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325 Kilometer Fahrt – doch vorwärts kommt sie nicht

Fabienne Müller will auf dem Indoor-Fahrrad ihren eigenen Weltrekord brechen. Um das zu schaffen, muss sie sogar auf dem Velo essen.

Von Dominique Marty Steinmaur – «Die neunte Stunde auf dem Fahrrad ist die schlimmste», sagt Fabienne Müller, «dann fehlt plötzlich die Kraft, und ich glaube nicht mehr an den Erfolg. Vor dieser Stunde graut mir schon jetzt.» Die 31-Jährige trainiert derzeit dafür, ihren eigenen Weltrekord im Indoor-Fahrrad zu brechen. Zwölf Stunden lang tritt sie dafür in die Pedale, um so viele Kilometer wie möglich zurückzulegen. 324,12 Kilometer schaffte die Steinmaurerin im Juni 2008, als sie ihren ersten Weltrekord aufstellte – unter strenger Aufsicht von zahlreichen Zeugen und der Öffentlichkeit. Monate später beglaubigte die Jury von Guinness World Records aus London ihre Leistung. Am Samstag, 14. Mai, im Rahmen der gross angelegten Gesundheitsaktion «Schweiz bewegt» des Wehntals und Steinmaur will sie im Schützenhaus Schöfflisdorf ihren eigenen Rekord brechen. «Es ist zu schaffen», sagt sie abwägend, «denn eigentlich sind 324 Kilometer ein Klacks. Die Männer in diesem Sport legen bis zu 600 Kilometer auf dem Fahrrad zurück.» Weltrekordhalterin sei sie darum wohl nur, weil die weibliche Konkurrenz fehle, scherzt Müller. Ausgestellt mit violettem Kopf Anstrengend seien die zwölf Stunden auf dem Hometrainer eigentlich nicht, meint Fabienne Müller. «Irgendwann trampeln die Beine von alleine.» Zudem sei eine Fahrt auf dem Indoor-Velo weniger anstrengend als mit einem richtigen Fahrrad. Fahrtwind und Steigungen fallen weg. Nur den Sattel spüre sie noch einen Tag später beim Sitzen deutlich. Dennoch will sie nur wenige Pausen während der zwölf Stunden machen, «denn das Wiederaufsteigen ist einfach zu anstrengend». Auch essen werde sie auf dem Fahrrad. «Auf meinem alten Indoorvelo-Lenker konnte ich meinen Teller abstellen. Dieses Mal wird mich vermutlich jemand füttern müssen.» Zwei bis fünf Stunden trainiert Fabienne Müller mehrmals in der Woche. Daneben gibt sie Deutschunterricht für Fremdsprachige in Wallisellen und schreibt an ihrer Doktorarbeit in Sprachwissenschaft. Zwölf Stunden lang auf einer Bühne vor aller Augen zu strampeln, das sei eigentlich das Schlimmste, bricht es plötzlich aus ihr heraus. «So ausgestellt, verschwitzt und vermutlich mit violettem Kopf – ich mag gar nicht daran denken.» Doch dass ihr Rekordversuch öffentlich stattfindet, ist eine Bedingung von Guinness World Records. 16 Zeugen müssen in verschiedenen Schichten den Versuch beaufsichtigen und darüber handschriftlich einen Bericht verfassen. Eine Kamera zeichnet die Fahrt lückenlos auf, und in regelmässigen Abständen muss Fabienne Müller fotografiert werden. Eigentlich sei sie keine angefressene Sportlerin, sagt Müller. Erst als sie vor sieben Jahren zu Weihnachten einen Hometrainer erhielt, kam sie auf den Geschmack. Praktisch sei das Indoor-Cycling ja auch, sagt sie, schliesslich könne man beim Fahren bequem ein Buch lesen. Weltrekordversuch: Samstag, 14. Mai, 8 bis 20 Uhr, Schützenhaus Schöfflisdorf. www.schweizbewegt.ch Für ihren Weltrekordversuch vom 14. Mai sucht Fabienne Müller noch Zeugen, die je drei Stunden am Stück ihre «Fahrt» überwachen. Laut Guinness-Vorgaben müssen die Zeugen ehrliche, achtbare Persönlichkeiten sein, die einen Ruf zu verlieren hätten. Weiter dürfen sie mit Fabienne Müller nicht verwandt sein und sollten möglichst nicht Müller heissen, da man sonst als Zeuge mit der Geburtsurkunde belegen muss, dass kein Verwandtschaftsverhältnis besteht. Interessierte können sich per E-Mail über weltrekordversuch@hotmail.ch bewerben. (dma) Drei bis fünf Stunden am Stück trainiert Fabienne Müller. Foto: Dominique Marty

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