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Theater digitalZoom!, Godot, zoom!

Das ganze Netflix schon leergeguckt? Hier ein paar Tipps vom Theater Neumarkt für die Festtage.

Absurdes Theater aus dem Homeoffice: «Warten auf: Warten auf Godot».
Absurdes Theater aus dem Homeoffice: «Warten auf: Warten auf Godot».
Foto: Cristiano Remo

Zuerst wollen wir dem Theater eine Postkarte schreiben. «Vermissen Sie es eigentlich, oder haben Sie etwas vermisst?», fragt das Theater Neumarkt und fordert uns auf: «Schreiben Sie uns eine Postkarte.» Die Adresse lautet: Neumarkt 5, 8001 Zürich, Schweiz. Und das Neumarkt sagt: «Wir würden uns freuen.»

Sie freuen sich also auf eine Nachricht auf Karton, nicht per Mail. Ist doch schön in diesen Zeiten. Digital sind wir ja schon ein bisschen überfüttert, da tut das Analoge richtig gut. Überhaupt könnte man heute mehr Postkarten schreiben. Vielleicht nicht nur an das Theater. Sondern an ein paar Menschen, die man sehr vermisst. Das nur ganz so nebenbei.

Selbst das Theater besuchen geht aber nicht, alle Vorstellungen sind bis zum 22. Januar abgesagt. Aber zumindest gibt es ein digitales Neumarkt-Festtagsprogramm. Zugegeben, es ist nicht Netflix, wo jetzt «Weihnachten zu Hause» läuft. Aber irgendwie hat man ja auch von Netflix genug.

Entfernte Darsteller und ein Baum

Hier also die Tipps in eigener Sache vom Theater Neumarkt. Die Filmminiaturen «very important: this ist about theater» von Leon Pfannenmüller und Videokünstler Thomas Taube werden allen empfohlen, «die Theater vermissen und gute Unterhaltung schätzen». Nun ja, mit der Unterhaltung ist es so eine Sache, zumindest sieht man, wie das Theater auf den ersten Lockdown reagierte. Da gab es noch viel Vorbehalte gegen das Onlinetheater, die Künstler suchten nach neuen Formen.

Ähnlich kompliziert, aber auch anregend ist die Produktion «whistleblowerin/elektra», ein dokumentarisches Theater mit Operngesang, es biete sich an für nachdenkliche Abende, schreibt das Theater Neumarkt.

Drum gleich, «fast forward», zur dritten Position im Programm, angeboten wird die Onlineversion von «Warten auf Godot» respektive «Warten auf: Warten auf Godot». Die Spieler des Theaters Hora hätten da mit Neumarkt-Schauspielern auftreten sollen, sie mussten aber zu Hause bleiben. Man entschloss sich für eine Homeoffice-Fassung. Die Kamera filmt die Bäume auf der Neumarkt-Bühne, und per Bildschirm schalten sich die Darstellerinnen und Darsteller zu. Irgendwie funktioniert dieses Theater auf Distanz ganz gut. Als ich die Sache anschaute, meldete sich der digitale Assistent Siri im Computer zu Wort, er wollte mir die Adresse des Obi-Baumarkts geben. Beckett hätte diese kleine Absurdität sicher gefallen.

Hallo Frosch

Ein ganz spezieller Tipp hier noch für Silvester. Das Schauspielhaus streamt am Donnerstag, 31. Dezember, ab 18 Uhr live aus dem Pfauen, auf dem Programm steht «Versammlung für einen Frosch», es ist eine märchenhafte «Lesung mit Musik für Jung und Alt am Lagerfeuer». Mit Froschkönig! Mit Gretel! Mit Märchenerzähler! Mit Nicolas Stemann am Keyboard! Mit Brex, der bösen Hex! Und vor allem: mit ganz viel Herz! Tickets für dieses Silvester-Special gibts auf schauspielhaus.ch.

Digitales Festtagsprogramm im Theater Neumarkt: neumarkt.ch

1 Kommentar
    PBrunner

    Bitte noch den Link korrigieren. Es geht nicht ums Shopping-Center Neumarkt, sondern ums theaterneumarkt.ch

    Gibts eigentlich kein Lektorat oder zumindest Vier-Augen-Prinzip im Tagi???