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Neue Regelung des KantonsPrivatkliniken müssen Covid-Patienten übernehmen

Zürichs Spitäler laufen am Anschlag. Privat- und Rehakliniken sollen deshalb aushelfen – und im Notfall Personal zur Verfügung stellen.

Das Notfallzentrum im Kantonsspital Winterthur. Als Covid-A-Spital behandelt das KSW schwere Covid-Verläufe.
Das Notfallzentrum im Kantonsspital Winterthur. Als Covid-A-Spital behandelt das KSW schwere Covid-Verläufe.
Foto: Tamedia AG

Obwohl die Infektionszahlen im Kanton Zürich leicht stagnieren, nehmen die Spitaleintritte weiter zu. 393 Zürcherinnen und Zürcher sind momentan aufgrund von Covid hospitalisiert, 87 davon auf der Intensivstation. Zusätzlich behandeln Zürcher Spitäler 42 Covid-Patienten aus anderen Kantonen.

Verschiedene Spitäler wie das Universitätsspital, das Stadtspital Triemli, die Spitäler Limmattal, Männedorf oder Bülach haben beinahe alle verfügbaren Intensivbetten belegt. Sie seien «zurzeit enorm gefordert», teilen die kantonalen Behörden mit. Deshalb werden ab Donnerstag die sogenannten Covid-C-Spitäler aktiviert, wie es in einer Mitteilung heisst. Dazu gehören etwa das Spital Affoltern, die Rehakliniken und diverse Privatkliniken.

In Vorbereitung auf die zweite Welle hat der Kanton seine Spitäler in drei Kategorien eingeteilt:

  • Covid-A-Spitäler verfügen über die nötige Fachkompetenz und eine ausgebaute Intensivmedizin, um schwere Verläufe behandeln zu können. In diese Kategorie fallen das Universitätsspital, das Kantonsspital Winterthur, das Stadtspital Triemli, die Klinik Hirslanden sowie das Kinderspital Zürich.

  • Covid-B-Spitäler behandeln ebenfalls schwere Verläufe mit einigen Ausnahmen. In diese Kategorie fallen weitere grosse Spitäler wie etwa das Spital Waid, Horgen, Uster, Wetzikon oder Bülach.

  • Covid-C-Spitäler behandeln Patienten, die nicht beatmet werden müssen, erst im Spital erkrankt sind oder sich selbst zugewiesen haben. In diese Kategorie fallen diverse Privatkliniken wie der Sune-Egge, die Klinik Lengg oder die Klinik Susenberg.

«Die Zürcher Covid-A und Covid-B-Spitäler stossen noch nicht an ihre Kapazitätsgrenze, aber sie stehen unter starker Belastung», sagt Patrick Borer von der Gesundheitsdirektion. Da man nicht davon ausgehen könne, dass sich die Situation kurzfristig entspanne, wolle der Kanton diese Spitäler entlasten.

Die C-Spitäler sollen fortan stärker in die Pandemiebewältigung eingebunden werden. Sie sollen Patienten mit weniger schwerwiegenden Verläufen behandeln oder Patienten von anderen Spitälern übernehmen, bei denen die Akutphase der Erkrankung beendet ist. Ebenfalls sollen Nicht-Covid-Patienten, deren Behandlung nicht aufgeschoben werden kann, an Covid-C-Spitäler verwiesen werden können. «Sie dienen somit als Überlaufgefäss zur Entlastung der A- und B-Spitäler», teilt die Gesundheitsdirektion mit.

Intensivpflegende auf Abruf

Die Spitäler organisieren sich je nach ihrem Bedarf und Ressourcen selbst untereinander, sagt Patrick Borer. Die Gesundheitsdirektion behalte die Gesamtlage im Blick und greife ein, wenn sich die Spitäler nicht einigen könnten.

Die Schulthess Klinik gehört zu den C-Spitälern, sie hat bis jetzt noch keine Corona-Patienten aufgenommen. «Innert 24 Stunden könnten wir aber eine Covid-Station aufbauen», sagt Geschäftsführerin Andrea Rytz. Schon während der ersten Welle habe die Schulthess Klinik mit der Hirslanden Klinik kooperiert. 15 MitarbeitendeIntensivpflegende und Anästhesistenwurden auf der dortigen Intensivstation geschult und seien auf Abruf.

Auch das schreibt die neue Verordnung des Kantons vor: Mitarbeitende aus Covid-C-Spitälern sollen bei Bedarf in den ausgelasteten Spitälern aushelfen. «Bereits vor Corona sind Mitarbeitende von uns in der Hirslanden Klinik eingesprungen», sagt Rytz. Beispielsweise, als es während der Sommerferien mal viele Grippekranken gab.

Das Spital Affoltern, ein anderes C-Spital, nimmt bereits seit Beginn der Pandemie Covid-Patienten auf. Etwa ein Viertel der Patientinnen und Patienten sind momentan Covid-Fälle. «Wir setzen die neue Verordnung schon seit der zweiten Welle um», sagt Mediensprecherin Nicole Keller. Ähnlich sieht es beim See-Spital Kilchberg aus.

Auch das Fachspital Sune-Egge der Stiftung des Sozialwerks Pfarrer Sieber habe schon vorher Covid-Patienten aufgenommen, sagt Mediensprecher Walter Von Arburg. Es seien hauptsächlich randständige Menschen aus den eigenen Institutionen gewesen, etwa aus dem «Pfuusbus», einer Notschlafstelle für Obdachlose. Durch die neue Reglung würden jetzt auch Patientinnen von ausserhalb des Sozialwerks dazukommen, etwa aus anderen Spitälern. «Wir haben damit gerechnet und Kapazitäten bereitgestellt», sagt Von Arburg. Andere Spitäler wie die Limmatklinik oder die Klinik Susenberg wollten auf Anfrage keine Auskunft geben zu ihrer Situation.

30 Kommentare
    Andrea Grunder

    Wenn die Situation schon so angespannt ist, wieso hat man das schulmedizinisch ausgerichtete Paracelsus Spital in Richterswil sang und klanglos in Konkus gehen lassen und hat es nicht zum C-Spital umfunktioniert ?? Als Fachspital für Sozialmedizin und Suchterkrankungen sollte der Sune-Egge seine Dienstleistungen und Kopetenzen in den Dienst von sozial benachteiligten Menschen stellen.