Zürich bekommt ein Surfermekka

In Regensdorf sind am Montagabend die Würfel gefallen: Die Gemeinde spricht sich klar für den Surfpark aus. Schon 2020 könnten die ersten Wellen anrollen.

Ein Surfpark in Regensdorf: Der Surfsee samt Pumptrack.

Ein Surfpark in Regensdorf: Der Surfsee samt Pumptrack. Bild: Visualisierung Enzo Enea ZVG

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Es war eine historische Gemeindeversammlung, die gestern Montagabend im Regensdorfer Hotel Mövenpick stattfand. Über 1100 Gemeindemitglieder kamen, um über die Teilrevision des Zonenplans und die Bau- und Zonenordnung abzustimmen, schreibt der «Zürcher Unterländer». Das gab es zuletzt vor über 30 Jahren. Der Gemeinderat musste gar einen zusätzlichen Raum mieten, damit alle Besucher die Diskussion im Kongresssaal via Bildschirm live verfolgen konnten.

Die Debatte über die Vorlage zog sich hin. Am Ende überzeugten die Pro-Argumente jedoch: 646 der 1084 anwesenden Regensdorfer Stimmberechtigten sagten Ja zur Umzonung, 392 lehnten sie ab. Die Erholungszone Wisacher kann somit erweitert werden, und dadurch sind die Voraussetzungen erfüllt, um auf dem rund acht Hektaren grossen Areal der Furttaler Gemeinde einen Surfpark zu errichten – eine der ersten wettkampftauglichen Surfsportanlagen dieser Art in Europa.

Der See, der Park: Das Projekt aus der Vogelperspektive.

Mit diesem Resultat können die Projektverfasser, der Verein Waveup, nun die nächsten Schritte einleiten und einen Gestaltungsplan ausarbeiten. Über diesen entscheidet die Gemeindeversammlung dann im Dezember.

27 Standorte in Zürich getestet

Im Zentrum des Surfparks, den der Verein im Juni 2017 erstmals präsentierte, steht ein 250 Meter langer und 80 Meter breiter Wellenpool – ein künstlich errichteter See, in dem ein Generator Surfwellen erzeugt. Ausserdem sollen auf dem Areal auch ein Pumptrack für Bikes, eine Anlage für Skateboarder, ein Barfussweg, ein botanischer Garten, ein Biotop, ein Spielplatz und sogar ein Streichelzoo entstehen.

Wie der Strand vom Surfsee aussehen soll: Skizze des verantwortlichen Architekten Enzo Enea.

Der Verein hat auf dem gesamten Kantonsgebiet von Zürich 27 Standorte für den Surfpark geprüft. «Regensdorf passte am besten», sagt Gemeindepräsident Max Walter vor den Versammelten. Walter unterstützt das Projekt seit Beginn. Er ist davon überzeugt, dass der Park als Naherholungszone einen Gewinn für die Bevölkerung darstellt, und weist darauf hin, dass im Surfpark 35 fixe und 50 temporäre Arbeitsplätze geschaffen werden.

Reaktion auf Kritik

Der Gemeindepräsident nimmt in seinem Votum auch zu kritischen Aspekten Stellung, die im Vorfeld der Abstimmungen laut wurden. Unter anderem zu dem befürchteten Mehrverkehr, den die Besucher des Parks generieren würden – immerhin geht der Verein von 225'000 Eintritten pro Jahr aus.

Im Wisacher sollen dereinst 450 Parkplätze beim Surfpark zur Verfügung stehen, 300 davon im kostenpflichtigen Parkhaus. Sollte dennoch das Parkieren in den Quartieren zu einem Problem werden, könnte laut Walter die Parkdauer auf dem Surfparkareal von vier auf zwei Stunden heruntergesetzt werden. Der Gemeindepräsident rechnet ohnehin damit, dass 70 Prozent der Besucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen werden.

Um die Lärmemissionen einzudämmen, werde der Surfpark nur von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. «Es ist möglich, dass es Veranstaltungen gibt, die am Abend länger dauern. Dazu braucht es aber eine entsprechende Ausnahmebewilligung», sagt Walter. «Diese Anlagen machen einfach Lärm, da können wir nichts machen. Die Grenzwerte werden aber deutlich unterschritten.»

Jugendliche kämpfen für den Park

Ein Anwohner sieht das nicht so. Er hält in seinem Votum fest, dass der Umweltbericht ungenügend und das Lärmgutachten völlig falsch bemessen sei. Auch der ehemalige Kantons- und Gemeinderat Hans Frei, der schon im Vorfeld der gestrigen Abstimmung Kritik am Projekt äusserte, meldet sich zu Wort. «Der Surfpark ist raumplanerisch nicht umsetzbar. Die Gemeinde hat hier den jungen Leuten zu viel versprochen.»

«Das Projekt ist eine einmalige Chance.»

Geschäftsführer Standortförderung Furttal

Die «jungen Leute» von Regensdorf hingegen wollen den Park. Sie haben wenige Tage vor der Versammlung auf dem Zentrumsplatz der Gemeinde mit einer Aktion für das Projekt geworben. An der Gemeindeversammlung selbst ergreift eine Lehrerin das Wort, die im Schulhaus Pächterried in Watt unterrichtet. Sie betont die Wichtigkeit des Projekts für die Kinder. «Das ist ein Park für die Zukunft», sagt sie. Auch der Geschäftsführer der Standortförderung Furttal sagt, dass die ältere Generation bei ihrem Entscheid an die jüngeren Leute denken solle. «Das Projekt ist eine einmalige Chance.»

Nächste Abstimmung im Dezember

Wenn die Stimmberechtigten von Regensdorf im Dezember über den Gestaltungsplan des Parks entscheiden, dürfte es somit erneut zu längeren Diskussionen kommen. Unter anderem auch deshalb, weil erst am 20. März an einer Podiumsdiskussion in der Gemeinde bekannt wurde, dass der Kanton Zürich das Projekt Surfpark als «nicht rechtmässig und somit als nicht genehmigungsfähig» einstuft.

Der Gemeindepräsident verteidigte auch damals den Surfpark. Nur weil etwas als nicht genehmigungsfähig eingestuft werde, heisse das nicht, dass das Projekt an sich nicht genehmigt werden könne, kommentierte er die Einschätzung des Kantons gegenüber dem «Zürcher Unterländer». «Es bedeutet lediglich, dass einzelne Punkte angepasst werden müssen.» Der Gemeinderat habe vor rund einem Monat davon erfahren und die Schwachstellen bereits bereinigt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2019, 22:07 Uhr

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