Zum Hauptinhalt springen

300-mal Fehlalarm – wegen iPhone

Verunfallte können die Rega mit einer Applikation per iPhone rufen. Weil die Nutzer den Ernstfall proben, halten sie die Einsatzzentrale auf Trab.

Von Pia Wertheimer Kloten – In der Region des Piz Terza imMünstertal verunfallte vor zwei Tagen eine Tourenskifahrerin. Die 45-Jährige löste den Alarm um 12.53 Uhr mit der Applikation iRega per iPhone aus. Sie betätigte dazu eine Schiebetaste des Programms. Dieses ortete, wo sich ihr Gerät befand, sandte per SMS ihre Koordinaten und die zuvor abgespeicherten Personalien an die Einsatzzentrale und stellte innert 20 bis 40 Sekunden eine telefonische Verbindung mit den Rettern her. Die Einsatzzentrale in Kloten schickte daraufhin den Helikopter der Basis Samedan los. Dessen Sanitäter fanden die Tourenskifahrerin präzise an der Stelle, welche die Applikation als Standort angegeben hatte. Die Rettungsflugwacht hat die Applikation iRega vor einem Monat in Betrieb genommen. Sie funktioniert in der Schweiz und im Ausland, 108 000 Nutzer haben sie heruntergeladen. Das iPhone-Programm figuriert damit in den Top Ten der meistgeladenen Applikationen. Neunmal wurden die Retter aus der Luft im vergangenen Monat damit für einen Ernstfall aufgeboten. Seit der Einführung von iRega gehen aber auch Fehlalarme ein: 300-mal klingelte im letzten Monat das Telefon in der Einsatzzentrale irrtümlich. «Die Anrufer entschuldigten sich und gaben an, die Applikation falsch bedient zu haben», sagt Rega-Sprecher Christian Trottmann. Vor iRega seien Fehlalarme bei der Rettungsflugwacht kein Thema gewesen. Test führt zu Fehlalarm Mit «falsch bedient» meinen die Anrufer, dass sie eigentlich den Ernstfall proben wollten. Dies ist mit dem Testalarmsystem der Applikation möglich, das aber erst aktiviert werden muss – und das gehe vergessen. Der Dienst simuliert den Alarmierungsvorgang, ohne eine telefonische Verbindung zur Einsatzzentrale herzustellen. «Diesen Service nutzten im vergangenen Monat 28 000 Personen.» Und trotz der Fehlalarme hält die Rega an dieser Funktion fest: «Die Nutzer wollen darauf vertrauen können, dass im Notfall die Applikation funktioniert», sagt Trottmann. Die Ortung eines Verunfallten sei für die Retter aufgrund der Beschreibungen oft schwierig und darum nicht immer auf Anhieb möglich. Das Programm iRega erleichtere es der Rettungsflugwacht, den Standort des Verunfallten zu ermitteln, und spare so wertvolle Zeit. «Primär suchen wir den Sprachkontakt mit dem Alarmierenden. Manchmal reicht der Akku oder die Verbindung aber nur für ein SMS», sagt der Rega-Sprecher. Auch in diesem Fall diene iRega. Wenn das Handy keinen Empfang habe, könne weder ein Telefonat geführt noch eine SMS verschickt werden. In einigen Fällen sei dann die europäische Notrufnummer 112 erreichbar. «Dieser Anruf wird von der lokalen Kantonalpolizeizentrale entgegengenommen.» Experten begrüssen die Applikation der Rega. «Je mehr Alarmierungsmöglichkeiten wir haben, desto grösser sind unsere Chancen im Ernstfall», sagt Andres Bardill, Geschäftsführer der Alpinen Rettung Schweiz. Technik gaukelt Sicherheit vor Christian Frischknecht, Bergführer und Bereichsleiter Bergsport des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), vermutet, dass mit dem technischen Fortschritt auch die Risikobereitschaft der Berggänger steigt. «Die Technik gaukelt eine falsche Sicherheit vor. Viele vergessen, dass den Rettern trotzdem Grenzen gesetzt sind.» Vor allem das Handy habe viel verändert. «In der Eigernordwand hat der Bergsteiger heute überall Empfang.» Es komme vor, dass die Bergler nach dem Motto «Probieren wir es einfach mal» in die Wand einstiegen. Diese Gefahr erkennt auch die Rega. Christian Trottmann betont: «Trotz dem Fortschritt sollte man sich nicht nur auf die technischen Hilfsmittel verlassen. Jede Bergwanderung will noch immer gut geplant sein.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch