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10 Millionen Franken Mehrkosten nach Baufiasko im Jugendgefängnis

Die Budgetüberschreitung beim Umbau des Massnahmenzentrums Uitikon löst massive Kritik an Baudirektor Markus Kägi (SVP) aus – selbst aus dessen eigener Partei. Nun wird die Geschäftsprüfungskommission aktiv.

Von Daniel Schneebeli Zürich – Schon wieder ist die Planung eines kantonalen Bauvorhabens aus dem Ruder gelaufen. Nach den Querelen um das Polizei- und Justizzentrum (PJZ) musste Baudirektor Markus Kägi (SVP) gestern erneut vor die Medien treten und von einem Projekt berichten, das nicht planmässig vorankommt und bei dem das Budget bei weitem nicht eingehalten werden konnte. 29,6 Millionen Franken hatten Regierung und Kantonsrat für den Umbau und die Erweiterung der geschlossenen Abteilung im Massnahmenzentrum Uitikon bewilligt. Dort verbüssen schwer kriminelle Jugendliche und junge Erwachsenen ihre Strafen. Die Bauarbeiten in Uitikon sind seit November 2010 eingestellt, und an eine Inbetriebnahme der neuen Räumlichkeiten bis 2012 ist nicht zu denken. Wie Kägi gestern mitteilte, sind Projekt und Kostenvoranschlag überarbeitet worden. Neu seien 39 Millionen nötig. Zur Kostenüberschreitung von über 30 Prozent sei es in erster Linie gekommen, weil das externe Planungsteam, welches 2006 den Projektwettbewerb gewonnen hatte, schlecht gearbeitet habe, sagte Kägi. Beim Kostenvoranschlag, beim Terminplan – überall seien mangelhafte Dokumente abgeliefert worden. Die Planer hätten teils die Wünsche der Nutzer schlicht ignoriert. Kägi: «Die Stärke des Teams lag beim Konzipieren und nicht beim Realisieren.» Der Baudirektor übte aber auch Selbstkritik: Das Projektcontrolling sei mangelhaft gewesen, und der Projektleiter im Hochbauamt habe seine Führungsaufgabe zu wenig wahrgenommen. Der Mann war im Frühling 2010 ersetzt worden.Ausgewechselt hat das Hochbauamt auch das federführende Architektenteam. Neu sind Stücheli Architekten Zürich für die Leitung des externen Planerteams zuständig. Die 9,4 Millionen Franken Mehrkosten, die ihr neuer Voranschlag ergab, hat der Regierungsrat in einem dringlichen Beschluss schon bewilligt. Die Mehrkosten seien mehrheitlich gebunden, sagte der Baudirektor. Entlassene Planer wehren sich Gemäss Kägi können dank der schnellen Freigabe des Zusatzkredits die Bauarbeiten in Uitikon im Oktober 2011 wieder aufgenommen und im besten Fall 2014 abgeschlossen werden. Dann stehen in Uitikon 30 geschlossene Plätze für jugendliche Straftäter zur Verfügung – vier mehr als ursprünglich geplant. Das MZU ist die einzige Einrichtung in der Deutschschweiz, die geschlossene Plätze für junge Straftäter anbietet. Das entlassene Planerteam wies gestern Kägis Vorwürfe zurück. Von Fehlplanung und konstruktiven Mängeln könne keine Rede sein, teilte Firmensprecher Danni Härry mit. Man habe nach branchenüblichen Standards in guter Qualität gearbeitet. Verantwortlich für das Fiasko sei die Bauherrschaft. «Eine Vielzahl von Änderungswünschen und eine ungenügende Projektleitung haben die Arbeit massiv erschwert.»Derzeit stecken der Kanton und das alte Planerteam in Vergleichsverhandlungen. Kägi hofft auf eine gütliche Einigung. Um wie viel Geld gestritten wird, wollten beide Seiten nicht sagen. Eine «Riesen-Blamage» Massiv Kritik hagelte es gestern aus dem Kantonsrat. «Das ist eine Riesen-Blamage für Baudirektor Markus Kägi und den Kanton Zürich», sagte Thomas Hardegger (SP) aus der Kommission Planung und Bau. Seine Kommission habe von Anfang an Vorbehalte gegen den Kostenvoranschlag gehabt. So seien beispielsweise keine Reserven für die geplanten Sanierungen vorgesehen gewesen. Üblich seien Reserven von 15 bis 20 Prozent der gesamten Bausumme. Man habe aber schliesslich den Beschwichtigungen des Immobilienamtes geglaubt. Weiter kritisierte Hardegger, die Baudirektion habe die externen Planer und den internen Projektleiter als Sündenböcke vorgeschoben: «Das ist jämmerlich. Es gibt offensichtlich Schwachstellen im System.» Für Hardegger ist das Fiasko ein Fall für die kantonsrätliche Geschäftsprüfungskommission GPK. Der neue GPK-Präsident Claudio Zanetti (SVP) ist gleicher Meinung. Es sei eine Tatsache, dass die öffentliche Hand die Kosten bei ihren Bauprojekten nur selten im Griff habe. «Wir wollen wissen, wer für diese Fehlplanung verantwortlich ist.» Zanetti hofft, dass Kägi nun in seinem Laden für Ordnung sorgen wird. Erste Schritte hat der Baudirektor bereits vollzogen. Im Hochbauamt wurde das Projektcontrolling «optimiert».Unzufrieden ist auch die SVP. In einer Mitteilung heisst es: «Die Regierung hebelt das Parlament aus.» Mit der Dringlicherklärung des Kredits habe sie eine politische Debatte verunmöglicht. Seit einem halben Jahr eine stillgelegte Baustelle: Das Jugendgefängnis in Uitikon. Foto: Doris Fanconi

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