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Jetzt müssen die Lehrer durch eine Probezeit von fünf Monaten

Der Kantonsrat erleichtert die Auflösung von Arbeitsverhältnissen in der Volksschule.

Von Daniel Schneebeli Zürich &endash Lehrerinnen und Lehrer in der Zürcher Volksschule geniessen wie die übrigen Staatsangestellten einen sehr hohen Kündigungsschutz. Wenn sie eine Anstellung angenommen haben, kann diese offiziell wegen «mangelnder Leistungen oder unbefriedigenden Verhaltens» erst nach einem Jahr aufgelöst werden &endash und zwar nur, wenn zuvor eine Mitarbeiterbeurteilung (MAB) ein negatives Resultat ergeben hat. Wenn eine Schulpflege eine Lehrperson entlassen will, die länger als ein Jahr dabei ist, wird das Verfahren noch komplizierter. Nach einer negativen MAB hat ein Lehrer das Recht auf eine drei- bis sechsmonatige Bewährungsfrist, die mit einer zweiten MAB endet. Erst wenn diese erneut negativ ausgefallen ist und sich die Lehrperson schriftlich rechtfertigt hat, darf die Schulpflege eine Kündigung schreiben. So kann es unter Umständen weit über ein Jahr &endash in Einzelfällen auch Jahre &endash dauern, bis ein unbefriedigendes Arbeitsverhältnis aufgelöst ist. Bürgerliche setzen sich durch Das war einer Mehrheit des Kantonsrats schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Bereits vor einem Jahr hat sie deshalb eine dreimonatige Probezeit für Lehrer gewünscht. Angestossen hatte dies die FDP-Fraktion. Gestern stand im Rat die Entscheidung an. Neben weiteren Änderungen der Arbeitsbedingungen beschloss der Rat mit 87 zu 79 Stimmen die Einführung einer Probezeit. Sie dauert fünf Monate. Dann kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten in sieben Tagen auf den letzten Schultag vor den Schulferien aufgelöst werden. Durchgesetzt hat sich damit die bürgerliche Ratsseite mit SVP, FDP, EDU, CVP und BDP. Heikel für Junglehrer Es sei unverständlich, dass es bisher keine Probezeit gegeben habe, sagte Stefan Hunger (BDP, Mönchaltorf): «Warum soll bei den Lehrern nicht möglich sein, was bei allen anderen Berufen üblich ist?» Es sei zwar unschön für eine Klasse, wenn ihr Lehrer nach kurzer Zeit weg sei &endash aber immer noch weniger schlimm als eine lange Leidenszeit. Für Corinne Thomet (CVP, Kloten) ist diese Ungleichheit «unzumutbar». Auch Sabine Wettstein (FDP, Uster) ist es wichtig, dass künftig für alle kantonalen Angestellten gleiche Bedingungen geschaffen würden. «Ein falsches Signal» sah Moritz Spillmann (SP, Ottenbach) in der neuen Regel. Mittelschullehrer Spillmann kam zu diesem Schluss, obwohl es an Gymnasien eine Probezeitenregel gibt. In der Volksschule sei es vor allem für Junglehrer problematisch, wenn der schnelle Ausstieg möglich werde, sagte er. Bei vielen sei der Berufseinstieg heikel. Die Schwierigkeiten der ersten Monate würden in der Regel kleiner, sagte Spillmann. Darum sei es gerade bei Junglehrern wichtig, ein Jahr durchzuhalten. Johannes Zollinger (EVP, Wädenswil) kritisierte grundsätzlich: «Man kann die Schule nicht mit der Privatwirtschaft vergleichen.» Der Aufbau einer Lehrer-Schüler-Beziehung brauche Zeit. Und Esther Guyer (Grüne, Zürich) kritisierte die Bürgerlichen als inkonsequent: Einerseits würden alle gegen die Schulbürokratie schimpfen, während sie hier einen neuen Akt der Bürokratie einführten. Andreas Erdin (GLP, Wetzikon) erinnerte daran, dass ein Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen schon heute kurzfristig aufgelöst werden könne. Die Einführung einer Probezeit bezeichnete er als überflüssig und auch als problematisch, da sie unzufriedenen Lehrpersonen die Chance eröffne, kurzfristig auszusteigen. Das sei gerade in Zeiten des Lehrermangels nicht im Sinne der Schulen. Kündigungen selten Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamts, bestätigte gestern, dass sich Schulgemeinden und Lehrpersonen viel häufiger im gegenseitigen Einvernehmen trennten als nach aufwendigen Kündigungsverfahren. Wenn die Gewerkschaften kein Referendum ergreifen, könnte die Probezeit im nächsten Jahr eingeführt werden. Für die anderen Änderungen brauche es mehr Zeit.Kommentar Seite 2

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