«Zürich hat Krimi-Atmosphäre»

Auch im zweiten Roman macht der Basler Judaikprofessor einen Rabbi zum Ermittler. Und Zürich zum Tatort. Das habe emotionale Gründe, sagt er.

Sein neues Buch hat ihm eine Nominierung für den Zürcher Krimipreis eingebracht.

Sein neues Buch hat ihm eine Nominierung für den Zürcher Krimipreis eingebracht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Ihrem Roman«Das Ende vom Lied» geht es um Stalking. Was fasziniert Sie daran?
Stalking ist für mich eine auf psychotische Abwege geratene Art der Liebe. Wer gestalkt wird, erkennt irgendwann, dass er gegenüber dem Stalker oder der Stalkerin nicht mehr Herr seiner Handlungen ist, sondern nur noch Objekt von Projektionen. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist dabei wohl noch schlimmer als das, was die Aussenwelt als «Belästigung» wahrnimmt.

Sie sind Basler, Ihre Krimis spielen aber in Zürich. Warum?
Ich kenne die Stadt gut, ich habe mit meiner Familie 15 Jahre hier gelebt – und ich fand, die Atmosphäre in Zürich eignet sich gut für einen Krimi. Bellevue, Enge, im ersten Band auch die Fahrt auf den Hönggerberg. Über diese Orte ­wollte ich schreiben – also eigentlich banale, emotionale Gründe. Die Stadt passt aber auch zur Geschichte: Sie vereint verschiedene Gesellschaftsschichten und hat eine grössere jüdische Gemeinschaft.

Wollen Sie mit Ihren Büchern die Schweiz über das jüdische Leben aufklären?
Nein. Aber es ist mir wichtig, dass sie das jüdische Leben in Zürich und der Schweiz authentisch schildern. Manchmal fehlt der Literatur über Juden das Insiderwissen. Ich kenne diese Welt von innen. Menschen, die mit dem jüdischen Leben nicht ­vertraut sind, sollen ein Bild davon erhalten – und erkennen, dass es eine eigene Normalität hat. Oft hat die Bevölkerung das Gefühl, das Judentum sei eine ganz andere Welt.

Die Tochter der Hauptfigur Rabbi Klein fühlt sich wegen ihrer Religion von ihren Klassen­kameraden ausgegrenzt. Kennen Sie solche Gefühle?
Ich glaube, «Ausgrenzung» ist hier nicht der richtige Begriff. Die Kameraden hinterfragen den Sinn dessen, was sie aus religiösen Gründen tut –etwa das Einhalten der jüdischen Feiertage oder der Speisegesetze, und sie fordern sie damit heraus, auch für sich selbst sinnvolle Antworten zu finden. Der Rabbi sieht, dass ihr das nicht leichtfällt und sie die Antworten gern von ihm hätte. Persönlich habe ich in der Schule oder im Militärdienst nie Ausgrenzung erfahren – aber dass mich jemand fragt, weshalb ich das Judentum praktiziere, was das bringen soll, das kenne ich. (tipp)

Erstellt: 11.03.2015, 14:15 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Logenplätze: Die Bewohner der nepalesischen Ortschaft Bode verfolgen den Nil-Barahi-Maskentanz von ihren Fenstern aus. Während des jährlichen Fests verkleiden sich Tänzer als Gottheiten und ziehen durch die Strassen. (20. August 2019)
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...