und wieso nicht jemand aus der Mitte? Grün hat es ja schon genug. (lacht)

Ein Problem könnte sein, dass man Ihnen von links wie rechts vorwirft, nicht immer verlässlich zu sein. Und tatsächlich: In der Verkehrspolitik argumentieren Sie sehr progressiv, gehts aber ums Gewerbe, vertreten Sie bürgerliche Ansichten.
Politik ist kein Schwarz-oder-Weiss, es ist vielmehr ein Sowohl-als-auch. Die einen sehen solch unterschiedliche Positionen als Widerspruch, für mich hat das eher mit Pragmatismus und Vernunft zu tun.

Und welche Rolle spielt Gott in Ihrer Politik?
Ich bin Fan der christlichen Kultur und kämpfe für diese Werte, auch in der Alltagspolitik. Zum Beispiel dafür, dass die Sonntagsarbeit nicht ausartet, oder dass die Unterstützung für die Stiftung von Pfarrer Sieber erhalten bleibt.


Erstellt: 16.02.2018, 09:14 Uhr

Steckbrief

Claudia Rabelbauer

Geboren Am 8. November 1972 in Zürich
Ausbildung Primarlehrerin, Schulleiterin, Krippenleiterin
Berufliche Stationen Zehn Jahre Primarlehrerin in Höngg, davon fünf Jahre als Schulleiterin. Seit 2007 Leiterin und Geschäftsführerin dreier Kindertagesstätten
Politische Stationen 1996–2003 Vorstand EVP 6/10. 2003–2014 Präsidentin EVP 6/10. 2006–2014 Gemeinderätin. 2009–2016 Präsidentin EVP Stadt Zürich. Seit 2016 Schulpflegerin
Familie Lebt in Höngg und ist seit 22 Jahren
mit Richard Rabelbauer verheiratet
Haustier Perserkatze Princess Laila the Smoothy Castle, Abessinier Aramis, Hauskatze Fifty Cent
Auto Citroën C3 (Biogas), Subaru Forester
Vereinsmitgliedschaften FC Gemeinderat, Förderung der Biervielfalt, Gönnerin Theater Rigiblick
Verwaltungsratsmandate Kita Kibiz Altstetten, Kita Kibiz Geroldswil, Kita Sunneland sowie Sleeping Cat Production (Filmfirma zusammen mit Richard Rabelbauer)

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