Airline-Artikel ziehen immer – egal mit welchem Logo drauf

Beim Verkauf von Swiss-Schnäppchen in Kloten ist der Andrang gross. Von Baby-Alpakadecken bis Lounge-Stühle gab es alles zu kaufen.

Dicht gedrängt: Kauffreudige Kundschaft im Lagerraum am Balsberg.

Dicht gedrängt: Kauffreudige Kundschaft im Lagerraum am Balsberg. Bild: Johanna Bossart

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Als stünden sie auf einer Flugzeugtreppe, warten die Schnäppchenjäger auf Einlass. Doch statt in den Flieger führen die Stufen in einen Lagerraum am früheren Swissair-Sitz am Balsberg. Über 60 Leute haben sich zum Verkauf von First-Class-Geschirr und Lounge-Mobiliar der Swiss International Airline eingefunden. Mit der Einführung eines neuen Servicekonzepts für die Premiumgäste und dem Neubau der Lounge im Dock B hat die Ware ausgedient.

«Bloss die Swiss»

Es ist schon nach 10 Uhr, und der Vorderste in der Reihe bringt sich mit einer grossen Tasche in Stellung. Um 5 nach 10 geht die Tür auf, und noch ehe das zweite Dutzend den Raum betritt, hat der Mann von der Poleposition die 17 Lounge-Stühle ergattert. 400 Franken kostet eines der Fabrikate aus braunem Leder und Metall, und Jeannette Meier aus Zürich hätte gerne einen Stuhl erstanden. «Ich bin in einer Swissair-Familie aufgewachsen und habe gute Erinnerungen an diese Zeit», sagt sie mit ihrem Baby im Arm. Dass sie heute – wenn überhaupt – nur das Logo von Swiss auf den liquidierten Artikeln finden wird, tut ihren nostalgischen Gefühlen keinen Abbruch. Statt auf einem Lounge-Stuhl hat sich ihr Mann mit Porzellanschalen und einem Holztischchen in die Schlange vor der Kasse gestellt.

Letzteres benutzt Walter Baumgartner, um seine Beute abzustellen. Seine Frau ist aus Südamerika, weshalb er ein paar Baby-Alpakadecken zum Preis von je 80 Franken erwerben will. Ob auch er das Tuch ersteht, um sich mit Erinnerungen an die guten alten Zeiten zu erwärmen? «Nein», sagt er und winkt ab – «ist ja bloss von Swiss.» Als die Reihe etwas vorrückt, hilft Baumgartner seinem Vordermann beim Tragen des Tischchens, derweil sich die übrigen Kauflustigen im Raum zwischen Stapeln von Sesseln, Türmen von Tellern und Kisten voll Wein aneinander vorbeizwängen.

Ein Trolley fürs das Seehotel

Josef Hutter schliesst die Tür und hält weitere Kundschaft vor dem Eingang zurück. Der Rentner aus Kloten ist Aushilfskraft im Team von Liquidator Jürg Hoss und zeigt sich wenig überrascht vom grossen Andrang. «Airline-Sachen ziehen immer – egal ob von Swissair oder Swiss.»

Den Raum verlassen auch die ersten Trolleys, mit denen die Flugbegleiterinnen jeweils die Menüs servieren. Christina Oliveira aus Winkel hat sich einen solchen geangelt, zum Preis von 400 Franken. «Wir führen am Bodensee das Seehotel Schiff, und dort wollen wir den Trolley draussen für den Service einsetzen.» Die Kauflust der Kundschaft frisst nach und nach Lücken in die eben noch vollgestopfte Lagerfläche und gesteht den Verbleibenden nun zu, vor einem Objekt stehen zu bleiben, ohne einen Stau zu erzeugen. Ob die exakt 899 Serviertabletts auf dem Palett je einen Abnehmer finden, ist indes fraglich.

Flugbüsis aus Seebach

Bestens gelaunt ist eine 74-jährige Dame aus Herrliberg, die allerdings anonym bleiben will. Sie steht im Auftrag ihrer Nachbarn mit Tassen, Löffeln und Beilageschalen vor der Kasse. «Für mehr habe ich keinen Platz – ich bin mit dem Töff da», sagt sie und packt dann doch noch einen Crossair-Kinderrucksack in die Kartonschachtel. Sie sei ein grosser Fan von Airline-Artikeln, habe schon bei der Versteigerung von Swissair-Restbeständen mitgeboten. «Ich bin ursprünglich aus Seebach, wo viele Flugbüsis wohnen» – Flight-Attendants, wie sie später präzisiert. Die Sachen von Swiss hätten einen grossen Marktwert. Sie beobachte dies an der Börse. Ihre Nachbarn würden sich bestimmt über die Ware freuen, ist sie überzeugt. «Und sonst schenke ich es weiter – als Mitbringsel sind Swiss-Sachen immer geeignet.» Liquidator Jürg Hoss pflichtet der Dame bei. «Swiss hat es in kurzer Zeit geschafft, die Marke mit Qualität in Verbindung zu bringen.»

Erstellt: 17.06.2011, 22:15 Uhr

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