30 Zentimeter, 7 Kilo – aber Hund Momo gilt als gross und massig

Im Kanton Zürich müssen «grosse und massige» Hunde in einen Kurs. Welche das sind, bestimmt allein die Rasse, nicht die tatsächliche Grösse.

Momo (rechts) hat die falsche Mutter. Deshalb muss die Hündin in einen Kurs. Bild: PD

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Als der Regierungs- und der Kantonsrat das Zürcher Hundegesetz verabschiedeten, war die Absicht eigentlich klar: Halter, deren Hund grösser als 45 Zentimeter oder schwerer als 16 Kilo ist, müssen mit ihrem Tier einen Kurs besuchen. In der Praxis funktioniert das nur teilweise. Immer wieder werden Halter mit kleineren Tieren zu einem Kurs verknurrt. Was die Sache nicht vereinfacht: Das Veterinäramt verweist Halter, die wissen wollen, ob ihr Hund kurspflichtig ist, auf eine automatisierte Online-Auskunft – aber die liefert falsche Angaben.

Das musste die Besitzerin von Momo erfahren. Momo ist eine Kreuzung aus einem Podenco, einer spanischen Windhunderasse, und einem kleinen Mischling. Er ist gerade mal 7 Kilo schwer und 30 Zentimeter gross. Dennoch erhielt seine Halterin eines Tages ein Schreiben der Fachstelle Hundekontrolle der Stadtpolizei: Sie habe eine Bestätigung einzureichen, dass sie mit dem Tier einen Welpen- und einen Junghundekurs absolviert habe. Frist zehn Tage, ansonsten «werden wir nicht umhinkommen, eine strafrechtliche Abklärung zu prüfen».

150 Franken Busse, 150 Franken Gebühren

Momos Besitzerin fiel aus allen Wolken. Sie wähnte sich von der Kurspflicht befreit. Nicht nur, weil ihre Hündin nicht annähernd die einschlägigen Masse erreicht. Die Besitzerin hatte auch mit der Online-Auskunft des Veterinäramts abgeklärt, ob Momo in einen Kurs muss. Das System spuckte die Antwort aus: Nein.

Dennoch erhielt die Halterin gut neun Monate nach der ersten Aufforderung einen Strafbefehl. Sie sollte 150 Franken Busse und 150 Franken Gebühren wegen «fahrlässiger Widerhandlung gegen das Hundegesetz» zahlen. Die Halterin erhob Einspruch und bekam recht. Da im Falle von Momo nur die Rasse eines Elternteils bekannt sei und der Kantonsrat die Kurspflicht ohnehin per Ende Jahr aufgehoben habe, werde das Verfahren eingestellt, entschied das Stadtrichteramt Anfang Juni.

Das hielt die Stadtpolizei allerdings nicht davon ab, der Hundehalterin im Oktober eine weitere Aufforderung zu schicken. Da sie mit Momo weder den Welpen- noch den Junghundekurs besucht habe, sei sie verpflichtet, einen Erziehungskurs von zwanzig Lektionen zu absolvieren. Seither fragt sich die Besitzerin, ob die Fachstelle Hundekontrolle das Gesetz nach eigenem Gusto interpretiert.

Falsche Online-Auskunft

Nachfrage beim Veterinäramt. Und die ergibt: Die Online-Auskunft ist falsch konfiguriert. Ohnehin sei die Auskunft aus dem Tool «nicht verbindlich, sondern lediglich ein Hilfsmittel», wie Mona Neidhart vom Veterinäramt sagt. Die Stadtpolizei habe ganz klar recht. Dies umso mehr, als die Abschaffung der Kurspflicht noch keineswegs beschlossene Sache sei. Kurz nachdem der Stadtrichter seinen ersten Entscheid in Sachen Momo gefällt hatte, reichten 62 Kantonsräte das Referendum gegen die Aufhebung der Kurspflicht ein.

Tatsächlich sind gemäss Hundegesetz nicht die effektiven Masse eines Tieres entscheidend für die Kurspflicht, sondern seine Rasse beziehungsweise, im Fall von Mischlingen, die Abstammung. Ist ein Elterntier als gross und massig eingestuft, müssen die Welpen automatisch in die Hundeschule. Egal, wie gross das zweite Elterntier ist, egal, wie gross sie selbst werden. Anders ausgedrückt: Ein Hund kann noch so klein sein, wenn er die falsche Mutter oder den falschen Vater hat, gilt er als gross und massig. Das führt immer wieder dazu, dass verhältnismässig kleine Hunde kurspflichtig sind, während vergleichsweise grosse Exemplare darum herumkommen.

Im Zweifel entscheidet das Veterinäramt

Welche Hunderassen gross und massig sind, ist in der sogenannten Rassentypenliste I festgehalten. Bei Mischlingen, deren Elterntiere beide ebenfalls Mischlinge sind, entscheidet im Zweifelsfall das Veterinäramt unter anderem anhand der Elterntiere über eine Kurspflicht. Das führt gerade bei eher leichten und kleinen Mischlingen zuweilen zu Streitigkeiten, wie Mona Neidhart einräumt. Sie hält fest: «Die Grössen- und Gewichtsangaben sind Richtwerte und nicht verbindlich.»

Momos Halterin hofft nun auf den 9. Februar. Dann entscheiden die Stimmbürger, ob die Kurspflicht im Gesetz bleibt oder aufgehoben wird. Und dann will das Amt auch eine Korrektur der Online-Auskunft prüfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2018, 10:57 Uhr

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