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167 schwimmen nackt um die Wette

Am Samstag hat im Hallenbad Adliswil das internationale Schwimmturnier der Naturisten stattgefunden. Es kamen Nacktschwimmer aus neun Nationen – das Bad war so voll wie kaum je.

Von Nicole Trossmann Adliswil – Das Adliswiler Hallenbad mutet seltsam verlassen an. Gäste gehen keine ein und aus, alle Türen sind verschlossen. Eine weitere Eigentümlichkeit: Stoffbahnen an den Fenstern verwehren die Sicht auf die Schwimmbecken. Es klingen laute Rufe heraus. Es wird gejohlt und gepfiffen. Ein ungewohntes Bild gibt auch das Innere ab: Nicht weniger als 167 Athleten und fast so viele Zuschauer tummeln sich dort – und alle sind nackt. An der 39. Schwimmgala der Schweizerischen Naturistenunion (SNU-UNS) sowie der Internationalen Naturistenföderation ist manches anders. Und vieles nicht. Es hängen Länderflaggen; so etwa von Schweden und Spanien, Italien und Frankreich. Athleten stärken sich mit Sandwiches und Bananen, wärmen sich konzentriert auf, dehnen und strecken sich. Sie tragen Kappen, Schwimmbrillen, Flipflops – nur die Badehose fehlt. Während etwa Deutschland 31 Schwimmer stellte, kam aus Schweden nur eine Person, aus der Schweiz nahmen 13 teil. Medaillen ergattern konnten die Naturisten in den Kategorien Freistil, Brust- und Rückenschwimmen sowie Familien- und Länderstaffel. Bei der Siegerehrung, wenn die strahlenden Gewinner auf dem Podest stehen, nichts als die Medaillen um den Hals, fragt der Fotograf für das obligate Foto stets um Erlaubnis. Befreiende Nacktheit Sieglinde Ivo aus Österreich, Präsidentin der Internationalen Naturistenföderation, freut sich, findet die Schwimmgala heuer erstmals in der Schweiz statt. Ivo sagt, als Minderheit würden die Naturisten um Akzeptanz ringen. «Man sollte die Vielfalt menschlicher Vorlieben respektieren: Einige mögen etwa Jeans, einige tragen lieber Hemd und Hut und andere eben am liebsten gar nichts.» Da die Schweiz meist abgetrennte Gelände für Naturisten hat, ist die Problematik teilweise entschärft. Der Vizepräsident der Internationalen Naturistenföderation, Mick Ayers aus England, besucht mit jener in Adliswil bereits die 20. Schwimmgala – obwohl er selber keinen Fuss ins Wasser setzt. «Ich komme aus einer traditionellen Fischerfamilie, und Fischer schwimmen nicht.» Für ihn bedeutet Nacktheit körperliche und geistige Freiheit. Früher hätten sich Naturisten sogar untereinander nur mit dem Vornamen, doch nie mit dem Familiennamen vorgestellt, heute werde Naturismus offener zelebriert. Doch während Nacktheit in Irland etwa illegal ist, sieht man dieselbe in Spanien entspannt: «Dort müsste man nicht mal die Fenster des Hallenbads abdecken», sagt der Engländer. Edith Zimmermann aus Wallisellen, Präsidentin der Schweizerischen Naturistenunion, lächelt, wenn sie daran denkt, warum einzelne Länder an der Schwimmgala mitmachen. Für die Deutschen stehe der Wettkampf im Vordergrund: Sie wollen das Schwimmturnier gewinnen, trainieren hart dafür und räumten denn auch am meisten Medaillen ab. Die Schweizer hingegen sähen es als Plauschturnier und kämen der Freude am Naturismus wegen. Nur einer trägt Textil Peter Horyna aus Kilchberg arbeitet seit 21 Jahren als Bademeister im Hallenbad Adliswil und staunt ob der 300 Menschen, die sein Bad bevölkern: «Dies ist einer der grössten Anlässe, die ich hier je erlebte.» Und obwohl er an diesem Tag auffällt wie ein bunter Hund – immerhin ist er der Einzige, der Kleider trägt –, ist es ihm wohl. «Alle Ferien zusammengerechnet, habe ich mit meiner Familie wohl schon ein ganzes Jahr nackt am FKK-Strand der Kanaren verbracht», sagt Horyna und fügt an: «Es war die schönste Zeit meines Lebens.» Wenn er also an diesem Samstag nicht arbeiten müsste, hätte er wohl ebenfalls auf Kleider verzichtet. «Aber einer muss ja als Bademeister erkennbar sein.» Naturisten suchen den Schutz und Aufenthalt in der Natur. Das textillose Leben geht zuweilen auch mit dem Vegetarismus Hand in Hand. Was die gesellschaftliche Akzeptanz der Nacktheit betrifft, erreichte diese in den 60ern und 70ern einen Höhepunkt. In den 80ern wurde diese wieder tabuisiert. Bezeichneten sich Naturisten früher noch als FKK-Anhänger, änderte dies mit dem Internet. Der Begriff wurde teilweise sexuell gedeutet. Die ursprünglichen FKKler nutzten fortan die Bezeichnung «Naturismus». (tro) Die Deutschen kamen an die Nacktschwimmgala, um zu gewinnen, die Schweizer nur zum Spass. Foto: Sabine Rock

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