Zum Hauptinhalt springen

300 tote Fische und ein totes Gewässer

Als gestern Fäkalien in den Horgner Mühlebach liefen, starben 300 junge Seeforellen. Der Schaden am Ökosystem des Baches ist tiefgreifend.

Horgen. - Daniel Hässig wohnt gleich neben dem Mühlebach. Seine Kinder spielten gestern Morgen im Mühlebach zwischen Drusberg- und Einsiedlerstrasse. Doch plötzlich stank das Wasser nach Urin. Als ihnen junge Forellen entgegentrieben, mit dem Bauch nach oben, rannten die Kinder ins Elternhaus und erzählten, was sie gesehen hatten.

Ihre Mutter alarmierte die Polizei.

Am Nachmittag steht Robert Geuggis, stellvertretender Fischereiaufseher des Bezirks, mit einem Plastikkübel am Bach. Darin liegen etwa fünfzig tote Forellen. Die kleinsten sind so lang und dick wie der kleine Finger des Fischereiaufsehers, dazwischen hat es etwas grössere Fische.

Forellen im Kübel statt im See

Sie hätten im Mühlebach aufwachsen sollen, bis sie von Fischern in den See gebracht worden wären.

Geuggis atmet tief aus und sagt: «So ein Fisch kostet je nach Grösse ein bis zwei Franken.» Bei etwa 300 Fischen belaufe sich der Schaden auf rund 300 Franken. «Aber der ökologische Schaden ist nicht zu beziffern.» Mit einem Käscher holt er einen toten Fisch aus dem Wasser. Er sagt, es könne bis zu einem Jahr dauern, bis sich der Mühlebach wieder erholt habe. Die Substanzen, die in den Bach geraten sind, haben neben den jungen Forellen auch Bachkrebse und kleinere Lebewesen getötet. Diese Insektenlarven und Kleintierchen bilden die Lebensgrundlage für grössere Tiere. Fischereiaufseher Geuggis sagt: «Das Gewässer ist nun tot, und man kann nichts tun ausser abwarten, bis es sich erholt.»

Im oberen Bereich des Baches sind zwei Männer damit beschäftigt, Fäkalien, die noch im Bachbett liegen, abzusaugen. Der Grossteil des verschmutzten Wassers ist bereits in den See geflossen. Die Kantonspolizei teilt mit, falsch eingeleitete Fäkalien hätten zur Verschmutzung geführt.

Die Beteiligten vermuten, der Tank eines mobilen WC-Häuschen sei in den falschen Schacht entleert worden.

Vor drei Jahren war es Ammonium

Das Wasser des Mühlebachs war bereits vor drei Jahren verschmutzt worden, auch damals starben viele Fische. Es geriet eine grössere Menge Ammonium in den Bach und führte zu einem massiven Fischsterben. Ammonium kommt in Kunstdünger vor oder in Reinigungsmitteln. Die Hintergründe der Bachverschmutzung wurden trotz einer Wasseranalyse nie geklärt.

Im Frühling dieses Jahres hatte die kantonale Fischzuchtanstalt im renaturierten Teilstück des Mühlebachs zwischen Drusberg- und Einsiedlerstrasse die jungen Forellen ausgesetzt. Eigens für diese Fische hatte man das Bachbett gestaltet: Mit Stufen, über die das Wasser fällt. Mit Steinen aus Glarner Alpenkalk, die das Bachbett zur Böschung hin begrenzen.

An eine Wiederholung dieses Versuchs kann man erst im kommenden Frühling denken, wenn es im klaren Wasser wieder von kleinen Lebewesen wimmelt, von denen sich die Jungfische ernähren können.

Mit Schläuchen saugen Arbeiter Fäkalien aus dem Horgner Mühlebach.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch