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Streit um KurzarbeitZürcher Regierung warnt vor Massenentlassungen

Die Zahl der Gesuche für Kurzarbeitsentschädigung könnte bald wieder steigen. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh verfasste deshalb einen dringlichen Appell an den Bundesrat.

Fürchtet einen zweiten Ansturm von Firmen im Herbst: Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh.
Fürchtet einen zweiten Ansturm von Firmen im Herbst: Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh.
Foto: Thomas Egli

Vor wenigen Tagen wandte sich die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh (FDP) in einem dringlichen Schreiben an Bundesrat Guy Parmelin (SVP). Darin drückt die Politikerin ihre Sorge vor einer möglichen Entlassungswelle bei Zürcher Firmen im kommenden Herbst aus, wie die NZZ berichtet.

Im Schreiben, das der Zeitung vorliegt, stehe unter anderem: «Sehr geehrter Herr Bundesrat, ich möchte verhindern, dass Unternehmen im Kanton Zürich in grossem Ausmass Entlassungen aussprechen müssen oder gar in die Insolvenz getrieben werden, weil Entscheide zu Voranmeldungen über Kurzarbeit erst nach Wochen oder Monaten gefällt werden und Kurzarbeitsentschädigungen erst nach Monaten ausbezahlt werden können.»

34’000 Gesuche von Unternehmen erhielt das Amt für Wirtschaft (AWA) allein in diesem Frühling. Das habe die Mitarbeitenden an den Anschlag gebracht. Eine erfolgreiche Bearbeitung sei nur möglich gewesen, weil der Bund bei der Fallprüfung massive Erleichterungen gewährt hatte. Der Bundesrat hatte damals die «ausserordentliche Lage» ausgesprochen; diese gilt heute nicht mehr, es herrscht Courant normal. Damit fallen auch die Erleichterungen bei der Fallbearbeitung weg.

Roboter nicht mehr im Einsatz

Im September werden voraussichtlich viele Firmen ihre Gesuche erneuern. Gefürchtet wird die zweite Welle. Jedoch nicht eine Infektionswelle, sondern ein zweiter Ansturm von Firmen. Weil die Fallprüfung nun genauer ausgeführt werden muss, könnte der Aufwand für den Kanton und die Unternehmen grösser werden als im Frühling. «Wir befürchten, dass wir die Bearbeitung der Voranmeldungen und die Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigung unter diesen Bedingungen nicht mehr innert der geforderten Fristen gewährleisten können», sagt AWA-Chefin Andrea Engeler in der NZZ.

Zwischen März und dem 28. Juli hatte das AWA zusätzliche Mitarbeitende für die Bearbeitung einsetzen können. Dazu kam die Unterstützung eines neu entwickelten Software-Roboters, der die Auszahlungen der Kurzarbeitentschädigung schnell und effizient behandelte. Dieser Roboter könne nun nicht mehr angewandt werden, weil sich die Abwicklung der Anträge nicht mehr standardisieren liesse, sagt Engeler.

Ein klare Forderung

Das AWA sei gegenwärtig dabei, das Personal aufzustocken, ein zusätzliches Gebäude sei gemietet worden: «Wir brauchen etwa 200 zusätzliche Mitarbeitende für die Behandlung der Voranmeldungen zur Kurzarbeit, die Ausrichtung der Kurzarbeitsentschädigung sowie der Arbeitslosenentschädigung.»

Doch Engeler warnt: Alle bisher ergriffenen Massnahmen würden nicht reichen, wenn der Bund keine «weitreichenden Vereinfachungen» beschliesse. «Wenn die Unternehmen nicht wissen, ob sie weiterhin auf Kurzarbeit setzen können, könnten sich Firmen genötigt sehen, Personal zu entlassen.»

mrs

53 Kommentare
    Winston Smith

    Die Kurzarbeit Entschädigungen welche der Staat bezahlt hat sind keine Geschenke, sonder Zinslose Krediten welche innert 10 Jahren zurück Bezahlt werden müssen. Bei fehlender Rückzahlungen oder Fraudulente Ansprüche, sowie betrügerische Absichten, drohen bis zur 10 Jahren Haft.